Der Altberg-Turm ist endlich offen

Die Hügelwanderung westlich der Stadt Zürich bringt viel Regen und viel Wald, doch das geschichtsträchtige Wirtshaus «Waldschenke» und der am Samstag eröffnete Turm laden zum Wiederkommen ein.

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Auch Zürich hat seine lauschigen Ecken. Grünwald ist eine. Es liegt dort, wo der Hönggerberg gegen Westen sanft ausläuft. Herrlich insbesondere der Garten der gleichnamigen Ausflugswirtschaft; und als ein Herr Lauffer das Haus 1922 erbaute, verwendete er das Abbruchmaterial des alten Bahnhofs Zürich-Wiedikon. Im «Stübli» sind die Bänke aus dem Wiediker Wartesaal erhalten.

Sommers unter den Bäumen der Grünwald-Wirtschaft weilen, so stelle ich mir Erholung vor. Als wir freilich an einem kühlen Morgen dem Bus entsteigen, regnet es heftig. Paradoxerweise habe ich mir genau deswegen Zürich-Grünwald als Startort ausgesucht – es liegt im Wald. Wir werden auf dem Weg über den Gubrist und den Altberg nach Würenlos nicht allzu nass werden, denn er verläuft zum Gutteil unter einem schirmenden Blätterdach.

Im feuchten Wald

Den Gubrist kannte ich bis dahin nur aus Radio-Verkehrsmeldungen. Unter ihm führt die Autobahn hindurch in Form zweier richtungsgetrennter Röhren. Der Abluftschacht zeugt davon, den wir in der Nähe des Picknickortes mit dem lyrischen Namen Glaubeneich kreuzen. Dann der höchste Punkt. Der Wegweiser ist – Sieg der Schwerkraft - umgekippt. Ein Weglein führt zur aussichtsreichen Kante: Unter uns dunstet und feuchtelt das Limmattal.

Wir steigen ein erstes Mal ab, allzu viel Höhendifferenz ist da jedoch nicht. Nach dem Austritt aus dem Wald schneiden wir die Strasse von Weiningen nach Regensdorf. Und wir kommen an ausgedehnten Rebhängen vorbei; dazu passt, dass in Weiningens Gemeindewappen das Winzergewerbe mit Rebmesser und Traubenbüschel schmuck vertreten ist.

Dann hat uns der nächste Wald. Wir müssen wählen zwischen zwei Varianten zum Altberg. Das Waldsträsschen ist komfortabel. Und der Gratweg ist ruppig, erlaubt aber den Blick ins Furttal zur Rechten, das übrigens noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein übler Sumpf war. Umgehend langen wir bei der «Waldschenke Altberg» an. Sie ist nur zu Fuss erreichbar - oder aber zu Pferde, wir treffen Reiter. Die Bänke im Freien triefen vor Nässe. Klamm wie wir sind, setzen wir uns drinnen. Am Selbstbedienungsschalter holen wir uns einfache Ware: Bier, Kaffee, Cervelats mit Brot. Dann lassen wir das Ambiente wirken. Wer hier einmal im Winter ein Fondue nahm, schwärmt lebenslang vom Charme der dunklen, mit Petroleumfunzeln erhellten Stube. Die «Waldschenke» ist das Wirtshaus im Spessart, in Zürichs Agglomeration versetzt.

Die kleinen Töchter

In einem Büchlein ist übrigens die lange Geschichte der «Waldschenke» zusammengefasst; dazu gehören Anekdoten wie die, dass das Ehepaar, das in den 1920er-Jahren hier oben wirtete, für den Wegbau seine kleinen Töchter vor den Wagen mit den schweren Steinen spannte. Dieser und anderer Geschichten eingedenk, steigen wir via Hüttikerberg ab nach Würenlos; wir sind nun, wo der Altberg selber noch Zürcher Terrain war, im Kanton Aargau. Immer noch regnet es.

Aber nicht das hat uns auf dem Altberg die Aussicht geraubt. Nein, auch bei gutem Wetter sieht man dort oben wenig, es hat schlicht zu viel Wald. Doch nun wurde ein 660000-Franken-Turm aus Holz und Stahl eingeweiht. 30 Meter über Boden stehend, erblickt man, was bisher verborgen blieb: den Alpenkranz von Glarus bis Bern mit dem vorgelagerten Mittelland. Altberg, ich werde wiederkommen, um dein Panorama zu geniessen! (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.07.2010, 09:16 Uhr

Zu Fuss

Route: Zürich-Grünwald – Gubrist – Altberg – Hüttikerberg – Würenlos – Würenlos, Station

Dauer: drei Stunden.

Höhendifferenz: je circa 300 Meter aufwärts und abwärts.

Charakter: in der Agglomeration und doch sehr grün. Waldreich, das Blätterdach schützt sowohl vor zuviel Sonne wie auch vor starkem Regen. Leicht.

Höhepunkte: Die schönen Rebhänge von Weiningen. Die rustikale Wirtschaft auf dem Altberg. Der Aussichtsturm auf dem Altberg, der am 10. Juli eingeweiht wird.

Einkehr unterwegs: «Waldschenke Altberg». www.waldschenke-altberg.ch. Dienstag Ruhetag.

Thomas Widmers neues Wanderbuch mit 52 Schweiz-Routen: «Zu Fuss. Die verschwundene Seilbahn». www.echtzeit.ch

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