Gratwanderung unter südlicher Sonne

Die Organisation von Wanderreisen ist anspruchsvoll. Gerade in Mittelmeerländern bleibt eine seriöse Rekognoszierung Pflicht.

Wandern in den Bergen des Aspromonte-Nationalparks: Das Geisterdorf Pendetatillo in Kalabrien. Foto: Alamy

Wandern in den Bergen des Aspromonte-Nationalparks: Das Geisterdorf Pendetatillo in Kalabrien. Foto: Alamy

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Wenn Sabine Ment von Natile Vecchio im Aspromonte-Nationalpark in Kalabrien mit ihrer Wandergruppe zum spektakulären Monolithen Pietra Cappa hochsteigt, weiss sie haargenau, welcher Weg zu nehmen ist. Ment will den Begleitern die besonderen Felsformationen aus der Nähe zeigen. Und sie findet auch den schmalen Pfad, der sie von den Grotten von Zungri hinauf ins Geisterdorf Papaglionti führt. Die Schweizerin lebt seit mehr als 25 Jahren in Süditalien und kennt die hintersten Winkel der kalabrischen Bergwelt.

Das ist auch nötig, denn in Italien sind die Wanderwege meist schlecht bis gar nicht markiert, und verlässliches Kartenmaterial findet man auch kaum. «Unsere Reiseleiter sind absolute Kenner und Fans ihrer Region. Sie sprechen auch die Landessprache», betont Hans Wiesner, Chef von Imbach Wanderreisen in Luzern. Diese Kompetenz weiss zu schätzen, wer in Italien oder anderen Mittelmeerländern schon einmal auf eigene Faust eine Wanderung unternommen hat.

Hinter der Organisation einer Wanderreise stecken viel Know-how und Wissen über die Region. «Klar, kann man sich vieles aus dem Internet holen, aber wir sind immer auch auf die Insidertipps erfahrener Reiseleiter angewiesen», sagt Wiesner. Die Schweizer Wanderreisen-Anbieter wissen, dass sie ein anspruchsvolles Publikum zu bedienen haben. Es besteht übrigens längst nicht nur aus Senioren, sondern vermehrt auch aus jüngeren Gästen. «Wandern ist heute eine Trendsportart», glaubt der Imbach- Geschäftsführer. Entsprechend werden Wanderreisen mit unterschiedlichen Levels angeboten – vom gemütlichen Genusswandern bis zu anspruchsvollen Trekkingtouren.

Guides kennen den Fotohalt wie die Taverne

Wird eine Reise neu ins Programm aufgenommen, soll sie das bereits vorhandene Sortiment abrunden oder ergänzen. «Wir sind ständig in Kontakt mit unseren Reiseleitern vor Ort – entweder schlagen sie uns neue Routen vor, oder wir gehen sie mit unseren Wünschen an», erklärt Daniela Rupp, Productnanagerin Wandern und Trekking bei Baumeler Reisen in Luzern. Imbach etwa nimmt auch Inputs von Teilnehmern auf. So stehen dieses Jahr erstmals Wanderreisen in den französischen Pyrenäen und in Guatemala auf dem Programm.

Zuerst klären die Planer die logistischen Aspekte ab: Wie gut ist der Zielort erreichbar? Gibt es Unterkünfte, die zum Kundensegment passen? Sind öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder Fähren vorhanden? «Erst wenn alle diese Punkte abgehakt sind, gehen wir an die Rekognoszierung einer Wanderreise», sagt Daniela Rupp. Meist werden diese nicht nur einmal abgelaufen. «Ein Reiseleiter muss auch Alternativen kennen, wenn zum Beispiel ein Weg nicht mehr begehbar ist oder das Wetter eine Abkürzung erfordert», ergänzt Rupp. Und natürlich wissen die Guides genau, wo sich ein Fotohalt lohnt oder eine gute ­Taverne lockt.

Gratwanderung zwischen Einzel- und Gruppenreisen

Die Konzeption einer neuen Reise sei stets eine Gratwanderung, meint Günther Lämmerer, Geschäftsführer von Eurotrek in Unterengstringen ZH. «Einerseits möchten die Teilnehmer möglichst unberührte Natur vorfinden ohne Konkurrenz durch andere Gruppen», so Lämmerer. «Andererseits will niemand die schönsten Highlights verpassen.» Während Imbach und Baumeler mehrheitlich auf Gruppenreisen setzen, fokussiert sich Eurotrek auf Einzelreisende. «Das erfordert einen ganz anderen Anspruch an die Ausarbeitung der Reisen, denn die Teilnehmer können sich nicht auf einen Wanderleiter verlassen», sagt der Eurotrek-Chef. Im Zuge einer Reko-Tour habe er zum Beispiel festgestellt, dass es in Korsika in der Hochsaison fast nicht möglich sei, spontan ein Taxi zu buchen. «Wir haben nun eine Vereinbarung mit einem Taxiunternehmen getroffen, das die Leute am entsprechenden Ort abholt. Aber auch die Wanderungen müssen so detailliert im Routenbuch beschrieben werden, dass Ortsunkundige den Weg finden.»

Unter den beliebtesten Destinationen im Mittelmeerraum sticht Italien hervor. Hans Wiesner nennt die Gründe: «Hier bietet sich eine einmalige Mischung aus Kultur und Genuss, die neben dem Wandern in der Natur ebenso wichtig ist.» Besonders die Amalfiküste, Sardinien und Elba mögen die Schweizer Wanderer. Ein Geheimtipp sind Wanderreisen in die Balkanstaaten, wobei Albanien noch besonders unberührt ist – mit der Konsequenz, dass dort eine gründliche Rekognoszierung sehr wichtig ist. «Touristisch steckt das Gebiet noch in den Kinderschuhen, ist aber gerade deshalb so reizvoll», findet Daniela Rupp von Baumeler.

Die grössten Zwischenfälle ereignen sich übrigens nicht auf den Wanderungen, wie Daniela Rupp erklärt. «Die häufigsten Pannen ergeben sich aus Flugverspätungen oder Streiks von Eisen­bahnern.»

www.baumeler.ch
www.eurotrek.ch
www.imbach.ch
(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.02.2018, 16:18 Uhr

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