Bern

Warten neu erfunden

BernDie Lorrainestrasse wird ab August wieder lebendiger, zumindest gastronomisch gesprochen. In der ehemaligen Mythos-Bar öffnet die Café-Bar «Wartsaal».

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Zum Wort Wartesaal hegt man nicht gerade positive Konnotationen. Eher denkt man an einen Raum in Bahnhofsnähe, wo alle die Zeit totschlagen. Das wollen zwei Sekundarlehrer, ein KV-Angestellter und ein Coiffeur mit ihrem Café «Wartsaal» ändern: Nach dänischem Vorbild gibt es im «Wartsaal» nebst allerlei Getränken auch Bücher. Die Idee brachte Tobias Roder aus Kopenhagen mit, wo er dereinst ein Café entdeckte, in dem es Kaffee, Wein und Bücher gab. In Bern ist ein solches Konzept noch einzigartig und eigentlich längst überfällig.

Menü für Bücher

Nicht einfach irgendwelche Bücher geben sie ihren Gästen zu lesen. «B-lesen», ein Zusammenschluss von Berns unabhängigen Buchhandlungen, beliefert das Café alle drei Monate mit angesagten Büchern, so genannten Must-Reads. Der Gast findet neben einem Menü für Getränke auch eines für Bücher, mit einer kurzen Beschreibung. «Durch die Vorselektion der Händler bieten wir unserem Gast eine kompetent ausgesuchte Auswahl», erzählt Tobias Roder, der Sekundarlehrer. Der «Wartsaal» will die Bücher nicht ausstellen, sondern verkaufen. Der Bücherumsatz gehe direkt in die Berner Buchhandlungen.

Tobias Eggel, der Coiffeur, nennt das Lorraine-Quartier sein Zuhause. Ihm ist es ein Anliegen, die Lorrainestrasse wieder zu beleben. «Nachdem die Mythos-Bar, die Sandwich-Bar und der Velokurier zugemacht haben, wirkte die Strasse leer», erzählt er. Mit dem «Wartsaal» geht für ihn der zweite Traum in Erfüllung: Das Coiffeurgeschäft eröffnete er mit zarten 19 Jahren.

Saisonale und regionale Bioküche

Leichte, saisonale und regionale Bioküche werde es geben, damit man nicht bei jedem leichten Hunger nach Hause gehen muss – oder in ein Restaurant wechselt. «Wie das Angebot ausgebaut oder verändert werden wird, können unsere Gäste mitbestimmen», erklärt er die schmale Menükarte. Sollte sich herausstellen, dass Brunch ein Bedürfnis sei, dann werde man den einführen. In der Bar werden 400 Stellenprozent geschaffen und die vier Betreiber bleiben vorerst in ihren alten Berufen.

Lesend, kaffeeschlürfend und weintrinkend geht die Zeit viel angenehmer vorbei als in Wartesälen, wie der Berner sie bisher kannte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2011, 16:01 Uhr

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