Fussball-Hooligan verspielt seine Militärlaufbahn

Dass er im März 2012 an Randalen in Luzern teilnahm, kostet einen Fussballfan die Zugehörigkeit zur Schweizer Armee. Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Beschwerde gegen den Armeeausschluss nun definitiv abgewiesen.

Fans heizten mit Fackeln die Stimmung auf am Cupspiel GC - FC Luzern vom 20. März 2012. Im Bahnhof Luzern gab es darauf Randale.

Fans heizten mit Fackeln die Stimmung auf am Cupspiel GC - FC Luzern vom 20. März 2012. Im Bahnhof Luzern gab es darauf Randale. Bild: Keystone

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Der Fussballfan dürfte seinen Ausraster nach dem Cupspiel vom 20.März 2012 in Luzern nicht so schnell vergessen. Seine Teilnahme an Ausschreitungen im Luzerner Bahnhof hat ihm nämlich nicht nur einen Strafbefehl eingetragen, sondern nachträglich auch noch den Ausschluss aus der Schweizer Armee. Das hat das Bundesverwaltungsgericht nun definitiv bestätigt in einem Urteil von Ende Mai, das es am letzten Freitag veröffentlicht hat.

Randale im Bahnhof Luzern

Der Frust sass offenbar tief bei einigen gewaltbereiten Fussballfans nach der 0:3-Niederlage des Zürcher Grasshopper Clubs gegen den FC Luzern. Im Luzerner Bahnhof gab es heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Luzerner Behörden fahndeten daraufhin mit Fotos im Internet nach 34 zeitweise vermummten Hooligans.

Im Dezember 2012 erhielt der junge Mann von der Staatsanwaltschaft Luzern einen Strafbefehl wegen Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Sachbeschädigung sowie Vermummung und wurde zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt.

In der Folge wurde er vorzeitig aus der Rekrutenschule entlassen. Am 16.August 2013 schloss ihn die Schweizer Armee aufgrund seine Delikts ganz aus ihren Reihen aus. Dagegen reichte der Mann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Erfolglos, wie man nun weiss.

Schweres Vergehen?

Eine erste Beschwerde des Mannes – wegen nicht gewährten rechtlichen Gehörs – hatte das Gericht noch gutgeheissen und an die Vorinstanz, den Führungsstab der Armee, zurückgewiesen. Das Armeegremium gab dem Mann darauf Gelegenheit, sich zu äussern – und verfügte erneut seinen Ausschluss. In seiner darauf lancierten Beschwerde erkannte der Mann eine «heimliche Praxisänderung», sei doch die Zahl der Armeeausschlüsse 2013 plötzlich sprunghaft angestiegen.

Er kritisierte auch, sein Vergehen sei für ein Strafbefehlsverfahren viel zu wenig schwer. «Entlastende Umstände» wie die «euphorisierte und alkoholisierte Stimmung» der Fangruppe seien von der Luzerner Polizei nicht berücksichtigt worden. Seine Mitwirkung an den Randalen sei ein «einmaliger und uncharakteristischer Aussetzer», sein Leumund sei vor dem Vorfall gut gewesen, die Rekrutenschule habe er zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erfüllt.

In seiner Urteilsbegründung widerspricht das Bundesverwaltungsgericht nun der Darstellung des jungen Mannes. Die Zunahme der Armeeausschlüsse 2013 sei sachlich nicht richtig, und ihre Zahl ändere nichts am Umstand, dass bei einer Strafe ab 180 Tagessätzen «grundsätzlich ein Ausschluss vorzunehmen sei».

Ansehen der Armee geht vor

Das Gericht unterstützt die Sicht des Armeeführungsstabs, wonach die Tat des Mannes durchaus schwer sei. Alkohol mildere die Umstände nicht. Gemäss Polizeirapport sei der Mann «an der Spitze der Randalierer und zeitweise vermummt gewesen». Seine Steinwürfe gegen Polizisten und Gebäude zeugten von einem «ausgeprägten Aggressions- und Gewaltpotenzial» sowie von einer besonderen «Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit».

Der Zugang zu Waffen könne aber nur Personen «mit hoher Integrität und Vertrauenswürdigkeit» gewährt werden. Um «Akzeptanz und Ansehen der Armee in der Öffentlichkeit zu schützen», seien Personen nach gewissen Delikten «untragbar». Der Ausschluss habe eine gewollte Signalwirkung, schliesst das Gericht. Es führt an, dass der Mann das Urteil nicht mehr beim Bundesgericht anfechten könne. Sein Armeeausschluss sei somit rechtskräftig. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.06.2015, 10:12 Uhr

Mit Fotos im Internet fahndete die Polizei nach den Hooligans. (Bild: Kantonspolizei Luzern)

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