Reinhold Messner: «Expeditionen fortsetzen, wäre pietätlos»

Die Bergsteigerlegende Reinhold Messner sprach am Dienstag an einem Podium im Berner Kursaal. Im Vorfeld gab der 70-Jährige Auskunft zum Erdbeben in Nepal.

Reinhold Messner nimmt Stellung zum Erdbeben in Nepal. Die Bergsteigerlegende hat das Land im Himalaya 50 Mal besucht und will nun beim Wiederaufbau von Kulturgütern mithelfen.
Video: Claudia Salzmann

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Reinhold Messner war am Dienstagabend im Berner Kursaal zu Gast. Im Vorfeld an seinen Vortrag und eine Podiumsdiskussion nahm der 70-Jährige Stellung zum Erdbeben in Nepal. Messner hat Nepal 50 Mal besucht und bestieg als erster Mensch den Mount Everest ohne Sauerstoff.

Vor wenigen Tagen sprach er von einer Zwei-Klassen-Rettung. «Mich erstaunt, wie viel Aufmerksamkeit die Everest-Lawinen-Opfer hatten und wie wenig Aufmerksamkeit auf die wirkliche Katastrophe kam. Dort waren Tausende von Opfern zu beklagen, ganze Dörfer sind verschüttet», erklärt der 70-Jährige.

Ein Tourist oder 40 Nepalesen

Während zahlreiche Touristen nach Hause reisen, pochen andere darauf, ihren Aufstieg fortzusetzen. Dies wird derzeit von der nepalesischen Regierung diskutiert. Den Aufstieg nun nach einer solchen Katastrophe forzusetzen findet die Bergsteigerlegende pietätlos.

Dass die Hubschrauber Touristen ausfliegen, die schnell nach Hause wollen, sei zynisch. «Die Bergsteiger haben viel Geld bezahlt, um den Everest zu besteigen. Und haben natürlich auch Geld, um nach Kathmandu geflogen zu werden», sagt er. Wären die Rettungsflieger nicht gebunden, könnte man bis zu 40 Menschenleben retten.

Zerstörte Kulturgüter, zerstörtes Flair

Das Erdbeben war das schwerste seit 80 Jahren. Wenn dieses nun negativen Einfluss auf den alpinen Tourismus hat, dann sieht Messner kein Problem darin. «Dann kommen natur- und bergaffine Touristen, die von Sherpas in weniger gefährlichen Gegenden im Himalaya geführt werden», sagt er. Der Tourismus werde hingegen leiden, weil Kulturgüter beim Beben zerstört wurden.

Messner ist derzeit daran, Spendengelder für den Aufbau aufzutreiben. «Menschen wie ich oder auch andere Kulturliebhaber könnten das Wiederherstellen eines Tempels übernehmen», erklärt er. Ohne diese Kulturgüter verliere Nepal an Aussagekraft, an Flair und wirtschaftlich gesprochen an Kulturtourismus. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2015, 10:34 Uhr

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