Chapuisat trifft früh, Zidane dirigiert bis spät

Im 11. Spiel gegen die Armut im Stade de Suisse brillieren frühere Weltgrössen – Stéphane Chapuisat gelingt vor der Pause ein Hattrick für YB & Friends, die am Ende 6:8 verlieren

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Ronaldo verschiesst. Figo vergibt. Zidane verpasst. Es ist einer der Älteren in diesem Zirkel einstiger Grössen, der das Geschehen zu Beginn prägt. Drei Tore erzielt Stéphane Chapuisat in den ersten 37 Minuten des 11. Spiels gegen die Armut. Drei Mal bezwingt er Antonios Nikopolidis, drei Mal locker und leichtfüssig, ohne grosses Aufheben, der Hattrick ist perfekt. Nicht dass man nicht mehr mit ihm gerechnet hätte, dem Champions-League-Sieger und deutschen Meister, der mit seinem Palmarès in der Schweiz auffällt, gestern Abend im Stade de Suisse aber beinahe untergeht. Die grossen Namen des Fussballs der 90er- und 2000er-Jahre sind gekommen, die Radien vielleicht kürzer geworden, noch immer aber vermögen die Altstars zu begeistern – und auch die lokale Fussballprominenz, den mit Ex-Spielern verstärkten Young Boys, knapp und nach Rückstand mit 8:6 zu bezwingen.

In über 50 Länder wird die Partie übertragen, mehr als 100 Medienschaffende berichten über den Anlass, den das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen jedes Jahr irgendwo auf der Welt durchführt. Die Profis von früherem Weltruf mögen an diesem Abend vielleicht im kalten Berner Regen stehen, im Leben aber sind sie auf der Sonnenseite. Oder wie es Zidane bereits vor dem Spiel weise formuliert: «Im Fussball ist Wettbewerb sehr dominant. Doch für viele Menschen spielt das keine Rolle. Heute soll das auch hier anders sein.» Der Erlös der 20 128 verkauften Eintritte kommt den Opfern des Taifuns Hayan auf den Philippinen zugute, Teile davon auch dem YB-Charity-Partner Laureus.

Im Stadion ist es nicht nur kalt, oft auch ruhig, eine Ballberührung von Zidane oder Ronaldo vermag aber immer wieder Jubel zu erzeugen. Doch der echte Hype, der fand eigentlich schon viel früher statt. Vor dem Hotel Schweizerhof beim Bahnhof Bern stehen die Leute am Nachmittag auf den Zehenspitzen, stossen sich die Ellenbogen in die Bäuche, strecken ihre Handys in die Höhe. «Zizou» ruft einer, bevor Fabio Cannavaro aus dem Wagen steigt, «Ronaldo» der nächste, als Fredrik Ljungberg ankommt. Die berühmten Gesichter zu erkennen ist Glückssache, dabeisein alles, und drinnen, in der Lobby, ist die Aufregung zwar in gedämpfter, fünfsternetauglicher Form, aber noch immer deutlich wahrzunehmen. «Unsere grösste Herausforderung ist, dass die Stars tröpfchenweise ankommen» erklärt Iris Flückiger, Generalmanagerin des Hotels Schweizerhof. Niemand weiss genau, wer wann eintrifft; alle warten auf Ronaldo, dann kommt Zinédine Zidane; alle rechnen mit Cannavaro, dann ist Paolo Maldini da. Dutzende Journalisten ringen um ein kurzes Interview mit den Grössen von früher, die Sicherheitsleute haben Hochbetrieb und sind sichtlich um Ordnung bestrebt. «Dass die anderen Gäste nichts davon mitbekommen, ist schier unmöglich», gibt Flückiger zu.

Doch es ist ja auch nicht jeden Tag Legendenspiel in Bern. Schnell wird klar, dass jeder der berühmten Ex-Fussballer so seine eigenen Tricks hat, um möglichst rasch die Menge zu passieren. Michel Salgado wählt den Klassiker (am Telefon), Hidetoshi Nakata gibt vor, jemanden ganz zuhinterst im Raum dringend grüssen zu müssen, und Ljungberg, der Schwede mit der einst so auffälligen Frisur, wird unter seiner riesigen Mütze gar nicht erst erkannt. Mehr oder weniger charmant rettet sich Paolo Maldini in den Lift zu seinem Zimmer. Milans Rekordspieler (über 900 Einsätze) gibt erst zu, den Fussball nicht mehr so genau zu verfolgen, «deswegen ist es schön, alle hier wieder zu sehen». Später meint er scherzhaft, von Interviews Ausschlag zu kriegen «und überhaupt, eigentlich habe ich gar keine Lust dazu».

Weitaus formeller sprechen wenige Stunden später die Protagonisten des Abends. Ronaldo und Zidane, die Botschafter des UNO-Programms, sorgen für das wohl längste Blitzlichtgewitter, das je über den Medienraum im Stade de Suisse herniedergegangen ist. Nach Allgemeinplätzen wie dem Dank für die Gastfreundschaft, welcher Alain Kappeler, YB-CEO, dankend annimmt, wird die Gesprächsrunde lockerer. Die vierfache Weltfussballerin Marta erklärt, sie sei froh, «im Team von Zidane und Ronaldo zu sein», und nicht gegen sie antreten zu müssen. Später schlägt sich die Brasilianerin beachtlich, bereitet zwei Treffer vor. Star um Star wird eingewechselt. «Wir schätzen es sehr, folgen alle Spieler unserer Einladung», sagt Ronaldo.

Es ist ja eine Rückkehr der Benefiz-Aktion in die Schweiz, welche 2003 in Basel zum ersten Mal ausgetragen wurde. Auch damals liefen Zidane, Ronaldo und Co. auf, ebenfalls Hakan Yakin – das Niveau aber dürfte höher gewesen sein, waren die Akteure damals doch aktiv. «Diese Mission wird immer grösser für uns zwei», meint Ronaldo und wendet sich lächelnd an seinen französischen Kumpel Zidane. Die Weltfussballer pflegen einen freundschaftlichen Umgang, gestern auf dem Platz muss Lebemann Ronaldo eher weichen als der fitte Zidane. Umsichtig dirigiert der Weltmeister von 1998 das Spiel bis zum Schluss, steuert einen Penalty-Treffer zur Wende herbei. Chapuisat muss nach seinem frühen Hattrick bald mal vom Platz, «zu wenig Laufarbeit», wie er lächelnd erklärt. Weltklasse verkörpert er noch immer – zumindest unter einstigen Spitzenfussballern.

Hier finden Sie den Matchbericht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.03.2014, 08:05 Uhr

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