Das Risikodreieck

Der Wanderer, sein Hund, die Mutterkuh: Treffen die drei aufeinander, kann es gefährlich werden. Oder gar tödlich.

Keimt hier Freundschaft oder Krieg? Die Kuh und der nicht angeleinte Hund.<br />Foto: Bigi Moehrle (Plainpicture)

Keimt hier Freundschaft oder Krieg? Die Kuh und der nicht angeleinte Hund.
Foto: Bigi Moehrle (Plainpicture)

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Ein Nutzungskonflikt verschärft sich mit jedem neuen Akteur; die Regel gilt auch fürs Wandern. Schon das Aufeinandertreffen von Wanderer und Kuh kann heikel sein. Vor allem, wenn die Kuh eine Mutterkuh ist; diese Art Haltung ist im Kommen.

Noch heikler wird es, wenn der Wanderer einen Hund mitführt. Letzte Woche in der Zeitung zu lesen: Im Tiroler Stubaital fallen zehn Kühe und zehn Kälber eine Wanderin und ihren angeleinten Hund an. Die Frau wird schwer verletzt. Reanimationsversuche über 45 Minuten nützen nichts, sie stirbt auf dem Wanderweg.

Auch in der Schweiz gibt es jedes Jahr üble Vorfälle. Etwa 2012 auf dem Weissenstein SO: Eine Rentnerin hat den Hund und zwei Enkelkinder bei sich. Kühe greifen an. Eine Kuh mit Kalb trampelt auf der Frau herum, bricht ihr Becken dreifach. Dazu kommt eine tiefe Armwunde.

Eine gefährliche Familie

Wie Unfälle verhindern? Die Kuh moralisch bessern geht nicht, sie handelt natürlich. Ihr Kalb will sie schützen. In erster Linie vor dem Hund, der für sie ein Wolf ist. Den Menschen scheut die Mutterkuh auch, da sie ihn nicht so gut kennt wie eine Milchkuh, die gemolken wird.

Mutterkuh, Kalb und Muni bilden eine hübsche Familie. Ein Ganzes. Doch das Idyll birgt Gefahr.

Die Kuh-Nichtversteher

An den Wanderer richten sich Benimmtipps. Ein Merkblatt verschiedener Institutionen rät, er solle die Kälber nicht streicheln. Und Distanz zum Vieh halten. Allerdings ist das nicht überall möglich. Links vom Pfad ein Tobel. Rechts ein Steilhang. Auf dem Pfad die Herde. Muss man jetzt umkehren?

Der dritte im Risikodreieck ist der Hund. Ist er nicht gut erzogen und darf frei rennen, irritiert das die Kuh bös. Doch auch geschulte und angeleinte Hunde sind keine Friedensgarantie.Der Hund riecht die Wut der Kuh vor dem Menschen. Er wird nervös, will fliehen, zieht den Wanderer mit sich. Die Kuhherde schliesst auf. Beide Parteien werden immer schneller. Gut, wenn der Zaun in der Nähe ist.

Der Viehhalter hört oft erst im Nachhinein, was auf seiner Wiese vorfiel. Er haftet für seine Tiere; das Warnschild am Zaun entlastet ihn nicht. Die Haftpflichtversicherung setzt seinem schmalen Budget zu. Dass seine Kühe jemanden verletzen, ist sein Albtraum.

Bauern klagen, dass mancher heutige Wanderer eine Kuh nicht im Geringsten begreife. Der verstädterte Wanderer sieht nicht, dass es Zeit zum speditiven Abgang ist, wenn die Kuh die Stirn senkt oder mit den Klauen scharrt. Was Bauern aber wirklich ärgert: Dass Biker vorbeibrettern und das Vieh derart stressen, dass es am Abend völlig verstört ist.

60 Kilo böser Hund

Noch komplizierter macht die Lage, dass neuerdings vermehrt Herdenschutzhunde im Einsatz sind. Auch sie haben schon Zeitungsmeldungen ausgelöst. Etwa diese: In Graubünden beisst ein Herdenschutzhund eine Velofahrerin unvermittelt in Oberschenkel und Unterarm. Die Polizei hat Mühe, das 60-Kilo-Tier wegzuschaffen. Später wird es eingeschläfert.

Die Bewohner dieses kleinen Landes haben ihre ganz verschiedenen Ansprüche auf dessen Natur: ein Nutzungskonflikt, wie erwähnt. Und eben: Mutterkuh herzig, aber heikel. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2014, 22:59 Uhr

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