Das Nein des Nationalrats ist heilsam

Nach dem Nein des Nationalrats muss sich das Freilichtmuseum Ballenberg klar werden über seine Strategie. BZ-Redaktor Stefan von Bergen über die Finanzierung des Museums.

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Es ist keine grosse Überraschung, dass der Nationalrat am Mittwoch eine Erhöhung der Bundessubventionen für den Ballenberg abgeschmettert hat. Denn das Freilichtmuseum hat die Beitragserhöhung mit seiner ungeschickten Aussenpolitik gleich selber torpediert. Wer Staatsgeld will, muss realistisch fordern. Yves Christen, Ballenberg-Stiftungsratspräsident, und die damalige Geschäftsführerin Katrin Rieder aber bezifferten den Finanzbedarf ihrer Institution im Frühjahr auf einen monströsen, auf zehn Jahre hochgerechneten Betrag von 90 Millionen Franken.

Im Juli machte dann der unfreiwillige Abgang von Katrin Rieder im Ballenberg auch noch eine Führungskrise sichtbar. Präsident Christen erklärte nun plötzlich, man brauche doch nicht so viel Geld.

Er will aber dennoch an jener Zukunftsstrategie festhalten, die noch im Frühjahr angeblich 90 Millionen Franken kostete. Wie das zusammengeht, verstehe, wer will. Dass der Nationalrat aufgrund dieser diffusen Zahlenspiele Nein zu einer Beitragserhöhung sagt, ist nur konsequent.

Ist das Nein des Nationalrats schlimm? Andere Museen wie das innovative Alpine Museum in Bern sind froh darüber. Denn ihre Bundesbeiträge wären gekürzt worden, wenn der Ballenberg mehr erhalten hätte. Aber auch für den Ballenberg selbst ist das Nein des Nationalrats keine Katastrophe.

Es ist vielmehr ein deutliches Signal, dass sich das Freilichtmuseum nun klar werden muss über seine Strategie, seine Bedürfnisse und seine Führungsstrukturen. Braucht eine Institution mit einer traumhaften Eigenwirtschaftlichkeit von 91 Prozent wirklich namhafte Bundessubventionen?

Oder sollten der Ballenberg und seine Standortregion nicht froh sein, vom Manna der öffentlichen Hand möglichst unabhängig zu sein? Eine erneuerte, professionell agierende Führung muss nun einiges seriös klären: wie viel Unterhaltskosten wirklich anfallen; ob der populäre Erlebnispark neu als wissenschaftliche Institution aufgestellt werden soll; und wie weit eine museumspädagogische Offensive im leicht zugänglichen Freilichtmuseum gehen muss.

Die Ballenberg-Leitung hat im Rahmen dieser Klärung auch noch die Chance einer Imagekorrektur. Nach Katrin Rieders Abgang kursierten finstere Gerüchte. Eine konservative Berner Oberländer Lobby wolle sich den Ballenberg als Folklorestätte sichern und habe deshalb die forsche Historikerin aus der Stadt weggeputscht. Die Führung muss nun zeigen, was der Ballenberg sein will: ein Ort von gestern; oder aber ein faszinierender Platz, der Vergangenheit und Gegenwart, Erlebnis und Forschung verbindet.

Mail: stefan.vonbergen@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2014, 06:30 Uhr

«Zeitpunkt»-Redaktor Stefan von Bergen. (Bild: Andreas Blatter)

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