Viel Liebe für die Dame in Schwarz

Gérard Depardieu hat nach über dreissig Jahren wieder ein Album eingesungen.

«Depardieu chante Barbara» heisst das neue Album von Skandalnudel Gérard Depardieu.

«Depardieu chante Barbara» heisst das neue Album von Skandalnudel Gérard Depardieu. Bild: zvg

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Gérard Depardieu singt? Ja, und das nicht erst seit gestern. Der 67-jährige französische Schauspieler nahm bereits 1980 ein ­Album auf («Comédien comédien»). 1986 spielte Depardieu ausserdem im Musical «Lily ­Passion» mit – an der Seite der Sängerin Monique Andrée Serf alias Barbara. Davon gibt es nur schriftliche Berichte, alle Tonaufnahmen gelten seltsamerweise als verschollen.

Jetzt singt Gérard Depardieu wieder und widmet der 1997 verstorbenen Chansonsängerin ein Album mit 14 Liedern. Barbara war eine der bemerkenswertesten Komponistinnen und Chansonsängerinnen nach Edith Piaf. Einige ihrer Lieder, darunter «L’Aigle noir» und «Göttingen», waren weit über Frankreich hinaus bekannt.

Depardieu verehrte die «Dame en noir», wie man sie wegen ihrer stets dunklen Kleidung nannte. Das sagte er oft, und das hört man auch in seiner Interpretation. Gemeinsam mit dem Pianisten Gérard Daguerre, der Barbara 17 Jahre lang musikalisch begleitete, verschaffen sie den fast vergessenen ­Liedern und ihrer Schöpferin noch einmal ein bisschen Ruhm.

Depardieu, als Schauspieler eine eher raumeinnehmende Gestalt, stellt sich als Sänger auf «Depardieu chante Barbara» ganz in den Dienst seiner alten Freundin. Sein Respekt ist in jedem Ton hörbar. Es gibt keine Experimente, die Lieder bleiben unverändert. Depardieu verschafft ihnen höchstens hier und da eine gewisse Rauheit. Aber nur, weil sie ohnehin in seiner Stimme liegt.

Doch einen markanten Unterschied gibt es: Dieses Mäandern zwischen Schwermut und Leichtigkeit, zwischen Melancholie und Süffisanz, das Barbara perfekt beherrschte, fehlt bei Depardieu. Bei ihm klingt Schwermut einfach nach Schwermut und Heiterkeit einfach nach Heiterkeit. So ist diese Hommage zwar durchaus gelungen, weil immer Barbara im Mittelpunkt steht. Aber gleichzeitig ist sie gescheitert, weil immer etwas fehlt.

Aber zum Glück sind die Ori­ginalaufnahmen ja nicht verschollen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2017, 08:34 Uhr

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