Sexspielzeuge sind gut für die Gesundheit

Menschen über 50 haben oft Hemmungen, mit Sexspielzeug – oft Sextoys genannt – zu experimentieren. Dabei können Vibratoren und Co. gerade reiferen Körpern viel Gutes tun. Wir beantworten die brennendsten Fragen zum Thema.

Alles andere als schmuddelig: Katrin Dällenbach betreibt den Berner Erotikshop Planet Love. Umgeben von Dildos und Vibratoren, zeigt sie einen pink Auflegevibrator (links) und einen  Penisring (schwarz).

Alles andere als schmuddelig: Katrin Dällenbach betreibt den Berner Erotikshop Planet Love. Umgeben von Dildos und Vibratoren, zeigt sie einen pink Auflegevibrator (links) und einen Penisring (schwarz). Bild: Beat Mathys

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Ist Sexspielzeug überhaupt etwas für ältere Körper?
Natürlich. Menschen über 50 brauchen manchmal länger, um zu einem Orgasmus zu kommen. So ermüden oft die Handgelenke, bevor das Ziel erreicht ist. «Wenn jemand neugierig darauf ist, gibt es keinen Grund, nicht einen guten Erotikshop aufzusuchen und sich individuell beraten zu lassen», sagt Frauenärztin Regina Widmer von Frauenpraxis und Therapiezentrum Runa in Solothurn.

Ist Sexstoys kaufen peinlich?
Es mag eine gewisse Überwindung brauchen, einen Sexshop zu betreten. Zeiten, in denen es nur schmuddlige Pornogeschäfte in dunklen Gassen gab, sind aber vorbei. Heute gibt es in jeder grösseren Stadt gepflegte Verkaufsläden, in denen fachkundiges Personal am Werk ist, das gerne unkompliziert weiterhilft. «Ungefähr die Hälfte meiner Kunden sind um die 50 Jahre alt», sagt Katrin Dällenbach (57), die seit 16 Jahren den Erotikladen Planet Love im Berner Mattequartier führt. Extrahilfen für Frauen sind etwa Vibratoren für die Klitoris, mit oder ohne Dildo. Für Männer gibts zum Beispiel Manschetten, Penisringe oder ein Prostatastimulator.

Hat sich der Umgang mit Sexspielzeug in den letzten Jahren gewandelt?
Auf jeden Fall. Sextoys werden längst nicht mehr so tabuisiert wie noch vor 15 Jahren. Sie berate viele Frauen, die im Alter von 50 oder mehr Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben in einen Erotikladen kommen, sagt Katrin Dällenbach. «Und ich habe bis jetzt für alle das richtige Produkt gefunden.»

Sollen Paare gemeinsam in den Sexshop gehen?
Warum nicht? Im Laden gemeinsam herauszufinden, was Spass beim Sex bringen könnte, kann aufschlussreich sein. Frauen, die zum ersten Mal einen Vibrator kaufen, sollten dies aber besser alleine oder mit einer guten Freundin tun. «Ich habe schon Frauen bedient, die mit ihrem Mann im Laden vorbeikamen und ihn fragten, welchen Vibrator sie kaufen sollen», erzählt Katrin Dällenbach. «In solchen Fällen klinke ich mich ein. Das ist nun doch eher eine Entscheidung, die eine Frau alleine treffen muss.»

Ist der Gebrauch von Sexspielzeug gut für die Gesundheit?
Ja! Vibratoren etwa fördern die Durchblutung und können bei Scheidenverengungen helfen. Regina Widmer: «Frauen, die ihre Scheide als zu eng empfinden für Geschlechtsverkehr, haben meistens entweder eine empfindliche Haut am Scheideneingang, die einfach gepflegt werden muss, und/oder überangespannte Scheiden- und Beckenbodenmuskeln, welche mit geeigneten Übungen gelockert werden können. Beides braucht Zeit, muss gelernt und regelmässig angewandt werden.» Fest steht auch, dass Sex, auch mit sich selbst, gesund ist. Der regelmässige Gebrauch der Genitalien fördert die Durchblutung und Erregungsfähigkeit des Gewebes, sowohl beim Mann wie bei der Frau. Orgasmen stärken den Beckenboden, das Nervensystem, das Immunsystem. Sie reduzieren die Gefahr von Inkontinenz, Depression und Herzinfarkt. Für Männer sind Erektionen wichtig für die Gesunderhaltung des Gefäss- und Schwellkörpersystems. Nebenbei ist sexuelle Aktivität, auch mit sich selber, gut für die Prostatagesundheit.

Kommt es vor, dass Gynäkologen Frauen zu einem Vibrator raten?
Ja. «Wenn es hilfreich erscheint, dass frau mithilfe von Sextoys ihren Körper und seine sexuelle Stimulierbarkeit besser kennen lernen könnte und möchte», sagt Regina Widmer. «Sehr viel kann Frau aber auch schon mit den eigenen Händen und Fingern erforschen und kultivieren.» Katrin Dällenbach sagt: «Viele Ärzte schicken ihre Patientinnen zu mir in den Laden. Eigentlich sollte die Krankenkasse Vibratoren bezahlen.»

Kann eine Frau die Lust auf ihren Mann verlieren, wenn sie einen Vibrator benutzt?
Kaum. Ein Vibrator führt in der Regel schneller zum Orgasmus. Aber er kann nicht schmusen, nicht küssen, nicht lachen. Ein Vibrator ist ein langweiliges Ding – ausser als sexuelle Hilfskraft.

Ist es unnatürlich, wenn eine Frau einen Vibrator braucht, um überhaupt zum Orgasmus zu kommen?
Nein. Wenn der Mann die Frau manuell stimuliert, kann das im höheren Alter manchmal lange dauern. Statt sich eine Sehnenscheidenentzündung zu holen, bezieht er besser einen Vibrator mit ein.

Welche Sexspielzeuge sind am beliebtesten?
Das meistverkaufte Produkt bei Planet Love ist laut Katrin Dällenbach eine spezielle Gleitcreme. «Und die ist auch ein Spielzeug, da man sich damit massieren kann», sagt sie. Auf der Liste der erfolgreichen Produkte folgen Vibratoren aller Art, Dildos, Analspielzeug, Penisringe, Masturbationshilfen aus Silikon für Männer und diverse Massageöle.

Was kostet ein guter Vibrator?
Bei billigen Vibratoren ist oft das Material schlecht, die Konstruktion auch, manche sind mit schädlichen Chemikalien behandelt. Finger weg! Kleine Vibra-toren gibt es ab ungefähr 50 Franken, qualitativ hochstehende Geräte aus Silikon kosten ab 150 Franken. Verkaufsschlager im Planet Love ist zurzeit das Modell «Mona» des schwedischen Herstellers Lelo. Preis: 179 Franken.

Muss man sich denn unbedingt einen Vibrator kaufen?
Bei bestimmten Lebensmitteln wie Gurken oder Karotten ist Vorsicht angebracht, man kann sich verletzen. Keinesfalls sollten Flaschen oder Deospraydosen benutzt werden. Glassplitter können zu schweren Verletzungen führen, bei Spraydosen besteht die Gefahr, dass sich die Sprühkappe löst. Also besser einen Erotikladen aufsuchen.fs/nk

www.50plus.ch
www.planetlove.ch
www.frauenpraxis-runa.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2013, 14:42 Uhr

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