Ritschi: Weniger Haar, mehr Tiefgang

Der mittlerweile 37-jährige Mundart­sänger präsentiert mit «Ritschi» sein drittes Soloalbum. Die Texte besitzen mehr Tiefgang, was den Songs des Ex-Plüsch-Frontmanns gut bekommt.

Mit neuer Brille: Ritschi wagt musikalisch mehr und geht tiefer in den Texten. Das steht dem früheren Plüsch-Frontmann gut. Es gibt aber auch leichte Kost auf dem Album zu hören – und auch die Balladen fehlen nicht.

Mit neuer Brille: Ritschi wagt musikalisch mehr und geht tiefer in den Texten. Das steht dem früheren Plüsch-Frontmann gut. Es gibt aber auch leichte Kost auf dem Album zu hören – und auch die Balladen fehlen nicht. Bild: zvg

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Sein Lieblingsfach war Werken, er spielt gern «Super Mario 3», und das Rind scheint ein wichtiges Tier in seinem Leben zu sein: Wir haben Ritschi, Berner Sänger und Ex-Frontmann von Plüsch, unser Freundebuch gereicht. Während er es ausgefüllt hat, haben wir in sein drittes Soloalbum «Ritschi» reingehört, das heute Freitag erscheint.

Ritschi hat sich im Freundebuch verewigt (Klicken zum Vergrössern).

Haare kürzer, Brille markanter

«I hätt nie dänkt / dass mir das glingt / u jetzt es witers Album klingt», singt Ritschi im Einstiegssong. Und weiter: «I hätt nie dänkt / dass geng no Lüt da usse sy / wo öppis übrig hei für mi / und ruhelos uf Musig warte». Drei Jahre ist es her, dass er sein letztes Album «Öpfelboum u Palme» veröffentlichte. Die Haare sind jetzt kürzer und weniger, eine neue Brille musste her. Und es scheinen – will man die Textzeilen wörtlich nehmen – keine einfachen drei Jahre für den 37-jährigen Berner Oberländer gewesen zu sein.

Selbstzweifel und Sinnkrisen

Selbstzweifel klingen im Song «I bi wider da» an, in anderen eine kleine Sinnkrise, die einen Ende dreissig mal erwischen kann: Man hält ein erstes Mal inne, hat vielleicht Schicksalsschläge erlebt, Trennungen, Abschiede und Krankheiten durchgestanden und lernt zu schätzen, was vorher selbstverständlich war.

«I ha viu z lang bruucht zum Verstah / eigen­lech geits mer eifach sou guet / mängisch vil z guet», singt Andreas Ritschard alias Ritschi in «Sou guet». In «Ds letschte Stündli» besingt er gar Todesängste. «Isches das gsi / oder ischs nur e Phobie vo mir» und später: «I bi no nid parat, dass mys letschte Stündli schlaat». Der Song endet Rischti-untypisch in einem dramatischen Schreigesang, begleitet von schweren Beats, Streichern und einer heulenden Gitarre.

Sommer und Achtzigerjahre

Müssen wir uns Sorgen machen? Gemach, es gibt auch leichte Kost auf dem Album. Lebensfrohe, tanzbare Songs. «E guete Tag» zum Beispiel macht Lust auf Sommer, «Leine los» kommt luftig-leicht im Achtzigerjahregewand daher, und «Wider L.A.» klingt ein bisschen wie zu Plüsch-Zeiten.

Natürlich fehlen auch die Balladen nicht. Süsslich Abschied voneinander nehmen Ritschi und Gastsängerin Jaël in «Fähle wirsch mehr glich». Ritschi hat seine Komfortzone ein wenig verlassen, wagt musikalisch mehr und geht tiefer in den Texten. Das steht ihm gut.

Ritschi: «Ritschi», Phonag Records. Live: 29. April, Mühle Hunziken, Rubigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.02.2017, 12:51 Uhr

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