Der Perverse

Es gibt niemanden, der auf Deutsch besser rappt als Kool Savas. Jetzt stellt der «King of Rap» an sechs Konzerten in der Schweiz sein starkes neues Mixtape vor.

King of Rap: Kool Savas (40).

King of Rap: Kool Savas (40). Bild: zvg

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Was lässt sich über einen Rapper sagen, der mit einem Song berühmt geworden ist, in dem er alle Frauen dieser Welt auffordert, seinen Penis in den Mund zu ­nehmen? Was soll man über einen Rapper schreiben, der den Meteorologen Jörg Kachelmann einst als «verfickten Wetterfrosch» bezeichnet hat und dafür 10'000 Euro Schmerzensgeld bezahlen musste? Was soll man über einen Rapper erzählen, der auf seinem neuen Album «Essahdamus» reimt: «Und immer wenn ein deutscher Rapper Schwanzkuppen lutscht / Komm’n sie an und sagen: «Du hast es gewusst!»

Es ist definitiv nicht das leichteste Vorhaben, objektiv zu sein, wenn es um Kool Savas geht. Zu vielen Menschen hat der fast 41-Jährige im Laufe seiner langen Karriere ans Bein gepinkelt, zu viele hat er öffentlich diffamiert.

Wenn man aber genau das versucht, objektiv zu sein eben, ist es eigentlich ganz einfach, ganz viele ganz positive Dinge über Kool Savas zu berichten. Zum Beispiel, dass es keinen deutschsprachigen Rapper gibt, der dem türkischstämmigen Berliner punkto Technik, Flow, Druck und Aggressivität das Wasser reichen kann.

Vergleiche wie Sand am Meer

Seine Stimme klingt jederzeit so entschlossen, dass es fast schmerzt beim Zuhören. Seine Stimme ist so einnehmend, dass man nicht anders kann, als ihr genau zuzuhören. Und wenn Savas dann zu seinen Vergleichsorgien ansetzt, bleibt der Mund definitiv offen beim Zuhören.

Sagenhafte achtzehn Wie-Vergleiche reiht Savas zum Beispiel auf dem neuen Track «Ich bin fertig» aneinander. «Aber was du da machst ist alles für die Katz / wie das Cash von Lucas Cordalis» heisst es zum Beispiel, in Anspielung auf den Gatten der TV-Ikone Daniela Katzenberger.

Oder: «Deutscher Rap, jede Silbe ist gelogen / darum spitt ich giftig, wie auf Kohle grillen in der Wohnung».

Tiefschürfendes, Nachdenkliches, auch Politisches kommt in Savas’ Werk vor, mittlerweile. Meistens aber geht es ums Rappen an sich – oder darum, wie viel besser der selbst ernannte «King of Rap» eben rappen kann als alle anderen. Savas hat 1997 sein erstes Album veröffentlicht. Er gilt als Wegbereiter des deutschen ­Battle-Rap. In dem Genre geht es darum, imaginäre oder reale Gegner mit präzisen Zeilen zu diffamieren. Niemand kann das besser als Savas, bis heute.

Roher Rap auf rohen Beats

Fans der ersten Stunde wird es auch deshalb freuen, dass «Essahdamus» inhaltlich deutlich weniger ambitioniert ist als die Vorgänger «Märtyrer» (2014) und «Aura» (2011), die beide in Deutschland und der Schweiz auf Platz 1 der Charts waren. Das neue Album ist ein Mixtape und bietet viel rohen Savas auf rohen Beats.

Es ist jener Savas, der Reime schreibt wie diese: «Hab mir mein Ziel gesetzt / lange vor den Navis mit GPS / Lange vor MCs, die keine sind / jeder meiner Verses intensiv wie n’ Titelmatch / immer noch der Peoples Champ / Essah klingt pervers wie’n Familiendad.»

Pervers. Ja, so klingt Savas. Der Duden listet als Synonym für dieses Attribut auch «widernatürlich» auf. «Nicht den biologischen Anlagen entsprechend; gegen die ungeschriebenen Gesetze menschlichen Verhaltens verstossend», lautet die Defi­nition.

Kool Savas:«Essahdamus», Essah Entertainment / Sony. Konzerte in der Region: 22. Januar, Kofmehl, Solothurn; 18. März, Hotel Wetterhorn, Hasliberg. Weitere Shows ab 19. Januar in Basel, St. Gallen, Zug und Zürich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.01.2017, 11:58 Uhr

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