«Das ist sehr beunruhigend»

Die Nettozuwanderung wird im Jahr 2016 stark einbrechen. Weshalb die Wirtschaft darunter leiden dürfte.

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Am Dienstag dürfte das Staatssekretariat für Migration (SEM) die Einwanderungszahlen des ersten Quartals 2016 präsentieren, der «Blick» will aber bereits wissen: Im Vergleich zum Vorjahr soll die Nettozuwanderung um ein Drittel abgenommen haben. Rechnet man die rund 15'600 Menschen, die in den ersten drei Monaten in die Schweiz eingewandert sind, hoch, würde bis Ende Jahr ein Bevölkerungszuwachs von 50'000 Personen resultieren – im Vorjahr wanderten netto 71'495 Personen ein, 2014 waren es 78'902 und 2013 sogar 81'084. Im Rahmen der Masseneinwanderungsinitiative wurde eine tragbare Bandbreite von 20'000 bis 60'000 Zuwanderern genannt.

Für Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund, liegen die Gründe für den deutlichen Rückgang nicht etwa bei den SVP-Initiativen, sondern beim starken Franken und der schlechter laufenden Konjunktur: «Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Firmen brauchen weniger ausländische Arbeitskräfte.» Für den 47-Jährigen bedeutet das insbesondere ein weniger starkes Wachstum der Wirtschaft. «Weniger Menschen bedeuten im Dienstleistungssektor weniger Umsatz. Das betrifft auch den Detailhandel oder die Coiffure-Geschäfte», sagt Lampart.

Ende der «deutschen Welle»

Die Entwicklung geht nicht nur auf die sinkende Anzahl Einwanderungen zurück, sondern lässt sich vor allem dadurch erklären, dass viel mehr Menschen die Schweiz verlassen. Im Januar und Februar wanderten 20 Prozent mehr Ausländer aus als noch in den Monaten zuvor. «Auch die Zahl der Temporärjobs geht zurück. Ich gehe davon aus, dass viele Auswanderer zuvor temporär gearbeitet hatten», spekuliert Lampart.

Hinzu kommt, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, dass die deutsche Wirtschaft boomt. Die Saläre steigen, und der Regierung sei es gelungen, die Abwanderung ihrer Fachkräfte zu stoppen. Deshalb verlassen viele Deutsche die Schweiz und kehren in ihre Heimat zurück – dazu ist der Zustrom aus Deutschland praktisch zum Erliegen gekommen.

Alarm für die Wirtschaft

Dass durch den Einwanderungsrückgang künftig mehr Wohnungen leer stehen würden, glaubt Lampart nicht: «Wir befinden uns ja weiterhin im Bevölkerungswachstum, und es ist nach wie vor schwer, eine Wohnung zu finden. Jetzt schon von drohenden Leerständen zu sprechen, wäre sicherlich zu voreilig.» Vielmehr versteht der Chefökonom diese Zahlen als Alarm für die Wirtschaft: «Die Arbeitslosigkeit steigt, insbesondere bei den älteren Arbeitnehmenden. Das ist sehr beunruhigend. Es braucht einen besseren Schutz der langjährigen älteren Arbeitnehmer gegen Entlassungen. Und die Arbeitgeber müssen verpflichtet werden, offene Stellen zu melden.»

Bei allen Sorgen bietet die rückläufige Zuwanderung aber auch eine grosse Chance: «Die SVP-Ideologen werden so etwas zurückgebunden. Es ist nun möglich, politisch wieder mit klarerem Kopf zu diskutieren.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2016, 14:47 Uhr

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