Der teuerste Hund ging für 8000 Franken weg

31 der 102 Plastik-Bernhardiner, die drei Monate lang im Stadtgebiet standen, kamen am Mittwochabend unter den Hammer. Sie gingen zwischen 550 und 8000 Franken weg.

Nicht nur Plastik-Bernhardiner: Ein Mitbieter kam gestern Abend mit einem lebendigen Exemplar zur Versteigerung.

Nicht nur Plastik-Bernhardiner: Ein Mitbieter kam gestern Abend mit einem lebendigen Exemplar zur Versteigerung. Bild: Christian Pfander

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Dreihundert vierhundert vierhundert fünfhundert fünfhundert sechshundert siebenhundert... elfhundert elfhundert zum Ersten, zum Zweiten und... zum Dritten. In atemberaubendem Tempo jagt Auktionator Andreas Aebi die Preise für die Plastik-Bernhardiner in die Höhe. Aebi ist Landwirt, SVP-Nationalrat, Ornithologe, und er besitzt ein Reisebüro. Und seit 20 Jahren ist er Auktionator – Weltmeister im Schnellreden. Diesen Job hat er gestern Abend im Hotel Schweizerhof übernommen.

Im Fünfsternhotel kommen 31 Plastik-Bernhardiner unter den Hammer. Diese und weitere 71 standen von Anfang Juli bis Ende September im ganzen Stadtgebiet. Nicht zur Freude aller. Aus allen Ecken ernteten sie Spott und Hohn. Da war von «kitschigen Kötern» die Rede. Alt-Stadträtin Annette Lehmann (SP) fand sie «unförmig und schlicht un­nötig». Die Weltkulturerbe-Stadt werde derzeit «von einer Meute plumper Viecher verschandelt», die auf den quälend-originellen Namen Bernartiner hören, meldete die «Hotelrevue». Und Gemeinderat Reto Nause kassierte von der «Schweizer Illustrierten» den Kaktus.

Reto Nause sitzt auch im Saal. «Ich biete nicht mit, es interessiert mich einfach», sagt er. Zwei Sitzreihen vor ihm sitzt FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Sie bietet mit. Sie gehört mit über hundert anderen Anwesenden zu jenen, denen die Tiere ans Herz gewachsen sind. Die ersten 12 Bernhardiner gehen weg wie warme Weggli, zwischen 550 und 2000 Franken. Auktionator Aebi ist bei Nummer 13 angelangt. Christa Markwalder hebt mehrmals die Hand, schliesslich wird ihr Hevi (so heisst der Hund) für 900 Franken zugeschlagen. Aber sie hat noch nicht genug. Sie interessiert sich für Hund Nr. 17. «Loeblich» heisst das Tier. Gestaltet wurde es von der Schule für Gestaltung in Bern und Biel. Dieser Bernartiner stand auf einem Fassadenvorsprung beim Warenhaus Loeb, welches den Hund für die Versteigerung gespendet hat.

Bei vierhundert, sechshundert, achthundert, tausend, tausendsechshundert hebt Markwalder jedes Mal die Hand. Aber sie muss 2000 Franken bieten, bis der Hammer fällt. «Diesen Hund verschenke ich noch heute Abend privat», sagt sie. «Ich schenke ihn Nicole Loebs Mann, der heute seinen 50. Geburtstag feiert.» Und so geht «Loeblich» zurück zum Spender. Was sie mit dem anderen Hund mache, wisse sie noch nicht. «Vielleicht nehme ich ihn in die Wohnung», sinniert sie, «oder mir kommt eine Institution in den Sinn, die Freude daran hat.»

Für 2 der 31 Objekte wurden im Vorfeld schriftliche Gebote gemacht. 2500 Franken für den «Ybernartiner», der von den Spielern der 1. Mannschaft des BSC Young Boys gestaltet wurde. Aebi ist im Element. Er treibt den Hund in schwindelerregende Höhen. Bei 4000 Franken ist noch lange nicht fertig. 5000, 6000 und 7000 reichen auch nicht. Die Leute im Saal geben auf. Aber eine Dame – wie der Veranstalter später sagt – hat am Telefon für 8000 Franken den Zuschlag erhalten. Sie bleibt ­anonym.

Nicht so das junge Paar Alizeé Delaune und Thomas Linkes aus Studen. «Digidog alias Stromtrooper» ist ihnen 1500 Franken wert. «Wir wollten höchstens 1000 Franken ausgeben, aber so geht es halt», meinen sie. Strenge geometrische Formen zieren den schwarzen Body des Hundes. «Es war der erste Bernhardiner, den wir bei einem Stadtbummel durch Bern gesehen haben», sagt Thomas Linkes. «Und da wir nur schwarze Möbel haben, passt er ausgezeichnet in unsere Wohnung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.10.2017, 22:36 Uhr

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