«Ich möchte die Musik nicht vortragen»

Mit ihrer Konzertreihe «Musik im Rausch» bringt die Schweizer Violinistin Deborah Marchetti Klassik an ungewöhnliche Orte – am Freitag spielt sie im Naturhistorischen Museum Bern.

Deborah Marchetti spielte auch schon in Autogaragen.

Deborah Marchetti spielte auch schon in Autogaragen. Bild: Laura Anahi / PD

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Frau Marchetti, welcher ist der ungewöhnlichste Ort, an dem Sie je gespielt haben?
Deborah Marchetti: Ein Krematorium. Wir spielten ein Programm, in dem es um Geister geht. Das war speziell, man hat richtig gefühlt, dass jeder Ort lebt und beseelt ist von Themen. Man muss sie nur aufgreifen. Auch das Konzert in einer Autogarage war ungewöhnlich. Wir spielten in der Werkstatt, wo ein paar Stunden zuvor noch gearbeitet wurde. Die Reifen, das ganze Werkzeug, die Gerüche... alles fliesst in das Konzerterlebnis ein.

Was macht ein solcher Ort mit der Musik?
Viel! Es beginnt bereits, wenn wir den Ort zum ersten Mal betreten. Da achte ich sehr darauf, wie dieser Raum auf mich wirkt, und sofort habe ich Ideen, welche Musik hierhinpassen würde. Man muss die Konzertsituation von Grund auf neu denken und Konventionen ablegen. Das Programm entsteht mit dem Raum zusammen und wird ihm nicht einfach übergestülpt, wie das oft in Konzert­sälen der Fall ist.

Klassische Konzertsäle sind für viele Leute eine Hemmschwelle.
Leute erzählen mir oft, dass sie klassische Musik eigentlich möchten, aber die grossen Konzertsäle sie abschreckten. Weil es da steif zu- und hergehe, man sich chic anziehen müsse und es peinlich sei, wenn man an der falschen Stelle klatsche. Auch als Musikerin fühle ich in solchen Räumen oft eine Distanz zum Publikum, die ich mit der Konzertreihe verringern will. Ich möchte die Musik gemeinsam mit den Leuten erleben und sie nicht vortragen.

«Musik im Rausch» gibt es seit fünf Jahren. Kommen tatsächlich andere Leute an Ihre Konzerte?
Ja, das Publikum ist viel ge­mischter. Es kommen auch Leute, die sonst nie an klassische Konzerte gehen. Und auffallend viele Jugendliche sind dabei.

Am Freitag spielen Sie erstmals in Bern, im Naturhistorischen Museum. Welche Musik passt zu toten Tieren?
Wir spielen im Skelettsaal, unter den Knochen eines 23 Meter langen Finnwals. Zudem läuft ja dort gerade eine Ausstellung zum Thema Weltuntergang. Die Frage «Wo geht man hin, wenn man nicht mehr ist?» schwirrt bereits im Raum. Deshalb spielen wir neben Béla Bartók und Giuseppe Tartini den Zyklus «Del diablo y del angel» von Astor Piazzolla.

Gibt es weitere Orte in Bern, die Sie reizen?
Oh, ich kenne mich in Bern nicht so gut aus. Haben Sie eine Idee?

In der Bahnhofhalle beim Treffpunkt vielleicht?
Das wäre auf jeden Fall eine Her­ausforderung!

Konzert:Freitag, 19. 1., 20.30 Uhr, Naturhistorisches Museum Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.01.2018, 13:48 Uhr

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