Fette Tipps rund ums Palmöl

Ist Palmöl so schlecht wie sein Ruf? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das begehrteste Pflanzenöl der Welt.

Begehrte Ernte: Arbeiter auf einer Palmölplantage in Malaysia.

Begehrte Ernte: Arbeiter auf einer Palmölplantage in Malaysia. Bild: Keystone

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Wenn nur das Palmöl nicht wäre. Dann würde dem Freihandels­abkommen mit Indonesien, dem grössten Palmölproduzenten (zusammen mit Malaysia erzeugt der Inselstaat 80 Prozent der Weltproduktion), nichts im Wege stehen. Doch Palmöl ist allgegenwärtig – in der Schweiz steckt es in jedem zweiten Alltagsprodukt, vor allem in Lebensmitteln wie Fertiggerichten, Güezi, Salzstangen oder Brotaufstrichen. Das bringt verschiedene Gruppie­rungen auf die Palme.

Umweltverbände und Hilfswerke sorgen sich um ökologische Auswirkungen, Bauern fürchten, dass Palmöl dem einheimischen Raps den Rang abläuft. Als gemeiner Konsument stellt man sich indes die Frage: Was soll man zu Hause in der eigenen Küche tun und lassen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist das überhaupt – Palmöl?
Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl der Welt: Es wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen. Eine der besonderen Eigenschaften von Palmöl ist die feste, aber formbare Konsistenz zum Beispiel für Nutella, die weder mit Sonnenblumen- oder Rapsöl noch mit Kakaobutter oder Kokosöl erreicht wird.

Ist Palmöl ein schlechtes Öl?
Nein. Es ist der Anbau, der pro­blematisch ist. Der WWF spricht von einer regelrechten Anbauschlacht: «Neuen Palmölplantagen fallen meist wertvolle Tropenwälder zum Opfer, zahlreiche Arten verlieren so ihre Lebensgrundlage. Durch die Brandrodung und die Trockenlegung von Torfwäldern werden grosse Mengen an Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Wo neue Plantagen ent­stehen, entzünden sich oft auch Konflikte um die Landnutzung.»

Nutella enthält, wie fast alle gängigen Brotaufstriche, Palmöl. In diesem Fall aus Produktion mit Nachhaltigkeitssiegel. Foto: iStock

Palmöl ist nicht per se ein schlechtes Öl. Es ist der Anbau, der problematisch ist.

Hat das Ganze etwas mit dem Klima zu tun?
Natürlich. Für den Anbau werden riesige Mengen an fossiler Energie für Bodenbearbeitung, Pestizide, Transport und Verarbeitung aufgewendet.

Ist Palmöl ungesund?
Was den gesundheitlichen Aspekt beim Verzehr angeht, ist man sich nicht einig. Grund­sätzlich ist es ratsam, eher Fette und Öle mit einem hohen Anteil an einfach und mehrfach un­gesättigten Fettsäuren zu bevorzugen, also zum Beispiel Olivenöl (dort liegt er bei über 70 Prozent). Beim Palmöl sind es nur ungefähr 50 Prozent.

Wie finde ich heraus, ob in einem Produkt Palmöl versteckt ist?
Ob ein Produkt Palmöl enthält, müsste auf der Packung ange­geben sein, auch, woher es kommt und ob es aus nachhaltiger Produktion stammt. Oft fehlen jedoch die Angaben. Dann helfen Apps wie beispielsweise «Codecheck» (www.codecheck.­info) weiter, mithilfe deren man sich rasch ein Bild über die Inhaltsstoffe eines Produktes machen kann. Oder Nachfragen.

Bringt es etwas, grundsätzlich auf palmölfreie Produkte umzusteigen?
Abgesehen davon, dass das sehr mühsam ist: jein. Die Ölpalme ist eine sehr ertragreiche Pflanze, sie ist mehrjährig und die Ernte das ganze Jahr möglich. «Mit 3,3 Tonnen Öl pro Hektare ist sie fünfmal so produktiv wie Raps, Kokospalme oder Sonnenblume», sagt Corina Gyssler von WWF Schweiz. «Um Palmöl zu ersetzen, müssten deutlich grössere Flächen mit anderen Ölsaaten bepflanzt werden, mit entsprechenden negativen Umweltwirkungen.»

Ist Palmöl gleich Palmöl?
Nein. Seit 2004 gibt es den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), dessen Ziel es ist, nachhaltiges, faires Palmöl zu produzieren. Mitglieder sind Umweltschutzorganisationen, Banken, Grosshändler und Palmölproduzenten. Zu den bekanntesten RSPO-Unternehmen zählen Unilever und Nestlé, aber auch Migros und Coop sind Mitglied. Einen eigenen Weg geht der deutsche Bioproduktehersteller Rapunzel: Er bezieht – fair ge­handeltes – Biopalmöl für seine Produkte aus Ghana oder Equador, wo dafür nach eigenen An­gaben keine Regenwälder gerodet wurden.

Profitieren denn nur Gross­konzerne vom Palmöl?
Nein. Palmöl schafft in Anbauländern Millionen von Arbeitsplätzen. Die Chance auf Bildung und Wohlstand wächst.

Und wenn ich trotzdem darauf verzichten will – oder mich zumindest mässigen will, was das Palmöl anbelangt?
Grundsätzlich gilt: Wer selber kocht, kann locker ohne Palmöl auskommen. Eine frisch zube­reitete Lasagne enthält keines, die Tiefkühlvariante hingegen schon. Wer nicht selber in der Küche stehen möchte, sollte trotzdem keine Fertigmenüs kaufen. Und bei Produkten, die Palmöl enthalten, darauf achten, dass es aus nachhaltigen Quellen stammt. Noch besser sind Bioprodukte, bei denen die Richt­linien im Anbau strenger sind als bei RSPO.

Sind Palmöle nur in Lebens­mitteln enthalten?
Nein. Palmöl findet sich auch in Waschmitteln und Seifen, Kosmetika wie Gesichtscremen oder Bodylotions und Biokraftstoffen. Für diese Produkte gilt dasselbe wie für Lebensmittel: Es gibt für fast alles eine Alternative ohne Palmöl. Fragen Sie nach, ziehen Sie eine App zu Hilfe, und achten Sie auf Biolabels.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.01.2018, 09:09 Uhr

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Die Bauern und das Palmöl

Hoffen auf die Konsumenten

Auf ein Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia drängt die Schweizer Wirtschaft schon lange. Verschiedene Gruppen leisten Widerstand (siehe Haupttext), unter anderem auch Schweizer Bauern. Sie fürchten, dass Palmöl künftig öfter noch billigerer Ersatz für Rapsöl oder Butter wird.

Der Bauernverband betonte im Situationsbericht 2017 einmal mehr, wie wichtig die Deklarationspflicht sei, auch in der Hoffnung, dass Konsumenten reagieren: «Wenn viele sich dazu entscheiden, Produkten mit Palmöl auszuweichen, muss die Lebensmittelindustrie längerfristig andere Rohstoffe wie zum Beispiel Rapsöl oder Butter aus der Schweiz einsetzen», schreibt er.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist sich der ökologischen und sozialen Probleme und der Kritik von NGOs sowie der Sorgen der Bauern bewusst. Man strebt laut Seco einen Kompromiss an: «Es ist keine gänzliche Aufhebung des Einfuhrzolls für Palmöl vorgesehen.»nk

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