«Natürlich ist vieles schiefgegangen»

Die 68er suchten nach neuen Erziehungsmodellen in freien Schulen und Kommunen. Waren sie erfolgreich? Vier 68er-Kinder ziehen Bilanz.

Die Kommune im österreichischen Friedrichshof probte ab Mitte der Siebzigerjahre das radikalste Erziehungsmodell. Foto: Michael Horowitz (Anzenberger)

Die Kommune im österreichischen Friedrichshof probte ab Mitte der Siebzigerjahre das radikalste Erziehungsmodell. Foto: Michael Horowitz (Anzenberger)

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Die Grösse der Schuhe vor der Wohnungstür deutete jeweils an, welcher Vater gerade bei der Mutter zu Hause war. Heute sagt der 50-jährige Stefan Zweifel, Autor, Kurator, Übersetzer und bekannt auch als TV-Moderator des «Literaturclubs» von SRF: «Ich hatte damals eine Sehnsucht nach dem normalen Familiending mit Papi und Mami. Aber das konnte man als Kind nicht zugeben.»

Das freie 68er-Modell mit vielen Vätern und Müttern war cooler. Er möchte keinen dieser Väter in der Erinnerung missen, sagt Zweifel – unter ihnen Künstler, Schauspieler und praktisch veranlagte Akademiker: Mit dem einen boxte er, mit dem ­anderen spielte er Lego, vom dritten erbte er die kuschligen Kaschmirpullover. Er besuchte neu gegründete Kindergärten und das Schulmodell Trichterhausen, wo die Kinder nach dem Vorbild der antiautoritären Erziehung in der Schule «Summerhill» so viel Freiraum wie möglich hatten.

Paul-Julien Robert ist 1979 in der Kommune Friedrichshof im österreichischen Burgenland geboren, als Sohn einer Jurassierin und hundert möglicher Väter. Hier, im radikalsten aller damaligen Erziehungsexperimente, sollten die Kinder in einem «nicht aggressiven spannungsfreien Klima» aufwachsen und von den Erwachsenen gemeinsam erzogen und unterrichtet werden. Robert hat einen mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm über die damalige Zeit gedreht («Meine keine Fa­milie»). Als der Wiener Filmemacher seinen leiblichen Vater vor die Kamera setzte, um über die Achtzigerjahre und dessen Verantwortung zu reden für vieles, was damals schieflief, erläuterte der ihm lieber die Kläranlage seines Ferienresorts auf der Kanaren-Insel Gomera. Er lasse sich keine Schuldgefühle ein­reden, meinte er.

«Wenn der Wunsch nach einem Kind da ist, adoptiere ich eines.»Hatschepsut Huss (31), Künstlerin

Hatschepsut Huss, 31-jährige freischaffende Künstlerin, war ein Mädchen aus der letzten Kindergeneration dieser Kommune ab 1986. Sie wurde nach der ägyptischen Pharaonin und Königin benannt und hat allein in Wien heute mehr als zwanzig «Geschwister» aus der ehemaligen Kommune. Seit dem frühen Krankheitstod ihrer Mutter hat sie keine Eltern mehr. 1990 wurde in einem beispiellosen Gentest abgeklärt, wer die Väter dieser Kinder waren. Dabei wurde auch ihr Vater ermittelt, er wollte aber nichts von ihr wissen.

«Wie heisst du eigentlich?»

Werner Rohner, ebenfalls ein 68er-Kind, ging in einen der ersten freien Chindsgi der Stadt Zürich, im Brahmshof, und wurde im Schülerladen an der Zurlindenstrasse betreut. Er kennt seine Väter – es sind drei: Der damalige Partner der Mutter, früher Hausbesetzer in der 68er-Szene, der ihn nach der Geburt als Kind anerkannte, der spätere Ehepartner seiner Mutter und sein biologischer Vater, ein Schweizer Schriftsteller.

Der 42-jährige Zürcher ist selbst Schriftsteller geworden und hat einen eindrücklichen Romanerstling verfasst («Das Ende der Schonzeit», 2014). Darin schildert sein Protagonist die Begegnung mit seinem leiblichen 68er-Vater, zu dem er bis zum Tod seiner Mutter keinen Kontakt hatte: «Ich erzählte von Wien und Berlin, von der Arbeit beim Fernsehen, während er Spaghetti kochte und mir, wie er es damals bei der Mutter getan hatte, ungefragt und ohne Pathos die Welt erklärte. Und als er den vorgewaschenen Salat aus der Plastikpackung in eine Schüssel schüttete, fragte er: ‹Wie heisst du eigentlich?›»

Er heisst Joris und ist ein anderer. Rohner fragt bei unserem Treffen erst leicht misstrauisch: «Reden wir von ihm oder mir?» Wir reden von Rohner: Er ist das einzige der vier 68er-Kinder mit einem Vater, der nach seiner Geburt die volle Verantwortung übernahm. «Mein Vater war stets für mich da, obwohl er nicht mein leiblicher Vater war. Er hat dies meiner Mutter bei der Geburt versprochen und eingehalten. Als sie sich trennten, war klar, dass ich zwei Tage pro Woche bei ihm war.»

«Ich hatte damals Sehnsucht nach dem normalen Familiending.»Stefan Zweifel (50), Publizist und Kurator

Die Eltern haben zehn Minuten voneinander entfernt gewohnt, und Werner genoss das Privileg zweier Wohnungen. Mit dem zweiten Vater konnte er es nach der Heirat der Mutter weniger, obwohl er es anfänglich versucht hatte. «Aber ich liess mir von ihm nichts sagen, und meine Mutter hielt im Konfliktfall stets zu mir – vielleicht war das ein Fehler.» Mit seinem leiblichen Vater blieb er stets freundschaftlich verbunden: «Er hätte Verantwortung übernommen, wenn mein anderer Vater aus irgendwelchen Gründen ausgefallen wäre.»

Schöne Erinnerungen und Traumata

Alle dieser vier ehemaligen 68er-Kinder sind heute kreativ tätig, als Filmemacher, Künstlerin, Schriftsteller, Kurator und Publizist. Sie haben sich mit ihren Erlebnissen in der damaligen gesellschaft­lichen Aufbruchsphase öffentlich auseinandergesetzt. Bei zweien, Rohner und Zweifel, überwiegen die guten Erinnerungen an die damalige Zeit deutlich, sie erlebten die ersten freien Kindergärten und Schulen. Sie sprudeln, wenn sie von damals erzählen, viele der damaligen Kameraden gehören heute noch zu ihren Freunden. Und sie wollen oder würden ihre Kinder ähnlich erziehen.

Für die zwei anderen, Hatschepsut Huss und Paul-Julien Robert, war diese Zeit traumatisch. Die AAO-Kommune im Burgenland wurde unter ihrem übergriffigen und autoritären Gründer Otto Mühl nach und nach zur Sekte, die mit allen kinderfreundlichen Grundsätzen brach. Statt den freien Willen zu fördern, wurde den Kindern der Wille abtrainiert. Wenn Huss und Robert diese Erlebnisse, wie es scheint, unbeschadet überstanden haben, dann sind sie zwei jener wundersamen Fälle kindlicher Widerstandskraft.

Auffällig ist, dass bei den vier 68er-Kindern die Mütter trotz dem damaligen Bruch mit Kleinfamilie und Geschlechterrollen ihre Verantwortung gegenüber den Kindern stets wahrnahmen, ein längerer Unterbruch im Fall der Mutter von Robert im Friedrichshof ausgenommen: Als die Kommune im Burgenland 1983 in Geldnöten steckte, wurden die erwerbsfähigsten Kommunarden für ein paar Jahre zum Geldverdienen an einträglichere Orte geschickt, die Jurassierin zusammen mit anderen Schweizern nach Zürich. Robert war damals 4-jährig und blieb allein in seiner Kindergruppe zurück, malend, tanzend, spielend. Aber nicht fröhlich ? es gibt kaum glückliche Bilder von ihm aus jener Zeit. Vor laufender Kamera fragt er die Mutter, ob sie sich denn damals keine Sorgen um ihn gemacht habe. «Nein, ich hatte Vertrauen in die Gemeinschaft», sagt sie, «aber ich habe schon geahnt, dass du sehr einsam warst.» Auf die Fragen nach seinem damaligen Befinden herrscht erst mal Stille – die Antworten folgen bedächtig, überlegt.

«Ich würde schauen, dass mehr als ein Erwachsener für das Kind da ist.»Werner Rohner (42), Schriftsteller

Keines der befragten einstigen 68er-Kinder hegt heute Ressentiments gegen seine Eltern. «Sie waren überfordert», sagt Stefan Zweifel, «wir haben uns zeitweilig um sie gesorgt.» Die damalige Situation vertauschte die Rollen: Etliche Eltern entdeckten ihre Spontaneität und wurden selbst zu Kindern, auch die Kunst wurde in jener Zeit verspielt. In der freien Volksschule Trichterhausen, einem der ersten Schweizer 68er-Schulreformprojekte, wurden die Eltern von Anfang an miteinbezogen; Sie hatten die Schule gegründet, diskutierten bis in die Nacht, kochten, putzten und feierten. Manchmal so leidenschaftlich, dass die Kinder sie zum Aufbruch mahnen mussten. «Ich wundere mich, wie sie das alles geschafft haben», sagt Stefan Zweifel; Geld zu verdienen, muss damals einfacher gewesen sein.

Hinzu kam die Verlockung der freien Liebe ab 1967, die bei den Erwachsenen zeitweilig die Sorge um das freie Kind und sein Bedürfnis nach Stabi­li­tät überlagerte. Aber nicht bei allen: Für Stefans Mutter blieb es das Wichtigste, ihrem Sohn eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Die Buchhändlerin und Journalistin betreute während dreissig Jahren Kindersendungen am Radio, Kinder und deren Wohl stehen für sie bis heute über allem. Wenn sie mit einem Mädchen von Freunden bastelt und ihm ein Seidenband wegnimmt, weil das Kind es leidenschaftlich in kleine Stücke schnitt, hat sie danach eine schlaflose Nacht.

Stefan liebte das Rechnen, also durfte er rechnen. Lesen und Schreiben konnte er am Ende der zweiten Klasse in der freien Schule noch nicht. Dafür wurden sie als Kinder ernst genommen und sie lernten, ihre Wünsche zu artikulieren. Zur Über­raschung aller wollte Stefan dann plötzlich Hausaufgaben und Noten. Er kam ins Schulhaus Ilgen im Zürcher Stadtkreis 7 in die Klasse einer Lehrerin von altem Schrot und Korn. Hier lernte er rasch ­Lesen und Schreiben, den Wechsel empfand er aber auch als Kulturschock: «Ich war ganz anders gekleidet als die anderen», erinnert er sich, «auch die Nägel hatte ich mir nicht mehr lackieren können. Und ich beneidete die anderen Schüler um ihre vermeintlich intakten Kleinfamilien.»

«Ich weiss inzwischen, wie schwierig es ist, eigene Kinder zu haben.» Paul-Julien Robert (39), Filmemacher

Werner Rohner wurde zusammen mit einem Kameraden aus dem freien Kindergarten ins Ämtlerschulhaus im Zürcher Stadtkreis 3 zugeteilt. Damals gab es dort noch getrennte Ein- und Ausgänge für Buben und Mädchen. Sein Kamerad aus dem freien Chindsgi hatte lange Haare, die Schulkollegen spotteten, er solle den Mädchenausgang benutzen. Paul-Julien Robert zog nach dem Ende der Kommune als Zwölfjähriger mit seiner Mutter nach Zürich und besuchte zwei Jahre in Höngg die öffentliche Schule. Er hat diese Zeit als schwierig in Erinnerung und noch schwieriger das folgende Jahr im Lernstudio. Nur Hatschepsut Huss blieb der Kulturschock erspart: Sie blieb mit ihrer Mutter im Friedrichshof, der nach Mühls Verhaftung ab 1991 zu einer freien Genossenschaftssiedlung wurde.

Vor Konsum geschützt

«Ich bin trotz allem nicht unglücklich darüber, wie ich aufgewachsen bin», sagt Robert nach einer längeren Pause am Telefon, «natürlich ist vieles schiefgegangen, was für Kinder gefährlich, krank und ungesund war. Aber ich weiss inzwischen, wie schwierig es ist, eigene Kinder zu haben, und sehe, dass man da an ganz andere Grenzen stösst.» Die Kinder hatten im Friedrichshof viel Raum in der Natur, und sie waren – so absurd es scheint angesichts der Übergriffe – vor vielem auch geschützt: Konsum- und Spielsucht, ungesunder Ernährung, TV. In den freien Kindergärten und der Trichterhausermühle zum Beispiel war Coca-Cola verboten – es war das Symbol für den US-Imperialismus in Vietnam. Rohner hatte berichtet, wie sein Vater esoterisch wurde, nachdem er an einer Demo einen Stein von den eigenen Leuten an den Kopf gekriegt hat. Plötzlich war nur noch Bio und vegetarisch angesagt. «Wir haben uns dann auf Tofuloni geeinigt, Tortellini gefüllt mit Tofu.» Es ging schliesslich um den neuen Menschen.

Nicht vorgesehen waren in dieser Utopie freier Erziehung aggressive oder gar gewalttätige Kinder. «Unsere Eltern und Lehrer standen ihnen hilflos gegenüber», sagt Stefan. Er selbst hat nicht zurückgeschlagen, dann hörte der andere meist auf. Und wenn es zu strub wurde, hat ihn der Vater statt in die Schule zur Grossmutter gebracht.

Im Friedrichshof waren die Methoden, Kinder auf Linie zu bringen, härter. Nachdem man Aggressivität anfänglich mit den Spätfolgen autoritärer Modelle erklärt hatte, drohten widerspenstige Kinder bei den später Geborenen das Modell zu widerlegen. Einige von ihnen wurden an den Gemeinschaftsabenden öffentlich gedemütigt – im Film­archiv der Kommune fand Robert traurige Bilder, wie der grössenwahnsinnig gewordene Otto Mühl Kindern, die sich nicht unterwarfen, mit sadistischen Methoden den Willen brach. Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum sexuellen Übergriff auf 14-Jährige als «Initiationsritus»– der ehemalige Wiener Aktionskünstler wurde dafür 1991 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. «Otto Mühl war machtbesessen und pädophil», sagt Robert und ergänzt nach einer erneuten Pause am Telefon: «Diese Kombination war fatal.»

«Da war er schon ein Fremder»

Der inzwischen verstorbene Kommunengründer ist Vater der jüngeren Schwester von Hatschepsut Huss. Er sah seine Kommune als lebendiges Kunstwerk und experimentierte fahrlässig mit Menschen. Zeitweilig wurden die im Friedrichshof geborenen Kinder gezielt in Gruppen ohne ihre biologischen Mütter und Väter eingeteilt, das war nach Huss’ Geburt nicht mehr so. Sie kann es bis heute nicht nachvollziehen, wie sich Mütter auf ein so radikales Experiment einlassen konnten: «Wenn ich ein Kind hätte, würde ich es instinktiv schützen», sagt sie am Telefon. Hin und wieder ist sie schwierig zu verstehen, weil ihre Stimme in der tiefen Betroffenheit leiser wird. Ihre Mutter hat den leiblichen Vater nach dem Gentest 1991 kontaktiert, aber der wollte erst nichts von seiner Tochter wissen. Als er sich vor der Jahrtausendwende bei der 13-Jährigen meldete, war es zu spät, «da war er schon ein Fremder».

Zweifel lebt heute mit seiner Partnerin und ihrem achtjährigen Sohn in einer Kleinfamilie, «bünzlig», wie er sagt: Ein grosser Teil der damaligen Errungenschaften habe heute unter Wegfall gewisser Exzesse in Kindergarte-, Schule und Hort Eingang gefunden, sagt er. Die Kinder und ihre Eltern werden einbezogen, sein Sohn ist in einem Schulversuch mit durchlässigen Fächern zwischen erster und dritter Klasse. Die Kinder spielen in der Siedlung in einem grossen Innenhof, die Eltern rufen sie jeweils koordiniert von den Balkonen nach oben – sonst käme keines hoch. «Leicht verspiessert ist vieles von früher Allgemeingut geworden», sagt er, «selbst Sadomaso ist mit Madonna und ‹Fifty Shades of Grey› im Mainstream angekommen.»

Keiner hat einen 8-bis-17-Uhr-Job

Täglich von 8 bis 17 Uhr zu arbeiten, kommt für die vier einstigen 68er-Kinder nicht infrage. Huss hat neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin ein Lehrpensum im Aktzeichnen und unterrichtet Kinder. Rohner hat eine kaufmännische Ausbildung; wenn er vom Schreiben nicht leben kann, wird er sich vorübergehend wieder anstellen lassen. Zweifel plant für Herbst zusammen mit Kurator Juri Steiner eine Ausstellung im Landesmuseum Zürich über die Jahre 1967–1972. Die Besucher erwartet oben an der Treppe die Spitze eines Mirage-Kampfflugzeugs, dahinter eine Wandzeitung aus dem Jahr 1968.

Sein achtjähriger Sohn liebt die Ferieninsel Gomera. Das Hotel auf der ehemaligen Bananenplantage wurde 1991 aus der einstigen Otto-Mühl-Kommune los­gelöst und ist heute ein Paradies für Kinder und «Yoga-Spiesser» (Stefan Zweifel). Für Kinder gelten fixe Regeln, kein Eis vor 15 Uhr. Das Hotel mit eigenem Biobetrieb und Kläranlage betreibt Roberts Vater, der dort mit seiner jetzigen Frau und ihrem gemeinsamen Sohn lebt. Auch Huss’ Vater lebt mit einer neuen Partnerin und hat inzwischen ein eigenes Kind, für das er seine Verantwortung wahrnimmt. Die beiden 68er-Kinder aus dem Fried­richshof freuen sich darüber ? offenbar ha­- ben ihre Väter etwas gelernt.

Robert lebt mit seiner Partnerin und den zwei und vier Jahre alten Töchtern in Wien. Der Filmemacher teilt sich die Betreuung mit seiner berufstätigen Partnerin hälftig, zeitweise übernimmt er mehr. Sobald er seinen nächsten Film dreht, wird sie mehr übernehmen. Und wenn beide etwas vorhaben, hütet eine Tagesmutter oder «Schwester» von Hatschepsut Huss die Kinder.

«Sie hat mir gezeigt, dass ich das Wichtigste bin in ihrem Leben.»Robert

Huss selbst möchte keine eigenen Kinder. «Wenn ein Kinderwunsch da ist, werde ich eines adoptieren», sagt sie leise, «es gibt so viele einsame Kinder.» – «Wenn ich Kinder hätte, würde ich schauen, dass mehr als zwei wichtige Menschen für sie da wären – ohne deswegen die Verantwortung abzugeben», schreibt Rohner nach unserem Gespräch sachlich. «Es war gut, dass ich die Zeit nach der Kommune zusammen mit meiner Mutter verbracht habe», sagt Robert, und nach einer letzten Pause: «Sie hat mir gezeigt, dass ich das Wichtigste bin in ihrem Leben.»

Und Stefan Zweifel schwelgt beim Coca-Cola im Ristorante Italia, als alle anderen Mittagsgäste schon aufgebrochen sind, noch immer in den Erinnerungen von früher unter den Bäumen der Trichterhauser Mühle und seinem alten Traum von einem riesigen Barbapapa- und Barbamamahaus: mit vielen Kindern, einer stabilen Vater- und Mutterbeziehung – und alle machen ihr Ding.

Alle vier einstigen 68er-Kinder haben sich zu ihrer damaligen Erziehung geäussert. Stefan Zweifel: «Wir Kinder von 68», in «Das Magazin», 18. 6. 2005, Paul-Julien Robert: «Meine keine Familie», Freibeuter Film, 2012, Hatschepsut Huss: Interview in «Vice», 14. 8. 2013, Werner Rohner: «Das Ende der Schonzeit», Lenos, 2014. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2018, 15:37 Uhr

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