Tränen in der alten Heimat

In der neuen SRF-Realitysoap «Meine fremde Heimat» erkunden Schweizer mit Migrationshintergrund ihr Herkunftsland. Das ist recht emotional. Aber es gibt ein Problem.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Und dann wieder Tränen. Filomena Plüss steht auf der langen Brücke, die auf die Ilha de Moçambique führt. Es ist eine Insel, die sie als Kind oft besucht hat. Sie könne nicht beschrieben, was das alles in ihr mache, sagt sie.

Geweint hat Filomena viel in den letzten Tagen. Die 56-Jährige ist in ihre alte Heimat gereist, nach Moçambique. Vor vierzig Jahren ist sie aus dem südostafrikanischen Land geflohen, aus wirtschaftlichen Gründen, wie sie sagt. Über Portugal hat es sie in die Schweiz verschlagen. In Davos hat sie einen Schweizer geheiratet, einen Sohn bekommen. Sie führt ein glückliches Leben.

Im Meer

Und jetzt, eben, besucht sie zum ersten Mal seit ihrer Flucht wieder ihre Heimat. Sie tut das mit Sohn Renato (24) – und einem Fernsehteam. «Meine fremde Heimat» heisst das neue sechsteilige SRF-Format, dessen erste Protagonistin Filomena ist.

Es ist eine Dokusoap, die Schweizer mit Migrationshintergrund auf einer Reise zu ihnen selbst begleitet. Es geht nach Afrika, Südamerika, Armenien, Finnland, Laos, Kosovo. SRF will damit zeigen, was Filomena in der ersten Folge zweimal sagt: «Nur wer seine Wurzeln kennt, kann sein Leben bauen.»

Und so ist Filomena gleich nach ihrer Ankunft ans Meer gefahren. Indischer Ozean. Baden. Die Arme streckt sie gegen den Himmel. «So schön», schluchzt sie, «das Meer, die Sonne, die Wärme, die Wolken». Alles nehme sie da rein, sagt sie. Dann schliesst sie die Arme und legt die Hände auf die Brust, dorthin, wo das Herz schlägt.

Im Kinderheim

Tränen gibt es auch in der zweiten Folge. Die 28-jährige Alina Juanita Kunz reist nach Kolumbien und trifft dort jene Amme, die sie als Säugling im Kinderheim gestillt hatte. Ihre Mutter hatte das Mädchen gleich nach der Geburt alleingelassen, ein Paar aus Nidwalden adoptierte es. Jetzt macht sich Alina auf die Suche nach ihren Wurzeln.

Das alles ist recht emotional und damit wie gemacht für eine Realitysoap. Ein Problem aber gibt es: Weil die Protagonisten der Sendung in ihren Herkunftsländern nur wenige Menschen treffen, zu denen sie einen echten Bezug haben, der Rest der Sendezeit aber wie eine beliebige Reisereportage daherkommt, hat man als Zuschauer Mühe, eine Bindung zu Filomena und Co. aufzubauen. Da helfen auch viele Tränen wenig.

«Meine fremde Heimat»: ab Fr, 17. Februar, 21 Uhr, SRF 1. In der Folge am 24. März begleitet SRF Protagonisten aus Ittigen nach Laos. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.02.2017, 18:40 Uhr

Artikel zum Thema

Berner TV-Auswanderer haben ­wieder das Reissen

Vor fünf Jahren wanderten Tobias Bayer und Michael Paris nach Fuerte­ventura aus. Das Paar scheiterte und kehrte in die Schweiz zurück. Jetzt versuchen es die beiden nochmals. Die TV-Sendung «Auf und davon» ­begleitet sie dabei. Mehr...

Der Schweizer Käser, der die USA erobert hat

In sechzig Jahren ist Rothenbühler Cheese zu einer der blühendsten Grosskäsereien der USA geworden. Ein Auswanderer aus dem Kanton Bern hatte die Firma im US-Bundesstaat Ohio gegründet. Mehr...

Der publikumswirksame Traum vom Auswandern

«Auf und davon» erreicht gleich viele Zuschauer wie ein Fussball-WM-Halbfinal, «Goodbye Deutschland» ist ein Dauerbrenner. Und gerade startet eine neue SRF-Reihe über Schweizer in New York. Auswanderer-Dokusoaps spielen mit unser aller Träume. Mehr...

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Mamablog Crashkurs für Eltern

Politblog Arnold Koller und der Zuchtziegenbock

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...