Das sind die besten alkoholfreien Biere

Drei Berner Biersommeliers haben in einem Blindtest sechs alkoholfreie Biersorten bewertet. Den Sieg holt sich ein schottisches Gebräu.

Alkoholfreies Bier ist auf dem Vormarsch.

Alkoholfreies Bier ist auf dem Vormarsch. Bild: Keystone

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Wenn es um Bier geht, lassen sich Anna Rohrbach (32) aus Rubigen, Pierre Dubler (54) aus Uettligen und Mich Gfeller (35) aus Burgdorf kein X für ein U vormachen. Sie gehören zum illustren Kreis der knapp hundert Diplom-Biersommeliers in der Schweiz. Für diese Zeitung haben die Experten sechs zufällig ausgewählte alkoholfreie Biere degustiert. Sie taten das blind, wussten also nicht, welches Produkt sie vorgesetzt erhielten.

Die Testbiere haben Rohrbach, Dubler und Gfeller nach vier Kriterien bewertet: Nase, Gaumen, Farbe/Schaum und Gesamteindruck. Für jeden Bereich konnten die Sommeliers zwischen 1 und 10 Punkte vergeben. Nach einer guten Stunde harter Degustierarbeit waren die Testblätter ausgefüllt – und ein klarer Sieger gekürt.

1. Zuoberst auf dem Podest landet das teuerste Bier im Test. Das Nanny State Hoppy Ale aus der schottischen Kleinbrauerei Brewdog will als Craft-Bier ein Kontrast zu industriell hergestellter Massenware sein und ist in Fachgeschäften wie Drinks of the World in Bern erhältlich. Es begeistert die Sommeliers mit seiner herben Blumigkeit. Das dunkle, hopfige Ale bekommt durchs Band sehr gute Noten und erreicht am Schluss 88 von möglichen 120 Punkten. Mich Gfeller sagt: «Alkoholfreie Craft-Biere sind schwer im Kommen.» (Flasche à 33 cl, ca. 4.20 Franken)

2. Die Silbermedaille holt sich mit Eichhof Alkoholfrei ein klassisches Lagerbier, das in vielen Restaurants und sogar beim Grossverteiler erhältlich ist. Die Sorte erhält im Test 70 von 120 Punkten. Die Tester loben die schöne Malzaromatik, das Hopfenbouquet und die Ausgewogenheit des Produkts. Oder wie es Pierre Dubler sagt: «Dieses Alkoholfreie schmeckt nach Bier!» (Flasche à 50 cl, ca. 2.20 Franken)

3. Der dritte Rang im Test geht an Erdinger Alkoholfrei. Das Weizenbier aus deutscher Produktion schafft 62 von 120 Punkten. Sehr gut schneidet die Sorte beim Kriterium Schaum/Farbe ab. «Die Schaumstabilität ist faszinierend», sagt Anna Rohrbach. Auch die schöne orangegoldene Farbe tut es den Experten an. (Flasche à 50 cl, ca 3 Franken)

4. Mit dem undankbaren vierten Platz muss das Schümli aus der Berner Brauerei Felsenau vorliebnehmen. Blumig, weizig und bananig, loben die Tester, als sie daran riechen. Leider kann das Bier im Gaumen dann aber nicht ganz halten, was es in der Nase verspricht. 58 von 120 Punkten stehen am Schluss auf dem Blatt. (Flasche à 33 cl, ca 2.40 Franken)

5. Das Leermond von Appenzeller Bier ist bei schwangeren Frauen äusserst beliebt – auch deshalb, weil es wirklich 0,0 Prozent Alkohol enthält. Die Tester sprechen von «röstbrotigen Aromen», bemängeln aber auch die zu starke Süsse im Abgang: 47 von 120 Punkten. (Flasche à 33 cl, ca. 3 Franken) 6. Feldschlösschen Alkoholfrei ist das mit Abstand populärste alkoholfreie Bier der Schweiz. Und es ist in unserem Test der Verlierer. Von einer «unangenehmen Süsse» ist im Test die Rede, davon, dass dieses Bier genau so schmeckt, wie man sich alkoholfreies Bier eben immer noch vorstellt: charakterlos. 30 von 120 Punkten sind die Quittung. (Dose à 50 cl, ca. 1.60 Franken) (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.06.2017, 11:43 Uhr

Die Jury: Die Berner Biersommeliers Pierre Dubler, Anna Rohrbach und Mich Gfeller (von links) degustieren alkoholfreie Biere. (Bild: Beat Mathys)

Warum enthält alkoholfreies Bier meistens Alkohol?

Ist es Etikettenschwindel, dass ein als «alkoholfrei» bezeichnetes Bier wie Feldschlösschen ­alkoholfrei oder Clausthaler trotzdem 0,5 Prozent Alkohol enthält? Nein. In der Verordnung des Bundes über Getränke steht, dass «alkoholfreie» Getränke bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten dürfen. Rechtlich ist ein 0,5-Prozent-Bier in der Schweiz also das Gleiche wie eines mit 0,0 Prozent. Dass viele Brauer einen Miniteil Alkohol in ihren Alkoholfreien belassen, hat aber einen anderen Grund. Sie tun es, weil Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger ist – wie beim Essen Zucker oder Fett.

Dass man von alkoholfreiem Bier betrunken werden kann, wenn man nur schnell genug Unmengen davon in sich reinschüttet, ist übrigens ein Mythos: Bis heute konnte niemand beweisen, dass jedwelche konsumierte Menge an 0,5-Prozent-Bier den Alkoholgehalt im Blut nachweisbar macht.

PS: Eine reife Banane enthält etwa 0,6 Prozent Alkohol. fs

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