Bern

Enormes Echo auf Mansours Berner Auftritt

BernTausende Leser haben die starken in Bern geäusserten Worte des Muslimen Ahmad Mansour gelobt und weiterverbreitet.

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Wie ein Lauffeuer hat sich in den letzten Tagen das Gesprächsprotokoll ausgebreitet, das die «Berner Zeitung am Samstag vom Berner Auftritt des palästinensischen Psychologen Ahmad Mansour publizierte. Rekordzahlen an Klicks erzielen meist spektakuläre Newsmeldungen, im Sommer etwa vom Hochwasser im Emmental.

Das lange, dichte Gespräch mit Mansour nach dem Anschlag in Paris aber erhielt gleich viel Aufmerksamkeit. Vier Tage lang war es der meist angewählte Artikel auf www.bernerzeitung. ch. Über 66'000 Leserinnen und Leser klickten sich in den Text und schrieben über 90 Onlinekommentare dazu. Auf Facebook verbreiteten über 20'000 Personen Mansours Worte im ganzen deutschsprachigen Raum weiter, ebenso auf Twitter.

Dezidierte Worte

Am Tag nach dem Massaker auf der Redaktion von «Charlie Hebdo» wurde Mansours Auftritt an der Kader- und KV-Schule WKS in Bern zu einem eindrücklichen Statement. Am Donnerstagmorgen hatte die Schulleitung noch mangelhaftes Interesse befürchtet, am Abend war die Schulaula voll, als Mansour Lehrer Philip Wegmüller und den Schülern Red’ und Antwort stand über die Lage des Islam und seine Arbeit in Berlin mit radikalisierten jugendlichen Muslimen.

Das Echo erklärt sich auch daraus, dass Mansour im Schreckmoment nach dem Anschlag leidenschaftliche und dezidierte Worte fand, die über das kollektive «Je suis Charlie»-Gefühl hinausgingen. Er legte dar, dass radikale Muslime, aber auch Islamfeinde beide an einer Angstspirale drehen; wie eine drastische Auslegung als Angst- und Strafreligion den ganzen Islam bedroht und dass die Muslime leider keine Antwort auf Radikalismus in ihren Reihen haben.

«Es ist einfach unglaublich»

Die fast einhellig positiven Kommentare zu Mansours klärenden Worten zeigen: Er war die richtige Stimme zur richtigen Zeit. Ein Muslim, der sich nicht scheut, Muslime zur kritischen Selbstbetrachtung und Nicht-Muslime zur Differenzierung aufzufordern. Was seine in Bern geäusserten Worte auslösen, hat Mansour auch in Berlin mitbekommen.

«Es ist einfach unglaublich, wie viele Menschen mich deshalb anrufen oder mir schreiben, das freut mich unendlich», sagt er und verdankt die Anerkennung seines Engagements für die Verständigung. Besonders erfreulich ist: Auf die mutigen Worte Mansours, der von radikalen Muslimen schon bedroht worden ist, gab es bis jetzt keine gehässigen Reaktionen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.01.2015, 10:41 Uhr

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Am Tag nach dem Anschlag

Ahmad Mansour in Bern
Vor der Aula der Wirtschafts- und Kaderschule (WKS) KV Bildung spricht eine Gruppe Schüler über den IS-Terror in Syrien. Auf dem Handy checken sie, ob die Attentäter von Paris schon gefasst worden sind. Dann strömen sie hinein in die Aula, um Ahmad Mansour zuzuhören. Der 38-jährige, in Israel aufgewachsene Palästinenser ist Psychologe und arbeitet in Berlin mit radikalisierten Muslimen, die die IS-Terroristen in Syrien bewundern. Sie sind so jung wie die Berufsmaturanden in der Aula. In Deutschland ist Mansour eine wichtige und rare muslimische Stimme, die den Islam dezidiert zu Reformen auffordert. Für seine Arbeit erhielt er den Moses- Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz.
Mansours Auftritt an der WKS ist schon länger geplant. Aber jetzt, zwei Tage nach dem Anschlag auf die Zeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris, hat sein Besuch eine besondere Dringlichkeit. Die Aula ist voll. 300 Schüler hören gebannt zu, als zuerst Philip Wegmüller, WKS-Verantwortlicher für das Fach Geschichte, Mansour befragt. Die Schule probiert erstmals das Veranstaltungsformat WKS-Interview aus.
Mansour hat sich warmgeredet, als die Schülerfragerunde beginnt. Erst fragen sie zögerlich, korrekt: Ob es die Schweiz mit dem Minarettverbot den Muslimen nicht schwermache. Der charismatische Mansour ruft sie auf, ohne Angst vor dem heiklen Thema Islam draufloszufragen: «Wenn wir nicht fragen, was uns beunruhigt, entwickeln wir falsche Vorstellungen», sagt er. Die meisten Schüler dürften in der Islamdebatte noch nie eine so direkte, leidenschaftliche, schonungslose Stimme gehört haben. Sie fragen nun, ob IS-Terroristen überhaupt richtige Muslime seien, was sich denn gegen Islamophobie ausrichten lasse, ob Muslime nicht auch Anpassungsleistungen erbringen müssten und ob der Islam reformfähig sei. Mansour bleibt keine Antwort schuldig. Er bestätigt gar, dass er regelmässig von Radikalen bedroht werde. Das Bekenntnis macht den Aufklärungskampf des Mannes für das Publikum umso glaubwürdiger. Die anderthalb Stunden werden zur Aufklärungslektion, die die Ratlosigkeit nach dem Pariser Anschlag etwas erträglicher macht. Beim Hinausgehen debattieren die Schüler weiter.svb

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