Was tun gegen Geschenke?

Die Antwort auf eine Stilfrage betreffend Mitbringsel, die man gar nicht will.

Nicht immer sind Geschenke willkommen. Foto: Negative Space (Pexels)

Nicht immer sind Geschenke willkommen. Foto: Negative Space (Pexels)

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Ich beschäftige seit sechs Monaten eine sehr sympathische Putzfrau. Das Problem: Sie bringt mir immer wieder selbst gebastelte Trockenblumen-Arrangements als Geschenk mit. Diese sind keineswegs geschmacklos, und sie will mir offensichtlich eine Freude machen. Aber wie werde ich diese Objekte wieder los? Ich möchte meine Wohnung ja nicht vollstellen mit (fremden) Dauerdekorationen. Andererseits möchte ich auch nicht unfreundlich und hochnäsig erscheinen. Wie finde ich einen taktvollen Ausweg? S. B.

Liebe Frau B., die vorliegende Schenk-Problematik ist ein Sujet, das in dieser unserer kleinen Rubrik häufig vorkommt. Und das zu Recht, denn das Schenken wird völlig unterschätzt. Im Sinne von: Es wird viel zu leichtfertig geschenkt. Es herrscht ein recht eigentlicher Geschenke-Enthusiasmus; vor allem unter Frauen, man muss es leider sagen. Dauernd wird einem von einer irgendein Mitbringsel in die Hand gedrückt, und oft ist die Schenkende darob sehr viel begeisterter als man selbst, was überhaupt nicht Sinn der Sache ist, das muss jetzt einmal festgehalten werden. Dass das alles immer gut gemeint ist, macht die Sache noch komplizierter, die Verschnupftheitsgefahr jedenfalls ist immens.

Für Sie, liebe Frau B., ergeben sich drei Möglichkeiten. Erstens, Sie schieben eine Allergie vor, Trockenblumen sind dafür geradezu prädestiniert. Das Problem: So etwas hält Präsent-Enthusiastinnen nicht von ihrem Vorhaben ab. Ihre Putzfrau wird sich, noch während Sie dramatisch die Nase schnäuzen, innerlich auf Salzteigobjekte verlegen.

Zweitens: Sie lassen die Deko verschwinden, sobald die Putzfrau das Feld geräumt hat, und stellen sie wieder auf, wenn sie das nächste Mal vorbeikommt. Das ist aber ein logistischer Aufwand der mühseligen Sorte, und Sie würden damit komplett falsche Signale senden, nämlich, dass Sie es lieben, inmitten von ­getrockneten Blumenarrangements zu leben, was wiederum Ihre Putzfrau dahingehend deuten würde, Ihnen unbedingt noch mehr Gestecke dieser Art überreichen zu müssen. Sie kommen also eventuell nicht umhin, die Wahrheit zu sagen. Dass Sie das sehr liebenswürdig finden und die Handwerkskunst bewundern und die sorgfältige Farbkombination, aber dass es Ihnen nicht recht sei, dauernd Geschenke zu bekommen. Zwecks Abmilderung des Gesagten strecken Sie ihr einen Strauss Tulpen entgegen – gegen Tulpen kann man nichts haben – und ­lächeln sanft: Damit sind wir quitt.

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2018, 22:54 Uhr

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