Bern

Daheim im Quartier

BernZwei Theatermacherinnen haben Bewohner der Lorraine und des Breitenrains zu ihrem Daheim interviewt. Entstanden ist ­daraus eine Führung rund ums Thema Wohnen.

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Welchen Gegenstand brauchen Sie unbedingt, um sich daheim zu fühlen? Was waren Ihre Gedanken, als Sie zum ersten Mal Ihre jetzige Wohnung betreten ­haben? Wie ist es eigentlich, in einem Hotel zu wohnen? Solche Fragen haben die Theatermacherinnen Ruth Huber und Irene Müller 20 Bewohnerinnen und Bewohnern des Breitenrains und der Lorraine gestellt. «Uns hat erstaunt, dass die Meinungen überraschend ähnlich ausfielen, obwohl die Menschen ganz unterschiedlich sind», sagt die 33-jährige Müller.

Die aufgenommenen Antworten eines Altersheim­bewohners, eines Hoteldauergasts, einer Genossenschafterin oder eines Stadtnomaden hat ­Irene Müller, die beim Radio ­Rabe arbeitet, zusammen­geschnitten. Hörbar sind sie im Rahmen der neuen Stadtführung von Stattland mit dem Namen «Nirgendwo mehr als hier», die an den zwei nächsten Wochen­enden durchgeführt wird.

Güggu wäscht in der Lorraine

Eine der fünf Stationen ist beispielsweise der Waschsalon Jetwash, wo der Stadtnomade Güggu regelmässig seine Kleider wäscht. Zwar gebe es auf dem ­Wagenplatz auch Waschmaschinen, doch ihn trifft man öfters in der Lorraine an. «Güggu erzählte uns, wie viele Gedanken er sich zu Kleidern und Farben macht», erinnert sich Huber. Müller fügt an: «Und ihm ist wichtig, dass alles exakt zusammengefaltet ist.»

Während an allen anderen Sta­tionen Schauspieler auf die Führungsteilnehmenden warten, kann man in den Stockwerken über dem Jetwash vielleicht auch den Bewohnern beim Daheimsein zuschauen, da die Fassade und das Treppenhaus aus Glas sind. «Menschen, die hier leben, suchen das Soziale. Und es ist doch praktisch, dass man gerade sieht, wer daheim ist und wer nicht. So weiss man, wen man besuchen kann», sagt die 33-jährige Ruth Huber.

Seit zwei Jahren beschäftigen sich Müller und Huber mit dem Thema Daheimsein und Wohnformen. «Unsere Befragten sagten immer, dass sie normal wohnen. Dann fingen sie an zu grübeln, was denn normal sei. Das war sehr spannend», sagt Huber. Den Titel der Führung haben sie von der Frage abgeleitet, ob man sich an einem Ort mehr zu Hause fühlt als im jetzigen Daheim. «Man würde es vielleicht nicht zugeben, wenn es so wäre. Fragen zum Daheim sind sehr persönlich», so Huber.

Nie mehr so wie als Kind

Was für sie «daheim» bedeutet, erzählen sie im Video:

Die beiden Macherinnen geben Einblick in die Probe und erklären ihr persönliches Daheimgefühl. Video: Claudia Salzmann

Eine Antwort der Befragten hat Irene Müller besonders beeindruckt: «Jemand sagte, dass das Gefühl von Daheimsein vor allem in der Kindheit stark ist. Mir geht es ein bisschen ähnlich.» Und erinnert sich an ihre Katze und an Gerüche. So fest daheim, wie an dem Ort, an dem man aufwuchs, könne man sich vielleicht gar nicht mehr fühlen. «Und doch ist ja das Leben dafür da, dass man eine eigene Vision für sich finden soll», ist sie überzeugt.

Und was braucht man, um sich daheim zu fühlen? Einige der Befragten sind sich einig: einen Küchentisch.

«Nirgendwo mehr als hier», 100 Minuten, 1.–3., 8.–10. Februar, diverse Zeiten, mehr Infos unter Stattland.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.01.2018, 13:59 Uhr

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