Bern

«Wie viel Glühwein wir verkaufen, verrate ich nicht»

BernOlivier Jaggy ist Marktkommissionär und Inhaber des Platzhirschs. Der ­45-Jährige will keinen Ramsch und keine Skihütten-Stimmung am Berner Weihnachtsmarkt.

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Stunden nach der Zibelemärit-Aufräumaktion standen auf dem Waisenhausplatz ein über neun Meter grosser Weihnachtsbaum und das Platzhirsch-Haus. Am Donnerstagmorgen wurden Zäune montiert und Betonklötze hingestellt, die am Weihnachtsmarkt für Sicherheit sorgen werden. «Wir haben sie mit der Stadt so entwickelt, dass wir die Zäune oben reinstecken können», sagt Olivier Jaggy, Marketingverantwortlicher der Marktkommission. So lassen sich die Klötze mit den Tannenästen kaschieren. Beim Eingang am Bärenplatz werden sie als Geschenke eingepackt.

Seit vier Jahren ist Jaggy in der Kommission. «Die Marktfahrer machen nicht nur den Weihnachtsmarkt, sondern sind auch unter dem Jahr da. Wir sind der Markt, wir leben vom Markt», sagt der 45-Jährige. Er selber ist auch Marktfahrer und betreibt zwei Stände: den Caramelier mit Urs Neuenschwander sowie den Platzhirsch, den Feierabendtreffpunkt im Dezember. «Wie viel Glühwein wir ausschenken, verrate ich nicht. Diese Frage wird mir immer wieder gestellt und interessiert die ganze Stadt.»

Im Vergleich zum Ausland gibt es in Bern jeweils nur einen kulinarischen Stand an den beiden Märkten. «Viele sagen, dass die Märkte im Ausland schöner seien. In manchen Städten verkaufen bis zu 50 Prozent der Stände Essen und Trinken», sagt er.

Mit dem Platzhirsch will er kein Hüttengaudi veranstalten, sondern den anderen Marktständen zudienen. Oberstes Ziel sei es, dass die Leute mit einer Tasse Glühwein über den Markt schlendern und etwas für ihre Liebsten finden. «Wir wollen keine Skihütte sein und machen auch gerne um 22 Uhr zu.» Deshalb sei er froh um andere Winterbars wie beispielsweise Oscar Elch im Ringgenpark.

Gediegener Glühwein

Jaggy ist studierter Hotelmanager, leitete früher die Dampfzentrale, ist Teilhaber vom Serini, dem Restaurant im Eichholz. Und in der nächsten Sommersaison wird er das Hotel Fafleralp im Lötschental übernehmen. 2011 hat der gebürtige Niederscherler ein Konzept eingereicht, mit dem er einen neuen Glühweinstand auf zwei Stockwerken vorstellte.

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Und wer hier Glühwein trinkt, der tut dies gediegen aus Porzellantassen. «Niemand schafft es in der Schweiz, so viele Getränke in warmen Tassen zu servieren», ist er sich sicher. Das Geheimnis: Die Tassen kommen heiss aus der Maschine, wenn die Gäste bestellen. Alle Produkte, ausser das Fondue, kämen in Grossgebinde, weshalb man lediglich 210 Liter Abfall pro Tag habe.

Den Glühwein liess Jaggy von zwölf Sensorikern entwickeln, die ihm ein Rezept lieferten, deas die Geschmacksnerven der Mehrheit treffen sollte. Der Berner Sirupier produziert den Sirup, der mit einem Primitivo gemischt wird. «Auch meinen Geschmack trifft er. Und ich trinke am liebsten den roten Glühwein», sagt Jaggy. Auch Magenbrennen gebe sein Glühwein nicht, was auf die Qualität der Produkte zurückzuführen sein könnte, «garantieren kann ich das aber nicht».

Überhaupt betont er immer wieder die Qualität: Den Käse bekommt er von der Chäsblueme in Heitenried und die Wurst aus Münchenbuchsee. «Das sind beides Betriebe, die mit Herzblut arbeiten», so Jaggy. Herzblut, das er auch den 90 Standbesitzern zuschreibt. «Am Berner Weihnachtsmarkt gibt es Dinge, die man brauchen kann. Und keinen Ramsch wie andernorts.»

Fondue fürs Volk

Im Platzhirsch arbeiten 18 Leute, 16 davon mit einer Lehre im Gastgewerbe. «Was sie tun, machen sie gerne, und sie können es», sagt Jaggy. Alle würden im Dezember mehr als Vollzeit arbeiten. «Es fägt erst, wenn viel läuft und man ein bisschen im Seich ist.»

Während der Markt am Samstag aufmacht, laden die Händler am Freitagabend um 18 Uhr zum «Fondue fürs Volk». Dabei werde der Weihnachtsbaum feierlich «illuminiert», so Jaggy. Zum dritten Mal führe er das durch, und bisher hätten die Berner den Event noch nicht in ihre Agenda aufgenommen. Beim Glockenschlag des Käfigturms, der eine Minute verzögert ist, werden die Lichter des Baumes angezündet. Danach gibt es Fondue. «Die Leute müssen ein Gäbeli und Brot selber mitbringen. Den Käse sponsern wir», sagt er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.11.2017, 11:28 Uhr

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