Lenk

Noch mehr Kunstschnee für weniger Skifahrer?

LenkDas Projekt wurde noch nicht ausgeschrieben, ist noch sehr vage und ist alles andere als spruchreif: Dennoch regt sich bereits grosser Widerstand gegen eine geplante intensive Beschneiung des Betelbergs an der Lenk.

Noch mehr Schneekanonen sollen den Wintertourismus am Betelberg fördern.

Noch mehr Schneekanonen sollen den Wintertourismus am Betelberg fördern. Bild: KSM-Fotografie

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Gemäss Informationen und Plänen, die der Redaktion vorlie­gen, planen die Lenk-Bergbahnen (LBB) eine intensive Beschneiung am Betelberg. Laut einer Informantin (Name der Redaktion bekannt) ist das Ziel der LBB, den Betelberg «wintertüchtig zu machen, auch wenn es nicht Winter ist». Dazu werde der Rütiquelle und der Simme noch mehr Wasser entnommen, als dies bisher schon der Fall sei. Als sogenannte letzte Option soll ein Speichersee auf der Agematte beim Leiterli angelegt werden.

Die Informantin, die selber am Betelberg eine Alphütte betreibt, macht sich deshalb Sorgen um die ganze Quellwasserversorgung am Betelberg, von der verschiedene Hütten betroffen seien. Sauberes Wasser sei für die Alphütten von elementarer Bedeutung, ist sie überzeugt. «Wenn wir kein sauberes Wasser mehr haben, hat die Hütte keinen Sinn mehr», sagt sie und fragt sich, womit denn der Käse gemacht werden soll.

Wasserumleitung beeinflusst Flora und Fauna

Für die Herstellung von Kunstschnee braucht es sehr viel Wasser. Laut einer Studie von Pro Natura werden für die Grundbeschneiung (circa 30 Zentimeter Schneehöhe) einer Piste von 2 bis 2,5 Kilometern Länge 7500 bis 12'500 Kubikmeter Wasser benötigt. Dieses werde «Bächen, Flüssen, Quellen oder der Trink­wasserversorgung ausgerechnet in der wasserarmen Winterzeit entzogen». Am Betelberg wäre im Fall einer intensiven Beschneiung die Rütiquelle betroffen, wissen gut informierte Kreise.

Natürlich bleibe das Wasser dem Wasserkreislauf der Erde erhalten, erklärt Nadja Kaiser von Pro Natura Spiez, aber es werde für solche Projekte oft umgeleitet. Das Wasser gehe so an anderen Orten in den Boden, als es natürlicherweise ginge. Dies könne dazu führen, dass nicht mehr dieselben Quellen gespeist würden, wodurch es an einigen Orten zu Austrocknungen und an anderen zu Nässe kommen könne. Ausserdem könnten so Quellen versiegen.

Dies habe grosse Auswirkungen auf Flora und Fauna in der betroffenen Region. Nadja Kaiser betont jedoch auf Anfrage, dass sie das geplante Beschneiungsprojekt am Betelberg nicht kenne und sich zu diesem Zeitpunkt dazu nicht äussern wolle. Aber: Pro Natura werde die Entwicklungen an der Lenk beobachten. Gegenwärtig gibt es zwar noch viele ­Naturschutzzonen am Betelberg, die eine Beschneiung verhindern.

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass Grundbesitzer aus «privatrechtlichen» Gründen solche Schutzzonen aufheben zugunsten einer künstlichen Beschneiung und kurzfristigen Profitdenkens. So wäre es möglich, dass morgen genau dort beschneit werden darf, wo es heute noch aus Landschaftsschutzgründen verboten ist.

Am Betelberg überlegt man sich eine intensive Beschneiung. Bild: KSM-Fotografie

Wirklich keine Zukunft ohne Schneekanonen?

Es braucht Wasser, Energie und Geld für die Herstellung von Kunstschnee. «Die jährlichen Betriebskosten für die Pistenpräparierung eines Kunstschnee-Kilometers belaufen sich auf 50 000 bis 70'000 Franken», heisst es in der Studie von Pro Natura. Generell kann man sich fragen, ob sich diese Investitionen bei den seit Jahren stetig rückläufigen Skifahrerzahlen (gemäss Statistiken von Seilbahn Schweiz), überhaupt noch lohnen.

Auch angesichts des Klimawandels und der wärmer und schneeärmer werdenden Winter. Denn: Kunstschnee lässt sich erst bei Temperaturen von minus 7 Grad Celsius herstellen. Zusätze wie beispielsweise Snowmax, die man dem Wasser beimischen kann und die das Wasser bereits bei etwa minus 3 Grad Celsius gefrieren lassen, sind gemäss Bauverordnung im Kanton Bern verboten. Vielleicht mache es mehr Sinn, sich über etwaige Alternativen Gedanken zu machen, als den Skitourismus als «einzig Heiliges» zu betrachten, sinniert unsere Informantin.

Sie denke dabei beispielsweise an den Ausbau und die Vermietung von Weidhäu­sern, wie das in der Jungfrau­region bereits erfolgreich gemacht werde. Und warum nicht den Betelberg als pures Naturerlebnis erhalten und vermarkten? Schliesslich habe auch die Natur ihren Wert.

«Im Moment befinden wir uns noch in einer Phase der Abklärung über die Machbarkeit verschiedener Varianten für die Erweiterung und Modernisierung der Beschneiungsanlagen am Betelberg», erklärt Nicolas Vauclair, Geschäftsführer der LBB, auf Anfrage. «Die bestehenden Anlagen stammen aus den Jahren 2001 bis 2003.»

Öffentliche Mitwirkung als erster Schritt

Das Beschneiungsprojekt am Betelberg beinhalte zurzeit noch viele Unbekannte, auch müssten noch mit diversen Parteien «intensive Gespräche» geführt werden, so Vauclair. Zum geplanten Speichersee in der Agematte liege noch nicht einmal eine Rückmeldung der betroffenen Eigentümerin vor. Man wisse zurzeit nicht, ob sie überhaupt bereit sei, über mögliche Standorte oder Vorprojekte zu diskutieren. Der erste öffentliche Schritt dieses Projektes werde eine öffentliche Mitwirkung sein, die in einigen Monaten stattfinden solle und im Anzeiger publiziert werde. (Berner Oberländer)

Erstellt: 17.05.2017, 21:59 Uhr

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