Im intimen Massagekurs

Katrin Dällenbach von Planet Love führt neu Kurse für Intimmassagen durch. Frauen legen dabei an Dildos selber Hand an. Ein Besuch im Workshop in der Berner Matte.

Katrin Dällenbach über verklemmte Männer und witzige Kurse.
Video: Claudia Salzmann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Im Schnitt kommt ein Mann nach drei Minuten», sagt Katrin Dällenbach von Planet Love in der Berner Matte. Die 62-Jährige führt den Erotikladen seit 20 Jahren und weiss, wovon sie spricht, da Sex bei jedem Kundengespräch ein Thema sei.

Was man respektive frau dagegen tun kann, erläutert sie in Kursen, die sie seit April anbietet. «Ich habe mit vielen Frauen gesprochen und dabei gemerkt, dass es eine grosse Unsicherheit gibt, wie sie den Mann im Intimbereich berühren sollen.»

Zum siebten Mal führt sie nun einen Workshop durch, den sie «Handwork Lounge» nennt. Mit einem solchen Kurs will sie etwas anbieten, was ihr grösster Konkurrent – das Internet – nicht kann: «Wie alle Läden leide ich auch darunter, dass die Leute öfters online kaufen. Mit dem Kurs habe ich aber etwas, was das Internet nicht kann. Nämlich ein Treffen von Frau zu Frau.»

Die Teilnehmerinnen seien zwischen 20 und 70 Jahre alt, sagt sie. So auch im Kurs, den die Berner Zeitung vergangene Woche besucht hat: Die vier Teilnehmerinnen zwischen 28 und 65 sitzen auf den Stühlen, während Dällenbach die Anatomie des männlichen Geschlechtsteils erklärt.

Etwas verunsichert schauen sich alle an, schliesslich weiss man doch, welche Teile wie heissen und wo sie sind. Doch Halt, was ist das Frenulum? Das kleine Bändchen vorne an der Eichel sorgt für grosse Augen bei den Damen. «Das ist besonders empfindlich», betont Dällenbach.

In den zwei Jahrzehnten im Mattequartier hat sie hier einiges erlebt und auch drei Überschwemmungen durchgemacht. Sie weiss, wie sich die Offenheit gegenüber dem Sex verändert hat. «Als die Pille und Frauenrechte kamen, wurden die Frauen selbstbewusster und offener. In der Zeit von Aids gab es einen Knick, und seit den 90ern hat die Offenheit wieder zugenommen», sagt sie geraderaus.

Im zweiten Teil des Kurses wird dann im wahrsten Sinne Hand angelegt. Auf einem Tisch stehen Dildos und Gleitcreme bereit. Das Ziel ist, nicht nur die normalen Rubbelbewegung zu machen, sodass der Mann schnellstmöglich zum Orgasmus kommt. «Mit anderen Bewegungen können wir den Orgasmus hinauszögern. Und wenn ihr das schafft, wird euer Partner etwas erleben, was er bisher noch nicht kannte», erzählt sie weiter. Das Wissen dafür hat sie unter anderem vom Tantriker Didi Liebold, der bei ihr früher Informationsabende für Männer und Frauen durchgeführt hat.

Dällenbach zeigt vor, und die Damen machen es nach. «Zum Beispiel könnt ihr den ‹Screw Driver› machen», sagt sie. Und fährt mit der Hand in einer umkreisenden Bewegung über den Dildo. «Darauf hätte ich auch kommen sollen», ruft die 28-Jährige aus. Auch die 65-Jährige ist begeistert: «Das ist so viel schöner als einfach hoch- und runterbewegen.» Alle lachen und üben weiter. Wer denkt, dass es peinlich wird, liegt falsch: Die Atmosphäre ist locker, man schmunzelt, beobachtet die anderen und übt.

«Viele sind schon nach wenigen Minuten selbstvergessen dabei», freut sich Dällenbach. Oft liege das Problem dabei, dass in einer Partnerschaft niemand einen ersten Schritt machen wolle, um die Sexualität zu verbessern und weiterzuentwickeln.

«Natürlich wäre es auch an den Männern, dazulernen zu wollen», so Dällenbach. Sie würde auch Kurse für Männer durchführen, «doch denen ist das zu peinlich, in einer Gruppe an einer Muschi zu spielen.» Viele würden sich allerdings in einem persönlichen Gespräch auch für Intimmassagen interessieren.

Dann zeigt sie Übungen am Dildo, Bewegungen wie Feuer machen oder Orangen ausdrücken. Alle üben. Dann und wann braucht es mehr Gleitcreme, was übrigens das meistverkaufte Produkt in Dällenbachs Laden ist. Nach gut einer halben Stunde verteilt sie ein Merkblatt. «Ihr müsst das ja nicht grad mit ins Bett nehmen, aber man kann einfach mal eine Übung zusammen machen», sagt sie.

Nie hat man bei ihr das Gefühl, dass es ihr peinlich ist, über Sex zu reden. Auch nach dem Kurs, als alle wieder sitzen und sich über ihr Sexleben austauschen, kommen bald Fragen zu den Sexspielzeugen. Und so holt Dällenbach Boss, Big Boss, Womanizer hervor und erklärt die Vor- und Nachteile. Ob viele nach solchen Kursen etwas kaufen? «Das ist sehr unterschiedlich», sagt sie.

Heute sind die Teilnehmerinnen in Kauflaune. «Wenn ich einen Kaufdruck spüre, dann löscht es mir ab und ich kaufe sicher nichts. Aber das war heute nicht so», sagt die 28-Jährige. Alle verlassen nach zweieinhalb Stunden den Laden mit einer neutralen Tasche und verabschieden sich mit einem: «Schönen Abend und vor allem eine angenehme Nacht.»

Nächste Termine bei Planet Love: 9. und 23. August, 20. September. 65 Franken pro Person, Reservation unter 076 558 69 69. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.07.2017, 09:21 Uhr

Artikel zum Thema

Gleitmittel, Peitschen, Vibratoren und Prosecco

Was eine Homeparty zum Thema Sexspielzeug mit Wissen und Erkenntnis zu tun hat und mit Freundinnen verbinden kann. Und wie über Sex reden plötzlich einfach wird. Mehr...

Alles vibriert – nicht mehr nur im Sexshop

Sexspielzeuge sind im Trend. Vibratoren sind mittlerweilen sogar in der Apotheke erhältlich. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Mamablog Crashkurs für Eltern

Politblog Arnold Koller und der Zuchtziegenbock

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...