Blatter erhält weiter sein Millionengehalt

Hinter den Kulissen versucht Sepp Blatter, seinen Nachfolger aufzubauen – und lässt sich weiterhin fürstlich entlöhnen. Inzwischen wurde ihm ein Ehrendoktortitel aberkannt.

Auszüge aus Sepp Blatters denkwürdiger Pressekonferenz. Video: Spiegel Online / Kicker.tv


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An seiner denkwürdigen Pressekonferenz vom Montag zeigte sich ein sichtlich aufgewühlter Sepp Blatter kämpferisch. Er werde die Sperre von acht Jahren nicht akzeptieren: «Die Ethikkommission hat nicht das Recht, den Präsidenten zu entmachten. Nur der Kongress darf das.» Dabei betonte er immer wieder, wie auch viele Leute innerhalb der Fifa den Entscheid von Ethik-Chefrichter Hans-Joachim Eckert nicht nachvollziehen können. «Ich werde kämpfen. Für mich und für die Fifa», polterte er.

Und wie Blatter kämpfen will, erläuterte sein Berater Klaus J. Stöhlker gegenüber der «Bild»: «Herr Blatter trifft sich ständig zu Gesprächen mit zahlreichen Mitgliedern der Fifa-Exekutive. Bei diesen Treffen findet der Kampf um die Fifa statt.» In anderen Worten: Der 79-Jährige versucht mit Nachdruck, auf die Exekutivmitglieder Einfluss zu nehmen, um seinen Wunschnachfolger zu installieren. Bei diesem soll es sich um Salman bin Ibrahim al-Khalifa (Bahrain) handeln. Ausserdem versucht Blatter zu verhindern, dass Prinz Ali bin al Hussein (Jordanien), der Kandidat der Amerikaner, oder Tokyo Sexwale (Südafrika), der von einem Teil Europas unterstützt wird, an die Macht kommt.

Viele dieser Treffen finden in seiner Dienstwohnung statt. Diese, und seinen Mercedes (inklusive Fahrer), darf der Walliser bis zum Kongress vom 26. Februar 2016 behalten. Das Gleiche gilt für sein Salär, wie Fifa-Vertreter in der «Welt» bestätigten. Denn Blatter wurde zwar von der Ethikkommission gesperrt, nicht jedoch von der Fifa suspendiert. Die Höhe seines Lohns ist weiterhin eines der grössten Geheimnisse im Weltfussball. Anfang November hatte sich Sion-Boss Christian Constantin öffentlich über die hohen Gehälter im Fussball beklagt und die Bezüge des Fifa-Chefs auf acht Millionen Euro beziffert.

«Einmal mehr irreführend»

Ebenfalls in der «Welt» äusserte sich Eckerts Sprecher Marc Tenbücken und nahm Stellung zu Blatters Vorwürfen, die Ethikkommission hätte die Medien noch vor dem scheidenden Fifa-Präsidenten informiert: «Die Darstellung von Herrn Blatter ist einmal mehr irreführend. Die Information der Medien erfolgte nachweislich nach Übermittlung des Urteils an seine Anwälte.»

Der Zwist zwischen dem einst mächtigsten Mann im Weltfussball und der von ihm ins Leben berufenen Kommission dürfte auch noch in den kommenden Wochen anhalten. Blatter hatte an der Pressekonferenz angekündigt, alle gerichtlichen Instanzen zu durchlaufen – notfalls sogar bis zum Schweizer Bundesgericht.

In der Zwischenzeit wurde ihm auch noch der Ehrendoktortitel der Universität De Montfont aberkannt. Er war ihm 2005 verliehen worden, Blatter sprach damals von einer «grossen Ehre». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2015, 10:46 Uhr

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