«Ich war selbst kein Rebell»

Am Solothurner Filmfestival war auch der Berner Filmer Adrian Winkler mit der Doku «Tino - Frozen Angel» präsent. Der 39-jährige Heimberger über Rebellentum, Töfflifahrten und sein Glück in Bolivien.

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Adrian Winkler, in Ihrem Film «Tino - Frozen Angel» geht es um den ersten Präsidenten der Hell Angels Schweiz. Was fasziniert Sie an seiner Geschichte?
Mich interessieren Jugendbewegungen generell und ich habe zuvor einen Film über die Halbstarken-Bewegung gemacht. Da habe ich zum ersten Mal von Tino gehört und bereits erstes Bildmaterial für den Film gemacht.

Was war so besonders an Tino?
Er war für die Halbstarken und für viele sogenannte 68er eine Symbolfigur. Alle, die selbst zuwenig Mut hatten, haben ihre Wünsche nach Freiheit und Selbstbestimmung in ihn hineinprojiziert. Er war es dann, der für sie die engen Grenzen der damaligen Gesellschaft gesprengt hat. Und dafür in gewisser Weise mit seinem Leben bezahlt hat.

Die Halbstarken-Bewegung war in den 60ern aktuell. Sehen Sie auch in der heutigen Jugendkultur Potenzial?
Selbstverständlich. Jugendliche haben ein feines Sensorium für Missstände und drücken dies oft auf sehr kreative Weise aus. Über Kleidung, Musik oder Sprache grenzen sie sich ab und entwickeln ihre «eigene» Welt. Zur Zeit der Halbstarken war die Gesellschaft noch sehr restriktiv und man wurde schnell ausgegrenzt. War man aber am Rande der Gesellschaft, war man gewissermassen vogelfrei. Heute dagegen ist alles vordergründig liberal, aber der Konformitätsdruck ist für Jugendliche, wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen, vielleicht sogar noch höher als damals.

Trotz kleinem Budget sind Sie für den Film nach Bolivien gereist, wo Tino 1981 gestorben ist. Was haben Sie dort gesucht?
Wir waren für drei Wochen auf den Spuren von Tino und hatten Glück. Wir wussten nicht einmal, ob es das Dorf Tutilimundi (Anm. der Red.: der Ort, wo Tino starb) noch gibt. Wir fanden es, tief im Dschungel. Wir reisten mit dem Boot dorthin, da es nicht einmal eine Strasse gab. Den Bewohnern zeigten wir Fotos und sie erinnerten sich sofort an Tino und willigten für Interviews ein.

Auch das Gefängnis in der Hauptstadt La Paz spielte in Tinos Leben eine Rolle. Wie haben Sie sich da eingeschleust?
Gar nicht. Wir waren ja eigentlich als Touristen im Land und hatten deshalb keine offizielle Drehbewilligung. Dann hatte ich plötzlich Angst, dass wir das gedrehte Material plötzlich abgeben müssen. So haben wir einem Filmschaffenden Bildmaterial abgekauft, der einen Dokfilm über das Gefängnis gedreht hat.

Wie sind Sie zum Film gekommen?
Nach meinem Journalismusstudium war ich Videojournalist bei Telebärn und Tele Züri, wo ich noch heute arbeite. Daneben habe ich immer auch Filme gedreht.

Waren Sie denn selbst ein rebellischer Jugendlicher?
Überhaupt nicht. Ich hab weder Zigaretten geraucht noch Drogen konsumiert. Natürlich war ich nicht mit allem einverstanden. Doch ich musste nie rebellieren, weil ich diesen Dingen aus dem Weg gehen konnte.

Teilen Sie die Liebe zu Motorrädern, die beispielsweise die Hells Angels hegen?
Ich habe nichts mit Motorrädern am Hut, im Gegenteil: Ich bin überzeugter Velo- und Zugfahrer. Ich erinnere mich aber daran, wie ich einmal ein Töffli ausgeliehen habe und natürlich (lacht) prompt umgefallen bin. Damit endete meine Rockerkarriere. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.01.2014, 16:57 Uhr

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«Tino, frozen Angel»

7. Februar, ab 20.00 Uhr im Kino Kunstmuseum. Inklusive Konzert mit der Berner Band Roy and the Devils (Filmmusik).
Ab 13. Februar läuft der Film im Kellerkino.

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