Walliser Märchen

Vom Transfer eines Weltstars zum Neuanfang mit Eigengewächsen: Der HC Sierre hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Jacques Lemaire, Spielertrainer vom HC Sierre, aufgenommen im Februar 1981.

Jacques Lemaire, Spielertrainer vom HC Sierre, aufgenommen im Februar 1981.

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Was hat er für Geschichten geliefert, dieser Hockeyverein im Unterwallis. 1973 war der HC Sierre Vizemeister, sechs Jahre später gelang ihm der wohl verrückteste Transfer im Schweizer Eishockey. Jacques Lemaire, erst 34, aber bereits achtfacher Stanley-Cup-Sieger, wechselte in Topform und als Playoff-Topskorer von Montreal als Spielertrainer zum damaligen NLB-Klub.

Verstehen tut es wohl noch heute keiner in Nordamerika. Lemaire erhielt keine 100'000 Franken Lohn pro Saison, aber der Legende nach eine schicke Bleibe, ein Kindermädchen sowie einen Mercedes – und er buchte in 66 Spielen 132 Skorerpunkte.

Es gab aber auch die anderen Schlagzeilen, geprägt von den finanziellen Problemen, die im Konkurs gipfelten im Frühling 2013. Von der NLB ging es runter bis in die 3. Liga. Wo das Märchen beginnen sollte.

Den Neuanfang machte Sierre ausschliesslich mit einheimischem Personal. Schauten auswärts mal 50, mal 80 Leute zu, kamen im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Sion 2045 Fans. Nach dem Aufstieg in der Saison 2014/2015 wollten sich 3000 Zuschauer das Duell mit La Chaux-de-Fonds 2 nicht entgehen lassen, der 2.-Liga-Rekord wurde regelrecht pulverisiert.

Trotz Gratiseintritt hatten 500 Anhänger freiwillig ein Saisonabonnement für 100 Franken gelöst; der Schnitt betrug 1369 Fans, worauf manch NLB-Klub neidisch war. Seit 2015 spielt Sierre nun in der regionalen 1. Liga, der vierthöchsten Spielklasse, der Rückhalt ist nach wie vor gross. Nach 30 Siegen in bislang 35 Spielen könnte es bald wieder eine Stufe hochgehen. Die Geschichten werden nicht ausgehen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 10:47 Uhr

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