Saanen

Abenteuer à discrétion mit Nigel Kennedy

SaanenFür das ehemalige «Enfant terrible» Nigel Kennedy ist Musizieren vor allem eins: ein grosses Abenteuer mit Freunden. Dies bewies er an seinem Auftritt am Menuhin Festival.

<b>Nigel Kennedy</b> begeisterte mit seinen Mitstreitern am Menuhin Festival mit seiner Musik und nicht seinem extravaganten Outfit.

Nigel Kennedy begeisterte mit seinen Mitstreitern am Menuhin Festival mit seiner Musik und nicht seinem extravaganten Outfit. Bild: PD

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Damals, vor zwanzig, dreissig Jahren, war er ein Rebell im Klassikbetrieb: Mit seinen extravaganten Outfits, seinen eigenwilligen Interpretationen und seiner Vorliebe für Crossover stiess er manche vor den Kopf.

Heute, mit 61 (und äusserlich kaum gealtert), ist manches, was Kennedy einst anstiess, etabliert. Und die gelbgrünen Turnschuhe lösen höchstens noch ein Schmunzeln aus. Geblieben sind seine musikalische Neugier, seine unbändige Spielfreude und eine Gestaltungsintensität, die jede Routine vermeidet.

Mehr noch: Für Kennedy ist Musizieren nach wie vor ein grosses Abenteuer mit Freunden: mit seiner vierköpfigen Begleitgruppe, die er nach fast jedem Stück abklatscht, und auch mit dem ­Publikum, mit welchem er immer wieder den Kontakt sucht.

Vieles wird in seinem Konzert aus dem Moment heraus entwickelt und könnte misslingen. Deshalb fordert er seine Fans in der voll besetzten Kirche Saanen auch auf: «Wish us luck!»

Verschmolzene Melodien

Glück brauchte er indessen kaum in diesem üppigen Konzertmenü, welches mit Bachs Fuge aus der ersten Violinsonate (g-Moll, BWV 1001) eindrücklich beginnt und dann, sozusagen als Hauptgang, die knapp halbstündige Eigenkomposition «The Ma­gician of Lublin» ins Zentrum stellt. Hier verschmilzt Kennedy gekonnt jüdische Melodien und jazzige Elemente zu dichten Stimmungsbildern einer vergangenen Zeit in Polen.

Improvisiert und profiliert

Als gigantisches Dessert folgten sechs Arrangements von Gershwin-Songs. Hier wurde improvisiert, was das Zeug hielt, und die Resultate waren bemerkenswert: Kennedy bestätigte sich als Violinist der Extraklasse (und als passabler Pianist), und seine vier Mitstreiter (zwei Gitarristen, ein Cellist und ein Kontrabassist) erfüllten ihm jeden Wunsch und nutzten den weiten Raum zur eigenen Profilierung.

Dass dabei Längen nicht immer ganz vermieden werden konnten und dieses «Abenteuer à discrétion» mit der Zeit auch etwas ­ermüdete, sei nur am Rande erwähnt. Das Publikum jedenfalls reagierte mit rasenden Begeisterungsstürmen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 22.07.2018, 14:57 Uhr

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