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«Wir wollen wieder mehr Festival machen»

BernDas YB-Fanradio Radio Gelb-Schwarz feiert diese Woche sein 5-jähriges Jubiläum. Im Interview erklären die vier Kommentatoren warum sie wie YB-Sportchef Fredy Bickel sind und wie ihre Sendung künftig wieder werden soll.

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Diese Woche feiert Radio Gelb-Schwarz (RGS) sein 5-jähriges Bestehen. Hinter dem YB-Fanradio stecken Brian Ruchti, Simon Klopfenstein, Dario Hitz und Gabriel Haldimann. Allesamt sind sie Fussball-Aficionados und waren am Mittwochabend im YB-Fanlokal bei der Champions-League-Partie zwischen Arsenal und Bayern München anzutreffen. Bernerzeitung.ch hat die vier redseligen Radiomacher dort zum Gespräch getroffen.

Radio Gelb-Schwarz feiert Jubiläum. Auch wenn es schwierig ist, was waren eure Highlights in diesen 250 Sendungen?
Simon Klopfenstein: Mein Highlight war im Nachhinein betrachtet die allererste Sendung mit Brian und und die positive Resonanz, die wir schon sehr früh erhalten haben. Da haben wir gemerkt, dass ein Fanradio wie RGS wirklich ein Bedürfnis der Fans ist.

Brian Ruchti: Die Reise nach Moskau war äusserst spannend. Diese Stadt ist derart einzigartig. Wegen dem Verkehr durften wir beispielsweise mit den Bussen auf den Tramgeleisen ins Stadion fahren. Das Spiel fand im Lokomotive-Stadion statt, das bis auf die YB-Fans und einige Tausend Gastarbeiter aus Dagestan, die gratis reindurften, leer war. Oder diese legendäre Pause im Letzigrund, wo wir eine Kranwerbung beschrieben, die an Spannung kaum zu überbieten war (schmunzelt). Das ist übrigens typisch RGS, wir versuchen wirklich alles zu kommentieren, was wir sehen.

Dario Hitz: Für mich war es meine erste Sendung, als YB gegen FC Midtjylland in der Europa League spielte. Die Mitreise mit der Mannschaft, der 3:0-Sieg und die Siegesfeier in einem Pub in Herning waren unvergesslich.

Gabriel Haldimann: Für mich sind es auch die europäischen Spiele, vor allem jenes in Moskau, wo es auch abgesehen vom Fussball ein eindrückliches Erlebnis war. Darüber hinaus empfinde ich unsere RGS-Sondersendungen vor internationalen Spielen als Höhepunkte. Darin versuchen wir jeweils den Hörern ein Bild des Landes und der Leute zu bieten, was uns kulturell einiges abverlangt, aber zugleich eine unermessliche Freiheit gewährt, fernab von der reinen Resultatbezogenheit über Fussballkultur zu berichten.

Brian und Simon, ihr seid die Gründer von RGS. Vor einiger Zeit habt ihr expandiert und Dario und Gabriel ins Boot geholt. Warum?
Klopfenstein: Unser Ziel war es schon immer, dass RGS mich und Brian überlebt. Deshalb denken wir langfristig und haben die Fühler nach Nachwuchs ausgestreckt. Wir vertrauten unserer Sportchefnase und haben bei Dario und Gabriel zugeschlagen.

Ruchti: Es heisst ja, Fredy Bickel hole gerne Freunde ins Boot. Wir sind da ähnlich. Die Freundschaft schafft das nötige Vertrauen und Vertrauen braucht es unbedingt.

Wie bleibt man nach 800 Stunden Sendung eloquent?
Hitz: Um es vorwegzunehmen: Alkohol ist bei uns ein Tabuthema.

Klopfenstein: Vor dem Match habe ich praktisch noch nie ein Bier getrunken.

Ruchti: Im Wankdorf kommen aber oft Leute bei uns vorbei und geben uns eines aus.

Hitz: Das wäre ja daneben, das nicht anzunehmen (alle lachen).

Haldimann: Anders im Wallis: Dort bekommt du als Medienvertreter gar Weisswein ausgeschenkt, einen lokalen Fendant. Oder auch Rotwein, wenn du willst. In der Flasche.

Klopfenstein: Das war ein weiteres Highlight. Wisst ihr noch als wir im Wallis Fondue gegessen haben?

Ruchti: Das war das einzige Mal, dass wir genug Wasser trinken mussten, bevor wir auf Sendung gingen. Wir wurden vom Fussballblog «Runden Leder» zu einem Fondue eingeladen und die haben uns natürlich abgefüllt. Wir waren «chli käppelet», aber wir haben uns gefangen.

Klopfenstein: Nein, ernsthaft, hinter unseren Sendungen steckt viel Training. Wir planen wenig, bereiten aber viel vor.

Ruchti: Ich nerve mich beispielsweise fürchterlich, wenn ich innerhalb von 15 Minuten den gleichen Satz zweimal benutze. Das ist das Schlimmste.

Klopfenstein: Es ist nie gleich, auch wenn wir das zehnte Mal in Zürich spielen. Du weisst nie, ob es ein Traumtor oder einen Gurkenmatch gibt.

Was läuft heute anders als in den Anfängen?
Ruchti: Wir sind erwachsener geworden und deshalb läuft unsere Planung besser. In den letzten zwei Jahren haben wir uns vermehrt auf den Match konzentriert und die Dinge neben dem Platz sind vielleicht etwas in den Hintergrund geraten.

Haldimann: Dieser Fokus ist natürlich besonders bitter, weil es ausgerechnet in dieser Zeit sportlich nicht so toll gelaufen ist.

Hitz: Ja, das war eventuell der falsche Fokus (lacht).

Ruchti: Als Gäbu und Däru dazukamen, konzentrierten wir uns vermehrt auf das Handwerk – das Kommentieren –, damit die Beiden es schnell lernen.

Klopfenstein: Für unser Best-Of (siehe Film) haben wir viele Sendungen noch einmal angehört. Wir haben uns hin zum Sport und weg von der Unverfrorenheit und Deplatziertheit entwickelt. Die Erwartungen sind gestiegen so bereitet man sich eben immer seriöser vor.

Ruchti: Für unser Best-Of (siehe Film) haben wir viele Sendungen noch einmal nachgehört und uns vorgenommen wieder mutiger zu werden. Es muss wieder mehr «chlepfe u tätsche» – wir wollen wieder mehr Festival machen.

Neu seid ihr im Stadion auch am Bildschirm zu sehen...
Haldimann: Dies beinhaltet eine zusätzliche Komponente, die das Berichten völlig anders macht. Man muss langsamer sprechen, weil das Gesagte über die ganze Lautsprecheranlage geht. Auch mit der Kamera muss man sich anfreunden und bedenken, dass man in die Linse und nicht mehr aufs Blatt schauen muss. Aber es ist lehrreich und wir wachsen stark an diesen Videoeinblendern.

Klopfenstein: Das Radio läuft ja weiter und es muss ja für unsere Zuhörer hörbar bleiben. Diese TV-Sequenzen planen wir minutiös, was sehr RGS-untypisch ist. Wir können nicht wie sonst einfach plaudern und müssen aus diesem Sprudelmodus raus.

Ruchti: Da helfen uns sicherlich auch all die Erfahrungen, die wir bereits sammeln durften. Dank RGS standen wir doch schon das eine oder andere mal vor einer Fernsehkamera. Das Wichtigste ist aber, dass wir authentisch bleiben, auch bei den Einschaltungen. Wir wollen immer so bleiben, wie wir sind, das trägt glaube ich auch zum Erfolg von RGS bei. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2014, 13:37 Uhr

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