«Mamma mia! Äs geit scho wider los»

Das Musical «Mamma Mia!» begeistert das Premieren­publikum mit knalligen Kostümen, witzigen Einlagen und natürlich mit unzähligen hinreissenden Abba-Hits.

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Kann das funktionieren? Das fragten sich viele vor der Premiere des Musicals «Mamma Mia!» auf der Thuner Seebühne. Vor allem zwei Umstände gaben zu denken. Erstens, dass die Dar­steller die Abba-Songs auf Berndeutsch singen und damit für unfreiwillige Komik sorgen könnten.

Zweitens, dass der Film «Mamma Mia!» mit der begnadeten Schauspielerin Meryl Streep in der Hauptrolle vielen so lieb und vertraut ist, dass daneben ­jede andere Aufführung zu enttäuschen droht.

Um die Antwort vorwegzu­nehmen: Ja, es funktioniert. Und zwar grossartig. Das Berndeutsche wirkt sofort völlig natürlich. Das ist vor allem der Übersetzungsleistung von Roman Riklin zu verdanken. Der St. Galler Autor und Komponist hat die Lieder aus dem Englischen ins Berndeutsche über­tragen und es dabei geschafft, den Texten eine ganz neue Dringlichkeit zu verleihen. Im titel­gebenden Song, um nur ein Beispiel zu nennen, heisst es nun: «Mamma Mia! / Äs geit scho wider los / Wie söü i mi de wehre?» und weiter: «Du hesch mir so viu versproche / Und mir de doch ds Härz broche».

Die Liedzeilen erfüllen so genau jenen Zweck, den die Originalautoren des Musicals sich gewünscht hatten und weswegen sie darauf bestehen, dass sie in die jeweilige Landessprache übersetzt werden: Die Songs sind integraler Bestandteil der Handlung.

Eigenständige Interpretation

Aber auch die Adaption der Geschichte überzeugt. Das liegt daran, dass Regisseur Dominik Flaschka es nicht darauf anlegt, möglichst genau den Film zu kopieren. Stattdessen setzen er und der ausführende Produzent Markus Dinhobl auf viele schweizerische Einsprengsel.

So kommen beispielsweise die drei männlichen Hauptdarsteller gemäss Drehbuch aus Zürich, St. Gallen und Graubünden. Die Inszenierung spielt mit ihren unterschiedlichen Dialekten, was das Gezeigte besonders authentisch erscheinen lässt.

Die drei Schweizer besuchen eine griechische Insel. Dort lebt Donna (Monica Quinter) mit ihrer Tochter Sophie (Judith von Orelli). Diese will ihren Freund Sky (Angelo Canonico) heiraten. Weil sie von einer romantischen Hochzeit träumt, möchte sie, dass ihr Vater sie zum Traualter führt. Doch wer ist ihr Vater? Weil Sophie das Tagebuch ihrer Mutter gelesen hat, weiss sie, dass dafür drei Männer infrage kommen. Also lädt sie alle heimlich ein. Als die drei zusammen auf der Insel eintreffen, fangen die Turbulenzen an.

So nahe am Wasser wie selten

Zu Beginn nimmt die Handlung nur langsam an Fahrt auf. Doch je länger das Musical dauert, desto mehr geht es Schlag auf Schlag: Ein Abba-Hit jagt den nächsten. Das Publikum an der Premiere liess sich mitreissen und begann, begeistert den Rhythmus der Lieder mitzuklatschen. Herausragend sind vor allem Monica Quinter als Donna und Judith von Orelli als Sophie.

Begleitet werden die Darsteller von einer Band unter der Leitung von Iwan Wassilevski. Dieses Jahr spielt ausnahmsweise kein Orchester. Weil es deshalb auch keinen Orchestergraben braucht, stehen Bühne und Tribüne so nahe am Wasser wie noch kaum in der Geschichte der Thunerseespiele. Die Musiker befinden sich im obersten der Schiffscontainer, die links von der Hauptbühne auf einer künstlichen Insel aufgestapelt sind (Bühnenbild: Stephan Prattes).

In den aus Holz nach­gebildeten Containern befinden sich zudem die Garderoben, wo sich die Schauspieler, Tänzer und Sänger zwischen den Auftritten umziehen. Auf der Insel rechts ist eine Bar aufgebaut. Neben der Haupthandlung rund um Donnas Taverne auf der grossen Bühne gibt es auch hier immer wieder einzelne Darbietungen zu sehen.

Viele Witze unter Gürtellinie

Fast stets ideal abgestimmt und vor allem mutig sind die Kostüme (Kostümbild: Kathrin Baumberger). Wenn Dragqueens zu «Dancing Queen» über die Bühne stolzieren, sind sie schrill, wenn Sophie von einer Gespensterhochzeit träumt, schön gruslig, dann wieder so blumig, dass man sich nicht sicher ist, ob das Stück tatsächlich 2018 spielt oder nicht eher in der Abba-Zeit der 1970er.

Zum Charme des Musicals tragen vor allem auch die Slapstickelemente bei. Okay, man kann sich fragen, ob wirklich so viele Witze unter der Gürtellinie notwendig sind. Hingegen vermittelt das Bühnenbild griechisches Ferienambiente. Da passt die eine oder andere lockere Zote durchaus. Noch lustiger sind allerdings die witzigen Situationen, die sich aus der Handlung ergeben.

Dafür zuständig sind die beiden besten Freundinnen von Donna. Die Bernerin Patricia Hodell spielt als Tanja die Rolle der desillu­sionierten Femme fatale perfekt, und die Zürcherin Gigi Moto bringt als mannstolle Rosi das gesamte Publikum zum Lachen.

Thunerseespiele: bis 23. 8., Zusatzvorstellungen 29. und 30.8. www.thunerseespiele.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 22:41 Uhr

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