Tatort: Ciao Mario, grazie per tutto!

Jürg Mosimann, ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei Bern, meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort.

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Mamma mia, Mario, fantastico! Dir zu Ehren trug die Folge von letztem Sonntag deinen Namen – «Kopper». Mit gutem Grund. Nach 57 Folgen in über zwanzig Jahren gingen für dich (Andreas Hoppe) nach 90 Minuten beim «Tatort» die Lichter aus. Vorerst liess Drehbuchautor Patrick Brunken bei dir aber noch sämtliche Sicherungen durchbrennen. Du hast in einer Bar einen Mann erschossen, der es auf deinen eins­tigen Jugendfreund und aktiven Mafioso Sandro Giangreco (Michele Cuciuffo) abgesehen hatte. Hat dir dein italienisches Tem­perament dabei einen Streich gespielt? Warum hast du nicht auf deine Kollegin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) gewartet? Stattdessen bist du untergetaucht.

Die Ermittlungen im Umfeld der Mafia hast du der Odenthal und eurer jungen Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) überlassen. Das war nicht molto bene – das war schon eher stupido. Getrieben von deinem schlechten Gewissen, hast du dich deshalb einem Beichtvater anvertraut. Geholfen hat dir auch Regisseur Roland Suso Richter, indem er dich mit deiner Rolle in längst fälliger Manier aus dem Schatten von Kollegin Odenthal geholt und verdientermassen ins Zentrum der Handlung gerückt hat. Eine Handlung, in welche ein Spaghetti kochender, liebenswürdiger Bursche, der gern ein Glas Roten trinkt und Grappa kredenzt, allerdings nicht gepasst hätte.

Kopper, du hast mir echt leidgetan. Du bist in einen gewaltigen Loyalitätskonflikt zwischen Kommissarin Odenthal, deinem Jugendfreund und deiner grossen Liebe auf Sizilien geraten. Auch sie war nämlich ins Visier der Mafia geraten – dank deinem Amico Sandro. Und zu allem Übel bekam auch noch dein geliebter Fiat 130 ein paar Beulen ab. Immerhin haben dir die ­«Tatort»-Verantwortlichen den Heldentod erspart. Dafür haben wir dich am Schluss lächelnd am Meeresstrand gesehen. An deiner Stelle hätte es mich dort auch nicht mehr interessiert, wer wen in der Bar erschossen hat und wer in den Knast gewandert ist – oder auch nicht. Ciao Mario, grazie per tutto. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.01.2018, 10:20 Uhr

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