«Da Harry kein Kronprinz ist, läuft es bei seiner Hochzeit viel lockerer»

Bei der Auswahl der Gäste sind Meghan Markle und Prinz Harry frei. Er kann sogar auf US-Präsident Trump verzichten, sagt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert.

Heiraten am 19. Mai in der St. George's Chapel in Schloss Windsor: Meghan Markle und Prinz Harry.

Heiraten am 19. Mai in der St. George's Chapel in Schloss Windsor: Meghan Markle und Prinz Harry. Bild: Neil Hall/Keystone

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Am 19. Mai heiraten Prinz Harry und Meghan Markle in der St. George's Chapel in Schloss Windsor. Obwohl Prinz Harry momentan nur auf Platz fünf der britischen Thronfolge steht, wird das Ereignis auch im deutschen TV live übertragen – und sorgt bei royalen Fans bereits Monate vorher für Aufregung und Gerüchte. Der Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert, 81, ist seit Jahrzehnten bei königlichen Hochzeiten, Taufen und Thronjubiläen dabei und weiss, wie akkurat solche Feierlichkeiten geplant werden und welche Vorgaben zu beachten sind.

Wenn Prinz Harry und Meghan Markle im Mai heiraten, werden Hunderte Gäste mit den beiden feiern. Wie sorgfältig wird für eine royale Hochzeit ausgewählt?
Bei solchen grossen Ereignissen gibt es bereits vorbereitete Listen, denen man entnehmen kann, wer einzuladen ist und beim wem sich eventuell Konflikte ergeben könnten. Ich bin mir sicher, dass aktuell mindestens zehn Protokollbeamte zusammensitzen und die Gästeliste für die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle zusammenstellen. Unter den Eingeladenen werden natürlich der Freundeskreis von Braut und Bräutigam und die Pflichtverwandten sein. In der angeheirateten Verwandtschaft gibt es bestimmt auch einige Mitglieder, die sich wünschen, eingeladen zu werden. Doch über diese darf das Brautpaar entscheiden, ob sie sie bei der Feier dabei haben wollen. Dazu kommen Politiker, genauso wie Vertreter der gemeinnützigen Organisationen, bei denen sich Harry und Meghan engagieren.

Also haben Harry und Meghan bei ihrer Gästeliste schon ein Mitspracherecht?
Selbstverständlich werden auch die Wünsche der beiden berücksichtigt. Da Harry kein Kronprinz ist, läuft bei ihm vieles lockerer. Er hat bei der Gästeliste und der Gestaltung seiner Hochzeitsfeier viel mehr Freiheiten als sein Bruder William vor sieben Jahren. Dass Harry und Meghan in Windsor in der St. George's Chapel heiraten, ist beispielsweise schon recht ungewöhnlich. Die Kapelle hat bislang bei königlichen Hochzeiten eigentlich keine Rolle gespielt. Lediglich Vater Charles hat dort mit seiner zweiten Frau Camilla einen Dankgottesdienst gefeiert. Normalerweise wird in London geheiratet.

Angeblich soll die britische Regierung besorgt sein, dass Prinz Harry den Ex-USA-Präsidenten Barack Obama, nicht aber den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump einladen könnte. Warum sollte das die Politik stören?
Es könnte sein, dass aufgrund der guten persönlichen Beziehungen zwischen Harry und Barack Obama der ehemalige US-Präsident eingeladen wird. Wenn aber der amtierende Präsident nicht erwünscht ist, würde das einen Affront gegen ihn bedeuten. Donald Trump könnte sich auf die Füsse getreten fühlen, was eine Verstimmung in den britisch-amerikanischen Beziehungen bedeuten würde. Es ist Aufgabe der Diplomaten, die Situation zu entspannen. Die britische Botschaft in Washington und Vertreter der US-Regierung werden deshalb dazu Gespräche führen. In einer öffentlichen Stellungnahme könnte es dann etwa heissen, Präsident Trump habe an dem Tag zu viele Termine und daher keine Zeit, an der Feier teilzunehmen.

Royales Traumpaar

Bei der Hochzeit von William und Kate wurde der syrische Botschafter in Grossbritannien wieder ausgeladen – aus politischen Gründen. Ist das nicht genau so ein Affront?
In der diplomatischen Welt ist das so: Wenn einer als Bösewicht bekannt ist, dann darf man ihn auch wieder ausladen. Bei einer Hochzeit erster Klasse wie der von William, der einmal König werden soll, wird das sogar erwartet. Solch eine Hochzeit wird als Ereignis des Königshauses betrachtet. Also ein Ereignis, das im Namen der Staatschefin stattfindet. Deshalb sind die Staatschefs anderer Länder daran interessiert, wer eingeladen ist und wer nicht. Aber noch mal: Bei Harry wird es nicht so streng zugehen wie bei William.

Auch unter den privaten Gästen wird es vielleicht den einen oder anderen geben, der sich nicht viel ums Protokoll schert oder durch rüpelhaftes Verhalten auffällt. Wie geht man mit Problemgästen um?
Wenn Sie Harry danach fragen, wird er bestimmt sagen, dass er keine pöbelnden Freunde hat. Aber sollte es tatsächlich zu solch einer Situation kommen, wird diese Person schnell von der Bildfläche verschwinden.

Welche prominenten Gäste erwarten Sie bei der Hochzeit?
Elton John wird sehr wahrscheinlich eingeladen werden. Seit seiner Version von «Candle in the Wind» zum Tod von Prinzessin Diana steht er diesem Teil der Familie und besonders den Brüdern Harry und William sehr nahe. Ansonsten gilt die Formel: Jedes Königshaus ist eingeladen. Bei Harry erwarte ich aber niemanden aus der ersten Reihe, wie etwa den niederländischen König Willem-Alexander, sondern eher dessen Geschwister. Am ehesten Mitglieder der Königsfamilien, zu denen Harry bereits Kontakt hatte. Da Harry sich aber auf dem europäischen Kontinent etwas rar gemacht hat, ist er meinem Empfinden nach mit niemandem aus dem europäischen Adel besonders befreundet. Spannend wird die Frage, wer aus deutschen Adelshäusern eingeladen wird. Die Häuser Hohenzollern, Hessen und Baden haben direkte Beziehungen zum britischen Königshaus. Das Haus Hannover, das bis 1901 den britischen König stellte, eher nicht. Da hat es nach dem Ersten Weltkrieg mit der Abschaffung des Adels in Deutschland einen Bruch gegeben.

In die St. George's Chapel auf Schloss Windsor passen nur einige Hundert Menschen. Haben Schaulustige eine Chance, sich in die Kirche zu schmuggeln?
In die Kapelle werden sie es sicher nicht schaffen. Aber ich gehe davon aus, dass es eine Art gestaffeltes Zuschauersystem geben wird. In Windsor gibt es einen grossen Hof, der sich dazu eignet. Leute, die etwas sehen wollen, aber nicht in die Kirche eingeladen sind, könnten dort die Möglichkeit bekommen, das Geschehen aus der Nähe zu verfolgen. Ich denke auch, dass viele Fans schon am Freitag anreisen werden. Diese werden am Samstag, wenn geheiratet wird, bereits eine fröhliche Nacht hinter sich haben.

Erster offizieller Auftritt von Meghan und Harry

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2018, 11:59 Uhr

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