Von Ärzten wärmstens empfohlen

Schwitzen zahlt sich aus. Zumindest in der Sauna. Warum Saunieren gesund ist.

Sie machts richtig: Saunieren ist Entspannung in Reinkultur. Foto: Getty Images

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Wenn es draussen so richtig hudlet, zieht es Karin Meulman in die Sauna. Seit zehn Jahren frönt die 40-jährige Bildredaktorin der «Schweizer Familie» einmal wöchentlich ihrem heiss geliebten Winterritual. «Man tut sich damit so viel Gutes», schwärmt die Zürcherin. «Ich fühle mich hinterher entspannt, gereinigt und total ausgeglichen.»

Schon in der Steinzeit schätzten die Menschen in Asien die positiven Effekte des Saunierens. Sie benutzten primitive Saunen in Form von Erdlöchern. Auch im antiken Griechenland und im Römischen Reich waren öffentliche Dampfbäder beliebte Orte der Körperpflege und Geselligkeit. In Finnland, wo die Tradition des Saunierens heute besonders ausgeprägt ist, hat fast jeder Haushalt eine eigene Sauna. Auch in den hiesigen Wellnessoasen erfreuen sich Saunen wachsender Beliebtheit.

Doch die Schwitzkuren in der Holzhütte sind viel mehr als Wellness. Sie haben auch belegbare Effekte auf die Gesundheit. «Regelmässiges Saunieren hat auf jeden Fall medizinischen Nutzen», sagt Matthias Fenzl, 56. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Medizinischen Zentrum des Grand Resort Bad Ragaz SG beschäftigt sich intensiv mit der Wirkung sogenannter thermischer Verfahren, zu welchen das Saunieren und Heilbaden gehören. Saunabesuche wirken sich positiv auf Immunsystem, Stoffwechsel, Wasserhaushalt, Herz und Blutkreislauf aus. Ebenso profitieren Atemwege, Haut und Muskeln. «Es gibt Hunderte von Studien aus der ganzen Welt, die das belegen», sagt der Sportwissenschaftler und Sporttherapeut.

Schutz vor Gedächtnisabbau?

Doch was genau geht in unserem Körper beim Saunieren vor? Entscheidend sind das Aufwärmen und das Wiederabkühlen des Körpers. In der klassischen finnischen Sauna ist der Körper einer Hitze von 80 bis 100 Grad ausgesetzt. Das lässt seine Kerntemperatur um etwa ein Grad ansteigen.

Bei etwas zu tiefem oder zu hohem Blutdruck wirkt die Sauna Wunder.

Um nicht zu überhitzen, bedient er sich eines Abwehrmechanismus: Die Blutgefässe weiten sich, und die Haut wird besser durchblutet. So kann die Hitze besser nach aussen abgegeben werden. Kühlender Schweiss tritt aus den Poren. Weil das Herz nun ein vergrössertes Blutvolumen durch den Körper pumpen muss, steigt die Pulsfrequenz – wie bei einer leichten körperlichen Anstrengung. Beim Abkühlen passiert das Umgekehrte: Die Gefässe verengen sich wieder, die Durchblutung wird gedrosselt. Matthias Fenzl erklärt: «Für die Blutgefässe, die mit dem Alter weniger elastisch werden, sind diese abwechselnden Hitze- und Kältereize ein wertvolles Training.»

Dieser Trainingseffekt soll sogar lebensverlängernd wirken, wie eine finnische Studie aus dem Jahr 2015 nahelegt. Die Wissenschaftler verfolgten die Gesundheitsdaten von über 2000 Männern mittleren Alters aus Finnland mehr als 20 Jahre lang. Dabei zeigte sich: Je häufiger pro Woche die Männer die Sauna aufsuchten, desto geringer war ihr Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben – etwa an einem Herzinfarkt oder einem Hirnschlag.

Entgegen der verbreiteten Meinung müssen Herz-Kreislauf-Leiden also nicht unbedingt ein Grund sein, der Schwitzkabine fernzubleiben. Im Gegenteil. Bei etwas zu tiefem oder zu hohem Blutdruck wirkt die Sauna Wunder. Auch bei einer kompensierten Herzinsuffizienz – also einer Herzschwäche, die der Körper noch ausgleichen kann – erlauben Ärzte ein kontrolliertes Saunieren. Und noch mehr spricht für die finnische Tradition: Häufige Saunabesuche sollen sogar vor Gedächtnisabbau schützen. Zu diesem überraschenden Schluss kam eine weitere Studie, die auf den Daten der 2000 finnischen Saunagänger basiert.

Die finnische Art: Nach der Saune im Schnee spazieren. Foto: iStock

Für Sportwissenschaftler Matthias Fenzl klingt dies durchaus plausibel, da Demenz und Alzheimer ebenfalls Folgen von Durchblutungsstörungen sein können: «Es ist denkbar, dass die Sauna durch die Aktivierung des Herzkreislaufs ähnliche Effekte hervorruft wie Sport.» Und dass sich sportliche Aktivität positiv auf die geistigen Funktionen auswirkt, gilt seit längerem als wissenschaftlich gesichert.

Vom gefässerweiternden Effekt der Schwitzhütte kann auch profitieren, wer an Atemwegserkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis leidet. «Wenn sich die feinen Lungengefässchen, die Bronchiolen, weiten und beim Ausatmen weniger in sich zusammenfallen, werden Atemnot und Hustenanfälle gelindert», sagt Matthias Fenzl. «Die Lungenkapazität kann sich wieder erhöhen.»

Mit Sauna gegen Schuppenflechte

Auch Patienten mit Bandscheibenschäden oder rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose empfinden die Sauna als wohltuend und schmerzlindernd. Die Wärme lockert die dauerangespannten Muskeln, was zu einer Entlastung der Gelenke führt. Der Knorpel kann sich besser regenerieren, die Beweglichkeit wird verbessert. Hautärzte empfehlen das Saunabaden ebenfalls – etwa bei Akne oder Schuppenflechte. Denn beim Schwitzen quillt die oberste Hornschicht auf, und verhornte Hautzellen lösen sich ab. Der Talg verflüssigt sich, und Abfallstoffe werden über die geweiteten Poren abgegeben. Auch bei Saunafan Karin Meulman und ihrer Schuppenflechte hat es geholfen. Diese ist zwar nicht vollständig abgeheilt, doch die Symptome sind zurückgegangen: «Die Haut ist glatter geworden und juckt weniger.»

Nach der Sauna soll es zu einem besonders tiefen, entspannten Schlaf kommen.

Auch wer grundsätzlich gesund ist, kann vom Saunieren profitieren. «Wenn eine Erkältung im Anzug ist, kann ich sie oft gerade noch abwenden», sagt Karin Meulman. Und Wissenschaftler geben ihr recht. «Vieles spricht dafür, dass sich bei Hitzeexposition die immunkompetenten Zellen im Blut vermehren», erklärt Sauna-Experte Matthias Fenzl. Das sind bestimmte weisse Blutkörperchen, deren Aufgabe es ist, Krankheitserreger abzuwehren. Ein so gestärktes Immunsystem ist besser gegen Infekte gewappnet.

Weil Wärme die Muskelfasern lockert, schätzen auch Sportler nach dem Training den Gang in die Sauna. Sie können damit Verspannungen, Muskelkater und Verletzungen vorbeugen. Dank der stärkeren Durchblutung wird die Muskulatur auch besser mit Nährstoffen und Mineralien versorgt, welche den Muskelaufbau unterstützen. Nicht zuletzt haben Studien gezeigt, dass es nach der Sauna zu einem besonders tiefen, entspannten Schlaf kommt. Das stellt auch Karin Meulman immer wieder fest: «Ich fühle mich danach wohlig müde, und meine neunjährigen Zwillingsbuben schlafen wie die Engel, wenn sie in die Sauna mitgekommen sind.»

Nicht direkt ins Kaltbecken!

Insgesamt erlebt die Zürcherin Saunabesuche als willkommene Auszeiten vom stressigen Alltag in gemütlicher Runde: «Oft kommen drei, vier Freundinnen mit, und es wird ausgiebig gschnäderet.» Sind die sozialen Kontakte und die Zeit der Entspannung, die man in der Sauna geniesst, vielleicht gar die alleinige Erklärung für all die gesundheitlichen Vorteile? Matthias Fenzl verneint. «Dass Menschen in der Sauna komplett abschalten, mag zwar einen positiven Begleiteffekt auf die Gesundheit haben», sagt er. «Aber Vergleichsstudien haben gezeigt, dass Saunagänger im Vergleich zu Faulenzern im Liegestuhl eindeutig die Nase vorne haben, was die messbaren organischen Veränderungen betrifft.»

Damit das Saunaerlebnis nicht zur bösen Überraschung wird, gilt es allerdings, gewisse Regeln zu beachten (siehe unten). Ein typischer Fehler mancher Saunagänger ist es, direkt nach der Sauna ins Kaltbecken zu springen. «Das ist nicht nur unhygienisch, sondern auch gefährlich», warnt der Saunameister Robert Heinevetter, 30, Leiter Bad und Sauna in der Tamina-Therme in Bad Ragaz. «Es passiert oft, dass Leute dabei ohnmächtig werden.» Insbesondere Herzkranke sollten sich langsam abkühlen.

«Eine Erkältung, die bereits voll ausgebrochen ist, kann man nicht einfach ‹rausschwitzen›.»Matthias Fenzl, Sporttherapeut

Immer wieder einmal beobachtet Robert Heinevetter, dass Menschen das Saunieren als Wettbewerb missverstehen. «Halten Sie nicht um jeden Preis in der Schwitzkabine durch, wenn Sie sich nicht mehr wohlfühlen», sagt der Saunameister deshalb mit Nachdruck. «Ihre Gesundheit geht vor.» Neueinsteigern empfiehlt er, sich jeweils vor dem Gang in die Sauna ein paar Minuten lang in ein Dampfbad zu begeben, wo die Temperatur tiefer und die Luftfeuchtigkeit höher ist. «Dort empfindet man die Hitze weniger.» Auch in der sogenannten Bio-Sauna ist die Temperatur mit 65 Grad gemässigter als in der normalen Sauna.

Unbedingt meiden sollte einen Besuch in der Sauna, wer akut erkrankt ist, wer zum Beispiel Entzündungen oder Fieber hat. «Der Körper braucht dann all seine Kräfte, um die Erreger abzuwehren», sagt Saunafachmann Matthias Fenzl. Die Sauna hingegen belaste den Körper noch zusätzlich und stehe der Genesung im Weg. Auch eine Erkältung, die bereits voll ausgebrochen ist, könne man nicht einfach «rausschwitzen». In einem solchen Fall bedürfe man einzig der Bettruhe.

Von Saunabesuchen raten Ärzte auch bei akuten Rheumaschüben, Epilepsie, Schilddrüsenüberfunktion, Venenthrombosen, Krebs oder Krampfadern ab. Dasselbe gilt bei schweren Durchblutungsstörungen, extremem Bluthochdruck oder wenn ein Herzinfarkt erst wenige Wochen zurückliegt. Im Zweifelsfall gilt: Wer an einer chronischen Krankheit leidet, sollte einen Saunabesuch vorgängig mit seinem Arzt besprechen.

(Schweizer Familie)

Erstellt: 05.03.2018, 18:53 Uhr

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Richtig saunieren

Tipps von Saunameister Robert Heinevetter

Duschen
Duschen Sie vor dem Saunieren aus hygienischen Gründen mit Duschmittel, und trocknen Sie sich gut ab. «So wird auch der Fettfilm auf der Haut entfernt, der das Schwitzen behindert», sagt Robert Heinevetter, Saunameister in der Tamina-Therme, Bad Ragaz SG. «Hinterher ist man porentief sauber. Da reicht es, wenn man sich kurz mit Wasser abduscht.»

Badehosen zuhause lassen
In vielen Saunen gilt Badehosen-verbot. Synthetische Textilien sondern bei Hitze Stoffe ab, die für die Atemwege schädlich sein können. Wird ausserdem unter der Badehose der Schweiss gestaut, können sich dort Pilze und Bakterien leicht vermehren. Wer sich nicht nackt zeigen mag, kann sich ein dünnes Baumwoll- oder Frotteetuch umbinden. Ein grosses Handtuch dient als hygienische Sitzunterlage.

Viel trinken
Pro Saunastunde verliert der Körper bis zu einen Liter Flüssigkeit. Hinterher ausreichend zu trinken, ist daher ein Muss. Ideal sind kalzium- und magnesiumhaltige Mineralwasser, Tee oder isotonische Getränke.

Unten ist es kühler
Je höher oben man sich in der Schwitzkabine platziert, desto heisser ist es. «Mit jeder Bankreihe steigt die Temperatur um etwa 10 Grad», sagt Robert Heinevetter. Am kühlsten ist es unten, in Türnähe.

Liegen statt sitzen
Am besten kann man im Liegen entspannen. Setzen Sie sich danach langsam auf, und bewegen Sie die Füsse gut durch, um den Kreislauf wieder anzuregen.

Abkühlen
Gehen Sie zum Abkühlen nach jedem Saunagang ein paar Minuten lang im Freien oder in einem kühlen Raum auf und ab. So bleiben die Muskeln in Bewegung, und der Körper kühlt langsam herunter. Erst dann kühl abduschen und bei Bedarf ins Kaltbecken eintauchen. «Tut man dies direkt, verschliessen sich die Poren, und der Körper kann die Hitze nicht abführen», erklärt der Experte.

Warmes Fussbad
Ein warmes Fussbad nach dem Abkühlen verhindert ein Nachschwitzen auf dem Nachhauseweg.

Entspannen
Gönnen Sie dem Körper nach dem Abtrocknen im Ruheraum eine Entspannungsphase von 10 bis 20 Minuten.

Anstrengung vermeiden
Nach dem Saunieren ist körperliche Anstrengung zu vermeiden.

Nicht übertreiben
In unseren Breitengraden liegen die Empfehlungen bei höchstens zwei bis drei Saunabesuchen pro Woche. Jeweils mit drei Saunagängen von acht bis zwölf Minuten.

Aufguss
Höhepunkt des Saunabadens ist der Aufguss. Gemeint ist das Begiessen der bis zu 400 Grad heissen Steine mit Wasser oder Eis. Der entstehende Wasserdampf erhöht kurzzeitig die Luftfeuchtigkeit und somit die gefühlte Temperatur für die Saunagäste. Wahlweise werden dem Aufguss ätherische Öle beigegeben, etwa von Nadelhölzern, Eukalyptus oder Zitrusfrüchten. Die Düfte wirken anregend oder entspannend auf den Körper und unterstützen die gesundheitliche Wirkung des Saunierens.

Luft verwirbeln
Durch Verwirbeln der Luft mit einem Tuch wird der Dampf im Saunaraum verteilt oder gezielt zu den Saunierenden hinbewegt. In öffentlichen Saunen übernimmt diese Aufgabe immer öfter ein ausgebildeter Saunameister. Diese Aufguss-zeremonien mit ausgeklügelten Wedeltechniken und beruhigender Musik werden hierzulande immer beliebter.

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