Das Leben der Hiesigen

SRF macht einen auf Reality-TV – aber auf die seriöse Tour. Die neue «Dok»-Serie «Wir sind die Schweiz» begleitet zwanzig Menschen einen Tag lang durch ihren Alltag. Einer von ihnen ist die Tierärztin Tatiana Lentze aus Bern.

Alltag einer Tierärztin: Tatiana Lentze (44) untersucht in ihrer Praxis in Bern ein Meerschweinchen.

Alltag einer Tierärztin: Tatiana Lentze (44) untersucht in ihrer Praxis in Bern ein Meerschweinchen. Bild: SRF

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Als gute Patriotin oder stolze Schweizerin könne man sie nicht bezeichnen, sagt Tatiana Lentze. Aber die Sauberkeit in ihrer Heimat, die schätze sie. «Es stört mich ungemein, wenn überall Zeug rumliegt.»

Lentze ist mit dem Auto auf dem Weg ins Tierheim, als sie vor der Kamera ins Sinnieren kommt. Einmal pro Woche arbeitet sie dort einen halben Tag. Sie übernimmt den ärztlichen Dienst, kümmert sich um herrenlose Tiere.

Lentze ist 44 Jahre alt. Sie lebt in Bern, führt eine Tierarztpraxis und bildet bei der Freiwilligenorganisation Redog Rettungshunde aus. Zwei Hunde aus dem Tierheim hat sie bei sich ­aufgenommen. «Tiere», sagt sie, «werden heutzutage angeschafft wie ein Velo.»

Viel Privates

Tatiana Lentze ist eine von zwanzig Frauen und Männern, die SRF diesen Sommer in der «Dok»-Serie «Wir sind die Schweiz» por­trätiert. Für die fünf Folgen haben die Fernsehmacher letzten Sommer ganz normale Menschen einen Tag lang durch ihren Alltag begleitet – von dem Moment an, in dem sie zu den unterschiedlichsten Zeiten aufstehen, bis sie zu ebenso unterschiedlichen Zeiten die Augen wieder schliessen.

Die Protagonisten wurden von SRF direkt angefragt, es gab keinen Castingaufruf oder dergleichen. Sie sind jung, alt, Schweizer, Ausländer, vom Land und aus der Stadt; sie sind so vielfältig wie das Land.

Der tamilische Wirt vom Sternen in Schwarzenburg wird begleitet, eine Basler Polizistin, ein Müllmann aus der Innerschweiz, ein Hausarzt aus Obwalden. Eine Hebamme, ein Biobauer, eine Lokführerin, ein Schafhirte. Und, und, und.

Erstaunlich ist, wie viel Privates die Protagonisten preisgeben. Sie erzählen von ihren Ehepro­blemen; vom Stress in der Kindererziehung oder vom speziellen Moment, im Dienst eine Schusswaffe ziehen zu müssen. Auch Tatiana Lentze spricht in der Sendung von morgen Mittwoch sehr offen über sich.

Sie lebe nicht gerne allein, sagt die Bernerin. Sie habe aber kein Talent für Beziehungen. Und so sei sie jetzt halt viel mit ihren Hunden unterwegs.

Viel Hoffnung

Das alles klingt ein bisschen nach Reality-TV-Trash, ja. «Wir sind die Schweiz» ist aber eine gelungene Momentaufnahme des Lebens der Hiesigen geworden. Das grosse Plus der Reihe ist, dass die Aussagen der Protagonisten in ­aller Regel unkommentiert bleiben.

Hämische Sprüche aus dem Off gibt es nicht, die Menschen sprechen, wie sie sprechen, und sie sprechen für sich. So entsteht trotz zwischenzeitlicher Längen ein schöner, durchaus hoffnungsvoller Blick auf die Schweiz – oder wie SRF es ausdrückt: «Ein Panoptikum der modernen Gesellschaft, deren Reiz in der Unterschiedlichkeit liegt.»

Dass sich nach der Ausstrahlung Mister Perfect bei ihr melde, glaubt Tatiana Lentze übrigens nicht, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. Aber man wisse ja nie.

«Wir sind die Schweiz» ab morgen Mittwoch, 20.05 Uhr, SRF1. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2016, 13:30 Uhr

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