Bern

Kurt reimt sich auf furt

BernKurt Marti, am 11. Februar verstorbener Berner Pfarrer und Autor, hätte die heitere Gedenkfeier im Münster gefallen. Pfarrer Markus Niederhäuser erinnerte sich augenzwinkernd, Spoken-Word-Poet Guy Krneta liess Martis Texte erklingen.

Kurt Marti verstarb am 11. Februar im Alter von 96 Jahren.

Kurt Marti verstarb am 11. Februar im Alter von 96 Jahren. Bild: zvg

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Eigentlich wünschten sich Kurt Martis Angehörige eine Feier in der Berner Nydeggkirche, wo der Verstorbene bis 1983 als Pfarrer gewirkt hatte. Aus Platzgründen wich man dann am Donnerstag ins Münster aus. Und weil die Menschen so zahlreich zu Martis Gedenken erschienen, war für einmal das Hauptportal geöffnet, sodass man unter dem Jüngsten Gericht hindurchschritt. Ausgerechnet. Wo doch der skeptische Christ Marti nicht zu wissen glaubte, was ihn nach dem Tod erwartet.

Heiterer Abschied

Dieser Widerspruch lag locker drin in der heiteren, verspielten Feier. Marti habe keine Trauerfeier, sondern einen Dankesgottesdienst für ein erfülltes Leben gewollt, richtete Nydeggpfarrer Markus Niederhäuser in seiner Ansprache einen letzten Wunsch des Verstorbenen aus.

In einem Gespräch mit dieser Zeitung hatte Marti erklärt, wie seiner gedacht werde, überlasse er seinen Nachkommen. Am Donnerstag mischte er sich dann doch ein, mit leichtfüssiger Selbstironie: In seiner 2003 verfassten «Lebensskizze», die die Schauspielerin Meret Matter vortrug.

Pfarrer Niederhäuser erinnerte an eine Autorität und Instanz, an einen Vordenker, der solche Zuschreibungen zu Lebzeiten bescheiden zurückwies. An Martis Selbstironie knüpfte Niederhäuser an, indem er auch von Widersprüchen erzählte: Vom bürgerlichen Familienvater und Pfarrer Marti, der mit wilden Freunden aus der Literaturszene verkehrte. Oder vom Patriarchen, der den Haushalt seiner Frau überliess und als Pionier eine feministische Theologie verfocht.

Marti sprach durch Krneta

Was für eine Leitfigur der zurückhaltende Marti war, zeigte die Anwesenheit von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Nationalrätin Regula Rytz, Stadtpräsident Alec von Graffenried oder Alt-Gemeinderätin Joy Matter aus der Politik. Von Synodalratspräsident Andreas Zeller. Und aus der Literatur von Franz Hohler, Klaus Merz oder Lukas Hartmann.

Am nächsten war man Marti am Donnerstag in seinen eigenen Worten. Hörbar machte sie Spoken-Word-Poet Guy Krneta, der Dialekttexte Martis vortrug. Geschickt umspielte er mit seinen Musikern Martis Wortwitz. Den liess auch Pfarrer Niederhäuser zum Schluss aufblitzen: Marti habe ihm gesagt, auf Kurt reime sich nur «furt». Das ist Kurt Marti nun. Aber seine Worte bleiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2017, 17:12 Uhr

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