Bern

Eine Million für Behindertenprojekt

BernDer Berner Verein Blindspot hat Gelder zugesprochen erhalten. Damit soll ein Projekt in der Länggasse finanziert werden, wo Studierende und Behinderte miteinander leben.

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Am Donnerstag fand in Zürich die Feier zum 50-Jahr-Jubiläum der Stiftung Denk an mich statt. Dort wurde die neue strategische Ausrichtung bekannt gegeben: Im Zentrum steht das Thema Inklusion, die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben, so Stiftungsratspräsident Mariano Tschuor.

Und er verkündete die Vergabe von einer Million Franken an den Berner Verein Blindspot für ihr Pionierprojekt «Labor Inklusion». «Die Höhe des Betrages ist nicht alltäglich», freut sich Jonas Staub, der die Organisation vor 12 Jahren gründete.

Studis und Behinderte nebeneinander

Nebst Snowboardausflügen und anderen Events, an denen Menschen mit Beeinträchtigungen teilnehmen können, hat er in der Länggasse vor 2 Jahren das Restaurant Provisorium 46 aufgemacht und Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung geschaffen. «Wir bekommen viel positives Feedback. Hier gibt es gutes Essen und den bestmöglichen Service», so der 43-Jährige.

Mit den gesprochenen Geldern will er nun die Küche sanieren, die Toiletten rollstuhlgängig machen und vor allem die darüber liegenden Wohnungen renovieren. Hier soll die Inklusion gelebt werden: Studierende und Menschen mit Beeinträchtigung bis 30 Jahre sollen nebeneinander und miteinander leben.

Auch den Club

Wohnplätze für behinderte Menschen bietet auch die Blindenschule in Zollikofen an, wo man unter der Woche auf dem Campus bleibt. «Dort wird Praktisches gezeigt, wie man am Bancomaten Geld bezieht. Aber den Club im Dorf zeigen sie den Jugendlichen nicht. Genau das ist der Unterschied zu uns, wir bringen sie dann auch die Garderobe, wie man einen Drink bestellt und wie man flirtet», sagt Staub. Er ist überzeugt, dass die Vielfalt in der Gesellschaft ein Mehrwert ist.

Inklusion sei auch, wenn man seinen Sozialraum miteinbezieht. «Beispielsweise in der Kirchgemeinde eine Weiterbildung besuchen oder in der Bäckerei sich von der Verkäuferin helfen lassen. Wir gehen dann auch auf Institutionen zu und führen ihnen vor, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen können.»

Ein weiterer Unterschied zum konventionellen betreuten Wohnen sei auch, dass alle «von ihren Stärken lernen und ihre Schwächen besser erkennen».

Acht Jobs, acht Wohnplätze

Er distanziert sich auch davon, dass sein Angebot einfach ein weiteres Heim sei. «Bei uns müssen sich die Leute entscheiden, ob sie hier wohnen oder arbeiten wollen.» Beides gehe nicht. Insgesamt sind verschiedene Wohngemeinschaften mit Menschen mit und ohne Behinderung geplant. Davon sind jeweils acht Wohnplätze für Personen mit Behinderung reserviert, die maximal 3 Jahre bleiben können.

«Wir definieren am Anfang das Ziel gemeinsam. Einige wollen in eine WG, andere selbstständig alleine wohnen und wieder andere in eine betreute Wohnung», erklärt er. Im Restaurant sollen ebenfalls jeweils acht Arbeitsplätze für Mitarbeitende mit Behinderung geboten werden.

Der gelernte Sozialpädagoge Staub werde oft gefragt, warum er das mache. «Niemand in meinem Umfeld hat eine Behinderung. Aber ich habe gemerkt, dass es eine Angebotslücke bei jungen Erwachsenen gibt. Genau dann, wenn sie eine Lehre suchen oder ausziehen, gibt es kaum mehr Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – dabei wollen wir alle dazugehören.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.02.2018, 20:33 Uhr

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