Die Volksvertreter wollen geteerte Wanderwege

Fünf ­Emmentaler Grossräte haben ­keine Freude am Schutz der historischen Verkehrswege und an den naturbelassenen Wanderwegen. Doch eine ­Lockerung der Vorschriften ist nicht in Sicht.

Natur statt Teer: Historische Verkehrswege sollen erhalten bleiben.

Natur statt Teer: Historische Verkehrswege sollen erhalten bleiben. Bild: Thomas Peter

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«Es sollte nicht länger so sein, dass die dezentrale Besiedlung immer noch mit solchen Standortnachteilen konfrontiert ist.» Die angesprochenen Nachteile beziehen sich auf Kiessträsschen, die nicht betoniert oder asphaltiert werden dürfen. Es sind die vier Emmentaler SVP-Grossräte Walter Sutter (Langnau), Fritz Reber (Schangnau), Alfred ­Bärtschi (Lützelflüh) und Markus Aebi (Hellsau) sowie ihr Ratskollege aus der EDU, Ernst Tanner (Ranflüh), die sich an den geltenden Vorschriften stören.

Ende letzten Jahres haben sie eine Interpellation eingereicht, die zum Ziel hat, die Hürden für den Ausbau von historischen Verkehrs- und Wanderwegen abzubauen. Sie empfinden es als zweifelhaftes Geschenk, dass das Emmental so reich ist an Routen, die im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) Eingang gefunden haben.«Oftmals sind diese Wege ebenfalls im Verzeichnis der Wanderwege aufgeführt», stellen sie fest. Das würde die Grossräte nicht stören, wenn die Pfade nicht gleichzeitig zu bewohnten Höfen führen oder den Landwirten für die Bewirtschaftung von Land und Wald dienen würden.

«Die meisten dieser Wege sind mit einer Kiesoberfläche versehen, die der heutigen Beanspruchung durch die verschiedenen Nutzer längst nicht mehr ­genügt», schreibt das Quintett. Nebst Schlaglöchern erwähnen sie Staubentwicklungen bei trockenem und Morast bei nassem Wetter, die teilweise zu «unzumutbaren Verhältnissen» führten. Für die Grossräte steht auf dem Spiel, ob die Landwirtschaftsbetriebe und anderen ­Liegenschaften «auch in Zukunft bewohnt werden». Gut ausgebaute Wege würden dazu beitragen. Die Interpellanten könnten sich zur Verbesserung der Lebensqualität etwa Betonfahrspurplatten oder Rasengittersteine vorstellen. Stark frequentierte Strassen sähen sie aber gerne mit einem Spritzbelag befestigt.

Kein Gehör in Bern

Doch weder historische Verkehrswege noch Wanderwege können ohne weiteres ausgebaut werden. Deshalb fragen die fünf Grossräte in ihrem politischen Vorstoss, ob eine Überarbeitung des Inventars möglich wäre und ob der Kanton eine Lockerung der geltenden Vorschriften unterstützen würde.

«Nein», schreibt die Regierung in ihrer Antwort, «eine generelle Lockerung der Vorschriften zum Ausbau regionaler und lokaler IVS-Verkehrswege oder von Wanderwegen ist auf kantonaler Ebene nicht möglich.» Bei Bedarf und anhand konkreter Baugesuche sei eine Anpassung im Inventar denkbar. Aber eine flächendeckende Überarbeitung «ist nicht erforderlich und aus Kostengründen abzulehnen». Auch der kantonale Sachplan Wanderroutennetz wäre laut der Regierung «nur im Rahmen der umfassenden bundesrechtlichen Vorgaben über die Fuss- und Wanderwege» abänderbar.

Ausnahmen sind möglich

Wie die Regierung in ihrer Antwort erklärt, geht es beim Schutz der historischen Verkehrswege vorab darum, die ursprünglichen Weganlagen zu erhalten. Die Wanderwege hingegen sollen sich «primär fürs Wandern eignen». Deshalb werde für diese ausserhalb der Siedlungsgebiete ein Naturbelagsanteil von 90 Prozent angestrebt. Im Durchschnitt erreiche der Kanton Bern heute wie in der gesamten Schweiz einen Wert von 77,5 ­Prozent. In den Regionen Bern-Mittelland, Emmental und Oberaargau liege er bei rund 71 Prozent. «Würde der Naturbelagsanteil bei den Berner Wanderwegen verschlechtert, stünde dies im Widerspruch zu den Bundesvorgaben», schreibt die Regierung.

Im Kanton Bern seien von total 7200 Kilometern historischer Verkehrswege rund 2800 Kilometer in das Wanderwegnetz ­integriert. Naturgemäss könnten historische Verkehrswege nicht verlegt werden. Fahrspuren aus Gittersteinen mit breitem Grasmittelstreifen könnten in Einzelfällen aber als Ausbauvarianten infrage kommen. «Aber betonierte oder asphaltierte Fahrspuren sowie mit Spritzbelag versehene Strassen würden den Anforderungen des Landschaftsschutzes häufig nicht gerecht.»

Das wollte die SVP der Gemeinde Langnau vor ein paar Jahren nicht einsehen. Per Motion zwang sie den Gemeinderat, ein Baugesuch für das Anbringen eines Hartbelags auf dem Strässchen zwischen Gmünden und Bluttenriedschwand zu publizieren. Die Stiftung Landschaftsschutz erhob Einsprache, der Statthalter hiess diese gut. Die beklagte Staubentwicklung wog weniger schwer als das Ziel, den historischen Verkehrsweg in der ursprünglichen Art zu belassen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.05.2017, 19:14 Uhr

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