Guy Boucher gibt den Tarif bekannt

Guy Boucher, der neue Trainer des SC Bern, hat seinem Ruf als «harter Hund» bei der ersten Trainingseinheit alle Ehre erwiesen. Der 42-Jährige sagt aber auch: «Ich werde in Bern nicht alles auf den Kopf stellen.»

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Guy Boucher bläst in die Trillerpfeife, greift zur Taktiktafel. Die Spieler des SC Bern versammeln sich in gemächlichem Tempo, was der neue Trainer nicht goutiert. Boucher staucht sie mit stechendem Blick zusammen und setzt kurzerhand eine Sprintrunde an. Der 42-Jährige tritt bestimmt auf: Sprints, Zweikämpfe und Liegestütze wechseln sich im ersten Training unter Bouchers Ägide ab.

Der frische Wind, den sich die Verantwortlichen vom Engagement des Kanadiers erhoffen, ist deutlich spürbar. Nach der Übungseinheit begrüsst Boucher die Journalisten mit kräftigem Händedruck – und äussert sich im Gespräch über sein...

...erstes Training: «Ich wollte niemanden beeindrucken, nur weil dies mein erstes Training war. Nein, das bin ich, das ist mein Stil. Ich bin besessen vom Tempo: schnelle Hände, schnelle Füsse, schnelle Reaktion – für mich kann es nicht schnell genug sein. Und ich fordere viel.»

...den Schlüssel zum Erfolg: «Es gibt nicht einen Schlüssel, der überall passt. Entscheidend ist die Anpassung. Ich werde in Bern nicht alles auf den Kopf stellen. Hier haben viele Leute über Jahre hinweg ausgezeichnete Arbeit geleistet. Das respektiere ich, darauf werde ich aufbauen.»

...seine ersten Worte an die Mannschaft: «Ich habe den Spielern gesagt: ‹Ihr habt die Wahl: Entweder werdet ihr unter meiner Führung schlechter, oder ihr werdet besser. Entweder fürchtet ihr euch vor dem neuen Coach, oder ihr betrachtet die Änderung als Herausforderung.› Ich liebe Herausforderungen.»

...seinen Eindruck des Teams: «Die Mannschaft ist intakt, es existiert eine gute defensive Basis. Natürlich gibt es in jedem Beruf auch schlechte Tage. Zentral ist, dass wir jene Dinge kontrollieren, die wir kontrollieren können. Ich werde den Spielern zeigen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können.»

...den Umstand, dass er keinen SCB-Spieler persönlich gekannt hat: «Um ehrlich zu sein: Ich mag das. Natürlich werde ich mit jedem Spieler auch noch über seine Vergangenheit sprechen, aber vorerst geht es um Stärke, nicht um Vergangenes, Negatives. Es gibt zwei Arten von Trainern: jene, die aufbauen, und jene, die zerstören. Ich zähle mich zur ersten Gruppe.»

...die Partie vom Freitag gegen Ambri: «Es ist wie beim Sprung ins kalte Wasser. Du weisst, du musst rein – und es wird nicht angenehmer, je länger du wartest. Deshalb ist es perfekt, sehe ich die Mannschaft bereits am Freitag im Wettkampf.»

...eine allfällige Ausstiegsklausel im Vertrag: «Wir haben das noch nicht im Detail ausgehandelt. Aber ich befasse mich lieber mit dem Kommen statt mit dem Gehen. Der Wechsel nach Bern war ein Entscheid für das Eishockey und für die Familie. Meine Frau stammt aus Holland, spricht vier Sprachen und wird die fünfte rasch lernen. Meine Schwester lebt in Italien, wir werden uns hier wohl fühlen. Die Schweiz ist ein tolles Land mit guten Schulen, die Leute haben Passion für das Eishockey. Für uns ist das eine Win-win-Situation – punkto sportlicher Herausforderung und punkto Lebensqualität.»

...seine Zeit ohne Job nach der Entlassung bei Tampa Bay im März 2013: «Die ersten Monate waren hart. Ich wollte sofort zurück an die Bande, merkte aber später, dass es auch schön ist, endlich mehr Zeit für die Familie zu haben. Erstmals seit 18 Jahren hatte ich wieder Freizeit, aber zuletzt hielt ich es kaum mehr zu Hause aus. Ich brauche den Wettbewerb, brauche das Gefühl, sich mit jemandem zu messen.»

...den frühen Wechsel vom Spieler zum Coach im Alter von 26 Jahren: «Mit 25 erkrankte ich schwer. Ich wurde auf einem Auge blind, war halbseitig fast gelähmt, es handelte sich um ein Virus, eine Nervenkrankheit. Ich musste meine Karriere beenden, setzte mein Studium fort. Der Gesundheitszustand besserte sich, und schliesslich holte mich Trainer Martin Reymond als Assistenten zu meinem Ex-Team McGill University. In den folgenden Jahren durfte ich von vielen grossen Trainern lernen: Jacques Lemaire, Mike Babcock, Ken Hitchcock, Pat Quinn. Die Arbeit mit solchen Persönlichkeiten hat meine Entwicklung beschleunigt – und sie ist mit ein Grund, weshalb ich nun als Trainer in Bern arbeiten darf.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.01.2014, 06:25 Uhr

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SCB-Trainer Guy Boucher

SCB-Trainer Guy Boucher Der SC Bern gab am 27. Januar die Verpflichtung eines neuen Trainers bekannt. Es handelt sich um den 42-jährigen Kanadier Guy Boucher.

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