Schweizer Bauernaufstand gegen Palmöl

Das Freihandelsabkommen mit Indonesien steht vor dem Abschluss. Doch davon will der Bauernverband nichts wissen.

Palmölgewinnung in Indonesien: Bald könnte das Produkt vom Zoll befreit werden. Foto: Barcroft Media (Getty Images)

Palmölgewinnung in Indonesien: Bald könnte das Produkt vom Zoll befreit werden. Foto: Barcroft Media (Getty Images)

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Die Schweizer Wirtschaft drängt seit Jahren auf ein Freihandelsabkommen mit Indonesien. «Bei Indonesien handelt es sich für die Exportnation Schweiz um eine wichtige Volkswirtschaft mit rund 250 Millionen Einwohnern», sagt Jan Atteslander, Geschäftsleitungsmitglied des Wirtschaftsdachverbands Economie­suisse. Indonesien habe ein grosses Potenzial für Schweizer Unternehmen in den Gebieten Infrastruktur, Maschinen, Uhren, Gesundheitswesen oder Finanzdienstleistungen.

Von ebenfalls grossem Interesse ist ein Abkommen mit Malaysia. Wie das federführende Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage bestätigt, seien die Verhandlungen mit Indonesien bereits weit fortgeschritten. «Falls wir die letzten offenen Fragen lösen können, sollte ein Abschluss noch in der ersten Jahreshälfte möglich sein», sagt Seco-Sprecher Fabian Maienfisch.

Riesige Umweltzerstörung

Wenn bloss das Palmöl nicht wäre. Indonesien und Malaysia sind mit einem Marktanteil von über 80 Prozent die weltgrössten Produzenten und damit auch die wichtigsten Lieferanten für die Schweiz. Palmöl versteckt sich in fast jedem zweiten Alltagsprodukt. Verwendung findet es in Lebensmitteln, es eignet sich auch für die Herstellung von Agrotreibstoffen, und schliesslich taucht es auch in Waschmitteln oder Kosmetika auf. Und da Palmöl viel billiger ist als europäisches Raps- oder Sonnenblumenöl, setzt die Nahrungsmittelindustrie immer mehr auf die Ölpalme.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Palmölplantagen Tropenwälder vernichten – mit negativen Folgen wie etwa schwindender Biodiversität, Landverlust, steigendem CO2 und schlechten Arbeitsbedingungen für die einheimische Bevölkerung. Laut dem Bruno-Manser-Fonds, der sich für den Erhalt der Regenwälder und die Rechte der Regenwaldbevölkerung einsetzt, nehme allein in Malaysia die Fläche der Palmölplantagen täglich um 500 Fussballfelder zu.

Gestern traf sich in Bern eine spezielle Allianz. Mit am Tisch sassen Bauernverbands-Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter, Nationalrätin Maya Graf (Grüne) und Vertreter vom evangelischen Hilfswerk Brot für alle sowie der indonesischen Umwelt- und Menschrechtsorganisation Walhi – Letztere ist Partnerorganisation von Brot für alle im weltgrössten Inselstaat. Ihr gemeinsames Ziel ist es, zu verhindern, dass Palmöl im Rahmen der beiden Freihandelsabkommen vom Zoll befreit und damit noch billiger wird.

«Wenn das Abkommen nicht unseren Vorstellungen entspricht, werden wir es im Parlament zurückweisen.»Markus Ritter, CVP

Zwar kämpft der Schweizer Bauernverband nicht zuletzt gegen das Abkommen, weil er den einheimischen Raps durch Billigpalmöl konkurrenziert sieht. Doch Ritter betont: «Für uns ist der faire Handel sehr wichtig, wir wollen, dass Bauernfamilien auf der ganzen Welt ihre Nahrungsmittel produzieren und davon leben können.» Aber gerade dieses Ziel sei in Indonesien akut bedroht, weil Palmöl dank Millionen von Wanderarbeitern industriell angebaut wird, wie Walhi-Vertreter Yuyun Harmono anmerkt.

So vereint das bunte Bündnis auftrat, so überrascht reagierte es auf die Neuigkeiten aus dem Seco. «Wenn das Abkommen nicht unseren Vorstellungen entspricht, werden wir es im Parlament zurückweisen», sagt Ritter. Dabei hofft man auch auf die Stimmen der SVP-Bauernvertreter. Nur so viel: «Der Bauernverband wird sicherlich geeint auftreten.» Auch Maya Graf sagt, dass der linksgrüne Widerstand programmiert sei, sollte Palmöl nicht vom Abkommen ausgeschlossen werden. Doch dies ist gemäss dem Seco nicht möglich. Man strebe aber einen Kompromiss in Form von Kontingenten oder Rabatten auf die Einfuhrzölle an.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.01.2018, 21:59 Uhr

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