Wie der Bergler zum populärsten Bundesrat wurde

Wie macht er das bloss? Alt-Bundesräte verschwinden von der Bildfläche, aber der Politquereinsteiger Adolf Ogi ist immer noch omnipräsent. Denn der Naturbursche aus Kandersteg ist ein Naturtalent des öffentlichen Auftritts.

Adolf Ogi blickt im Interview zurück. (Video: SDA)

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Als er 20 war, wollte Adolf Ogi Bergführer werden. Dass es dann zum Bundesrat reichte, hätte sich der Kandersteger Bergbursche damals nicht träumen lassen, sagt er im Buch «Unser Dölf», das zu seinem heutigen 75. Geburtstag erscheint.

Die Laufbahn des kletterfesten Berglers ist ein schwindelerregender Aufstieg. Nach der Primarschule besuchte Ogi die Handelsschule La Neuveville. Ab 1964 arbeitete er sich beim Schweizer Skiverband zum Direktor hoch. Im Glanz der Schweizer Gold­medaillen an den Olympischen Winterspielen im japanischen Sapporo 1972 wurde Ogi populär.

Das verhalf ihm 1979 zur Wahl in den Nationalrat für die SVP. Die Ämter-Ochsentour blieb dem Politquereinsteiger erspart. 1987 wurde er zum Bundesrat gewählt. Erst misstrauten viele dem Strahlemann ohne akademische Weihen. Seine Auftritte wirkten bisweilen hölzern. Für seine Neujahrsansprache 2000 klammerte er sich vor dem Lötschbergtunnel-Portal an eine Weihnachts­tanne. Sein Ausspruch «Freude herrscht» – beim Weltraumtelefonat mit dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier – ist zwar sprachlich schief, aber längst ein nationales Bonmot.

Das sagen Weggefährten über Adolf Ogi:

Ogis Popularität und Erfolge rührten bisweilen daher, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Noch vielmehr aber entsprangen sie seinem Kommunikationstalent und seiner positiven Ausstrahlung. Die Schweizer Kombination von Dörfler und Weltbürger verkörpert Ogi auf eine sympathischere Weise als der Rechtspatriot und Milliardär Christoph Blocher. Kein Wunder, waren die beiden in der SVP Gegenspieler.

Das Buch: Unser Dölf – 75 Wegbegleiter und Zeitzeugen würdigen Alt-Bundesrat Adolf Ogi, 328 Seiten, Werd & Weber-Verlag Thun, 30 Fr. Abonnenten dieser Zeitung erhalten das Buch zum Vorzugspreis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.07.2017, 07:17 Uhr

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