Romoos hat Kohle, Romoos hat Gold

Das luzernische Napfbergland ist ein Wunder der Natur - wer bis ans Wanderziel gelangt, kann sogar die Seele des Dorfes erfassen.

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Man erlebt viel auf der Wanderung von Bramboden nach Romoos-Dorf, das Entlebuch ist eine Saft-und-Kraft-Region. Am Anfang steht eine abenteuerliche lange Busfahrt; wir stossen vom Bahnhof Hasle als motorisierte Eroberer vor ins wilde Napfbergland. Bei der Endhaltestelle «Bramboden/Kirchplatz» präsentiert sich ein vollendetes Panorama: gewellte Landschaft bis zu den Bergen am Horizont, Kuhwiesen, üppiger Wald. Aber auch abrupte Nagelfluhwände, die die Nettigkeit konterkarieren - man bleibe auf den signalisierten Pfaden!

Auf dem Köhlerweg

Bramboden mit seinem stillen Kirchlein ist ein Aussenposten von Romoos. Diese Gemeinde ist so gross wie der Kanton Basel-Stadt, ist dabei von wilden Tobeln zerklüftet und zerrissen, ist im Grunde ein einziges Verkehrshindernis. Wenn die Leute von Bramboden ins Dorf wollen, müssen sie auf einem Riesenumweg drei andere Gemeinden durchfahren.

Wanderstart. Zunächst gehen wir zehn Minuten retour. Nun zweigen wir links ab, in den steil abfallenden Hang. Und bald zeigt sich ein seltsames rundes Riesending; ist es im Betrieb, so dampft und raucht es. Dies ist ein Meiler. Romoos beherbergt die letzten aktiven Köhler der Schweiz, wir befinden uns auf dem Köhlerweg.

Besagter Meiler wird vom Bauern des Hofes Drachslis unterhalten. Ein Brennvorgang dauert zwei Wochen. Der Bauer schläft an Ort und Stelle und steht alle zwei Stunden auf, um zu kontrollieren, ob der Brand nicht einseitig vonstatten geht. Tafeln am Weg erklären alles Wissenswerte. Hier nur dies: Ein solcher Meiler gibt ein paar Tonnen Material her. Der grosse Förderer des Gewerbes ist FDP-Nationalrat Otto Ineichen, der in seinen «Otto's»-Läden die Holz- und Grillkohle von Romoos anbietet und so das Überleben des alten Handwerks sichert. Finde ich gut, Herr Ineichen!

Der Charme lebt weiter

Wir gehen weiter. Gletscher wirkten auf dieser Höhe nie. Sondern es walteten Bäche, die sich über Millionen Jahre ins Terrain sägten. Etwa der Seeblibach, den wir in seinem Schlitz queren. Anschliessend steigen wir auf zum aussichtsreichen Ober-Länggrat, steigen wieder ab ins Loch des Goldbaches und steigen wieder auf nach Schwändi. Und noch ein Wort zum Goldbach: In den Napfgewässern schwimmen Goldflitter, daher der Name. Im Ancien Régime prägte man aus 23-karätigem Napfgold die Luzerner Golddukaten.

Endlich, nach all den Duftwiesen und grünen Högern, Drohfluhen und bröckeligen Molassewänden, gelangen wir ins Dorf Romoos. Dessen Seele, Kraftzentrum, Batterie ist das «Kreuz». Das beige-gelbe Haus aus Holz ist Restaurant, Tourismuszentrum, Gemeindetreff in einem. Das Wirtsehepaar erzählt im Gespräch, dass sonntags nach dem Kirchgang die Leute hier einen trinken, Männer und Frauen an separaten Tischen.

Wir besichtigen auch die Zimmer. Herzig. Dies ist ein ehrwürdiges altes Kurhaus, dessen Charme weiterlebt. Die Räume sind einfach, rustikal. Im einen steht ein über 100-jähriges Kinderbettchen, ein anderer ist mit Goldgräberutensilien dekoriert. Weil die Betten so frisch aussehen, möchten wir am liebsten gar nicht mit dem Bus hinab nach Wolhusen. Sondern wir möchten uns hinlegen und schlafen.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2010, 15:22 Uhr

Infobox

Route: Bramboden Kirche – Drachslis – Seeblibach – Ober Länggrat – Goldbach – Schwändi – Romoos.

Dauer: vier Stunden.

Höhendifferenz: je 450 Meter auf- und abwärts.

Köhlerei: www.koehlerclub.ch

Charakter: zerklüftetes Hügelland mit sanften Högern und bösen Tobeln. Ein stetes Auf und Ab. Auflockerung durch die Tafeln zum Köhlerwesen.

Höhepunkte: Der Duft der Heuwiesen. Die einsamen Bäche. Der Kohlenmeier beim Hof Drachslis. Das «Kreuz».

Einkehr:«Kreuz» Romoos. Montag Ruhetag. www.kreuz-romoos.ch mit vielen Infos zu Romoos.

Thomas Widmers Wanderbücher auf www.thomaswidmer.ch. Neuerscheinung: «Zu Fuss. Die verschwundene Seilbahn» mit 52 Routen, Echtzeit Verlag.

Köhlerei: www.koehlerclub.ch



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