Mutter und Tochter überleben fünf Tage in der Wildnis

Ein netter Tagesausflug in einen neuseeländischen Naturpark gerät für zwei Frauen zum Überlebenskampf in der Wildnis.

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Tolle Natur, ein wunderbarer Tag, bis auf einmal in unberührter Natur die Wegweiser weg und alle Wege zurück in die Zivilisation versperrt sind: Diesen Albtraum durchlebten eine Austauschstudentin aus den USA und ihre Mutter während eines Ausflugs im weitläufigen Nationalpark Tararua auf der Nordinsel Neuseelands.

Erst nach fünf Tagen in der Wildnis konnten die beiden gerettet worden: Ein Hubschrauber sah den Schriftzug «Help» (Hilfe), den die beiden aus Farnwedeln ausgelegt hatten.

Herrliche Aussicht bei schönstem Sonnenschein

Die 22-jährige Rachel Lloyd aus North Carolina erholte sich nach der Rettung vom Wochenende in einem Krankenhaus in Wellington und erzählte der Nachrichtenagentur AP von ihrer Odyssee. Demnach waren Mutter und Tochter am 26. April von der Universitätsstadt Palmerston North in den nahegelegen Park für einen Tagesausflug aufgebrochen.

Dort seien sie einem orange ausgeschilderten Pfad gefolgt und drei Stunden später auf einem Gipfel angekommen, wo sie eine tolle Aussicht bei schönstem Sonnenschein genossen hätten.

Etwas Wasser und ein paar Snacks

Beim Abstieg wollten sie dem ausgeschilderten Rundweg folgen, doch plötzlich habe es keine orangenen Wegweiser mehr gegeben, berichtete Rachel. So seien sie einem blauen gefolgt, hätten aber zu spät bemerkt, dass dies wohl der Pfad zur Schädlingsbekämpfung sei.

«Die Wegweiser hörten nach 20 Minuten auf, doch es war so steil und körperlich unmöglich, bergauf zurück zu klettern», erinnert sich die junge Frau. Als Verpflegung hatten die beiden nur etwas Wasser und ein paar Snacks in ihren College-Rucksack gepackt.

Wasserfall hinab geklettert

Zwangsläufig seien sie weiter bergab gestiegen, bis sie oberhalb eines 182 Meter hohen Wasserfalls auf einem schmalen Vorsprung gebremst worden seien. Die erste Nacht verbrachten sie dort, hielten sich warm und abwechselnd wach, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Am zweiten Tag sei es ihnen dann gelungen, den Felsen am Wasserfall hinab zu klettern.

Einmal geschafft, folgten sie einem Bach, der sie schliesslich zurück in die Zivilisation führte. Aus ihm schöpften sie auch Wasser, erlaubten sich aber sonst kaum, ihre Erdnüsse und andere Snacks anzurühren.

Allerdings mussten sie immer wieder die Seiten wechseln, um den Lauf folgen zu können. Dabei sei Rachel einmal ins Wasser gefallen und auch wegen der niedrigen Temperaturen nachts nicht wieder richtig trocken geworden.

Studentin verlor Gehörsinn

Ihre Handys hatten die beiden zwar dabei, aber keinen Empfang mehr, nachdem sie sich verirrt hatten und immer tiefer in die Wildnis gerieten. Die Aussenwelt wurde schliesslich stutzig: Rachel hatte weder im Hotel ausgecheckt noch den Mietwagen rechtzeitig zurückgebracht.

Am dritten Tag ihrer Odyssee verlor die Studentin ihren Gehörsinn, konnte kaum noch sehen und wurde immer schwächer. Am vierten Tag dachte sie schon ans Sterben. Doch da kam Mutter Carolyn die Idee, «Help» zu schreiben. Sie legte einen zwei Meter grossen Schriftzug mit abgestorbenen Farnwedeln, Stöcken und Steinen in einem Bachbett aus, einen anderen auf einer Lichtung.

Schriftzug und winkende Frauen

Am fünften Tag, dem Samstag, bekam Chefpilot Jason Diedrichs von Amalgamated Helicopters von der Polizei den Auftrag, nach den beiden zu suchen. Er habe sich schon darauf eingerichtet, die Leichen der Vermissten bergen zu müssen. Doch nach nur 30 Minuten sah er das «Hilfe»-Zeichen in dem Flussbett.

Als er über dem Schriftzug Kreise flog, habe er das zweite «Help» und die beiden winkenden Frauen entdeckt. «Um ehrlich zu sein, wir waren ganz schön erleichtert», sagte er.

Unterkühlung und Unterernährung

Während Mutter Carolyn die Strapazen einigermassen gut überstand, war Tochter Rachel völlig erschöpft und musste mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus von Wellington geflogen werden. Dort stellten die Ärzte Unterkühlung und Unterernährung fest.

Nach vielen Mahlzeiten ging es der Studentin am Montag bereits deutlich besser. «Ich esse die ganze Zeit, und ich habe gerade die Stimme meines Bruders und Vaters gehört. Auf beiden Seiten des Äquators war die Unterstützung und die Liebe von allen einfach überwältigend.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2016, 18:20 Uhr

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