Und das Nashorn dreht sich doch

Listige Löwen, Furcht einflössende Flusspferde und gewitzte Geparde: Der Lysser Videojournalist Philippe Delisle hat für SRF in Südafrika einen eindrücklichen und lehrreichen Tierfilm produziert. Die Dreharbeiten waren ein Abenteuer.

Nah dran: Der Lysser Videojournalist Philippe Delisle (40) schleicht sich im südafrikanischen Shamwari Game Reserve an ein Nashorn an.

Nah dran: Der Lysser Videojournalist Philippe Delisle (40) schleicht sich im südafrikanischen Shamwari Game Reserve an ein Nashorn an. Bild: zvg

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Und dann schleichen sie sich an ein Nashorn an. Auf der Jagd nach spektakulären Bildern. Kameramann und Moderator gehen geduckt auf das Tier zu. Es steht mit dem Hinterteil zu ihnen auf einem offenen Feld. Alles, was die Männer tun, tun sie ganz langsam. Und ganz still.

Sie befinden sich 30 Meter vor dem Nashorn. Wenn es sich umdrehe und losrenne, sollten sie auf einen Baum klettern, hat der Ranger gesagt. Mit wütenden Nashörnern in Südafrika sei nicht zu spassen.Das riesige Tier dreht sich um. Blöd, dass weit und breit kein Baum steht, denkt der Kameramann. Überall nur Gebüsche. Sein Herz rast.

Seltene Chancen

Der Kameramann heisst Philippe Delisle. Herzklopfen hatte der 40-Jährige diesen Frühling oft wie nie. Der Lysser Videojournalist hat für das SRF-Kinderprogramm «Zambo» einen Film über die Tiere im südafrikanischen Shamwari Game Reserve gedreht. «Pätagei in Südafrika» heisst das Werk. Einzelne Episoden daraus waren bereits online abrufbar. Der komplette Film ist nun im Festtagsprogramm von SRF gleich zweimal zu sehen; am 27. und am 31. Dezember.

Während viereinhalb Tagen waren Delisle, Moderator Patrick Stopper und zwei Produzenten fast Tag und Nacht im 250 Quadratkilometer grossen Reservat nahe der Stadt Port Elizabeth unterwegs. Sie bekamen Löwen, Elefanten, Flusspferde, Geparde, Giraffen, Warzenschweine, Antilopen, Schakale und Gnus vor die Linse, unter vielen anderen.

Technisch anspruchsvoll: Philippe Delisle filmt vom fahrenden Auto aus.

Oft musste Delisle vom fahrenden Auto aus filmen. Das war wegen der buckeligen Pisten im Reservat eine technische Herausforderung. Noch grösser aber war die Herausforderung, ständig bereit zu sein. «Die Kamera lief beinahe ununterbrochen», erzählt De­lisle. «Ich wusste, dass ich jeweils nur eine Chance habe.» Ein wenig habe er sich gefühlt wie früher, als er für Telebärn Eishockeyspiele gefilmt hatte. «In einer Verlängerung zum Beispiel wusste ich, dass ich das entscheidende Tor einfach draufhaben muss», sagt er. «In Südafrika war es ähnlich. Jeden Moment konnte ein Löwe vor die Kamera laufen und etwas Spektakuläres tun oder ein Flusspferd oder ein Warzenschwein.»

Echte Emotionen

Die Arbeit hat sich gelohnt. Im Film sieht man zum Beispiel zwei junge Geparde, die sich jagen. Das ist ein seltenes Schauspiel. Normalerweise liegen die Raubkatzen den ganzen Tag faul in der Sonne rum. Man sieht auch ein gigantisches Flusspferd, das direkt vor dem Auto des Fernsehteams die Strasse überquert. Oder eine Löwin, die den Urin eines Artgenossen ableckt, um so herauszufinden, ob dieser von einem Tier ihres eigenen Rudels stammt.

Schön ist, dass der 45-minütige Kinderfilm durchgehend lehrreich ist, aber nie belehrend wirkt. Das liegt auch an der fast kindlichen Freude und Naivität, die Moderator Patrick Stöpper ausstrahlt – jedes Mal, wenn er ein Tier sieht und den Rangern Fragen stellt. Nichts davon sei gespielt, sagt Delisle. «Stöpper ist einfach ein riesiger Tierfan.»

In einer Szene lernt der Moderator zum Beispiel, dass Elefantenkot Menschen vor dem Verdursten retten kann. Der Ranger zeigt ihm, wie man die Exkremente ausdrücken und so trinkbares Wasser gewinnen kann. Das ist ein bisschen eklig. Aber auch lustig und überraschend.

Überraschend ist auch, was mit dem Nashorn passiert, das sich plötzlich umdreht, als Delisle und Stöpper sich ganz nah herangeschlichen haben. Was genau, sei an dieser Stelle nicht verraten. Aber einen Moment lang scheint es, als wolle das Tier angreifen. Das Herz von Delisle klopft in diesem Moment noch schneller.


«Pätagei in Südafrika»:
Di, 27. Dezember, 14 Uhr, und Sa, 31. Dezember, 12.10 Uhr, SRF 1. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2016, 09:54 Uhr

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