«Papa ist Chef Fernbedienung»

Früher war es normal, als Familie gemeinsam fernzusehen. Wie ist das heute, in Zeiten von Internet und zeitversetztem TV? Welche Regeln stellen Eltern auf? Und wer hat eigentlich die Kontrolle? Familie Sager aus Biel gibt Auskunft.

«Zusammen fernsehen ist etwas Wunderbares»: Patrik, Elia, Ursula und Anne Sager (von links) machen sichs auf dem Sofa gemütlich, Hund Fellini döst am Boden.

«Zusammen fernsehen ist etwas Wunderbares»: Patrik, Elia, Ursula und Anne Sager (von links) machen sichs auf dem Sofa gemütlich, Hund Fellini döst am Boden. Bild: Enrique Munoz Garcia

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Sieht gemütlich aus, wie ihr so zusammen vor dem Fernseher sitzt. Kommt das oft vor?
Ursula (45): Nein. Es ist selten, dass wir Eltern mit den Kindern gemeinsam fernsehen. Am Wochenende gibt es das manchmal.

Was schaut ihr dann?
Ursula: Diese Freitagssachen, «Uf u dervo», die Familienserien.
Patrik (44): «SRF bi de Lüt», genau. Elia (13): Und eine Zeit lang «Desperate Housewives».

Wer ist Chef Fernbedienung?
Elia: Papa...
Patrik: ...sicher nicht!
Anne (13): Doch, doch, Papa!

Und wenn Werbung kommt, zappt der Chef?
Patrik: Ja, dann zappe ich. Oder ich schalte auf stumm.
Elia: Oder du stellst ab und sagst uns, wir müssen das Pyjama anziehen oder die Zähne putzen.
Patrik: Ja. Aber man muss sagen, dass wir wenig mit Werbung konfrontiert sind. Wir schauen Sender, die keine Werbeunterbrechungen haben oder einen Film, den wir via Apple-TV mieten.

Kommt es vor, dass alle auf dem Sofa schreien: «Papa, schalt mal um, es ist langweilig!»
Patrik: Natürlich nicht.
Elia, Anne, Ursula: Doch!

Oft?
Elia: Ja. Echten Streit gibt es aber nicht.
Patrik: Also, meistens schaue ich ja auch nicht nur Mist!
Ursula: Konflikte gibt es schon. Anne und ich mögen diese Ober-Action-Filme jetzt nicht so wie die Männer.
Patrik: Hallo, Ober-Action-Filme? Das ist ausgewähltes Aktionskino!
Ursula: Da haben wir innerhalb der Familie schon eine Mann-Frau-Front. Manchmal verziehen sich die Frauen, wenn «Hulk» oder ähnliches läuft.

Wie viele TV-Geräte habt ihr?
Ursula: Zwei.

Eines im Wohnzimmer und eines im Schlafzimmer?
Ursula: Ja, aber das darf man dann nicht schreiben. Sagen wir, das zweite ist im Relaxbereich.

Welches sind eure Lieblingssendungen?
Anne: «Galileo».
Elia: Ja, «Galileo».
Ursula: «Uf u dervo», das hat mir sehr gefallen.
Patrik: Ich schaue vor allem Filme.
Elia: Früher hast du immer «Star Trek» geschaut.
Patrik: Ja, das gebe ich zu. Und «Big Bang Theory» oder «Two and a Half Men» schaue ich auch gern. Aber solches Zeug gucke ich alleine. Mit den Kindern schauen wir Familienserien oder eben Spielfilme, die wir mieten.

Wie ist bei euch das Verhältnis zwischen klassischem TV-Konsum und Filmen, die ihr via Pay-TV mietet?
Patrik: Ungefähr halb-halb. Von der reinen Zeit her sind wir wahrscheinlich etwas mehr on-demand unterwegs, weil die Spielfilme länger dauern als die Sendungen, die wir im regulären TV schauen.
Ursula: Das stimmt. Aber du und ich, Patrik, wir schauen ja auch noch «10 vor 10», die «Rundschau» und die «Tagesschau».

Schaut ihr diese Sendungen nie zeitversetzt übers Internet?
Ursula: Nein, da halten wir uns ans Programm. Zumal wir noch keine Replay-Funktion haben.

Wie ist das bei euch mit Internet-TV, Elia und Anne?
Elia: Das nutzen wir schon. Als wir zum Beispiel «The Voice of Switzerland» am Abend nicht fertig schauen durften, schauten wir uns den Rest am nächsten Morgen an.
Anne: Oder «Germany’s Next Topmodel»!

Wie viele Sender habt ihr?
Patrik: Etwa 100. Aber al-Jazeera schauen wir jetzt weniger. Ich denke, wir brauchen etwa 20.

Schaut ihr öfter Sendungen, die ihr gezielt im TV-Programm auswählt, oder sitzt ihr öfter vor dem TV und zappt rum? Elia: Schon nach Programm, würde ich sagen. Und wenn wir zappen, schauen wir, oder sagen wir Papa, zwischendurch ins Programm (alle lachen)...

Und wenn ihr Kinder alleine zu Hause seid?
Anne: Dann schauen wir meistens einen Film.
Ursula: Und wenn die Kinder krank sind, dürfen sie zappen.

Gibt es Sendungen, die ihr alle doof findet?
Anne: Wenn wir in den Ferien sind, hat es meistens nur einen deutschen Sender, RTL. Dort läuft «Familien im Brennpunkt». Das ist so doof (alle nicken).
Ursula: Da sind wir uns einig, dieses Scripted-Reality-Zeugs, das ist einfach nur daneben.

Gibt es Sendungen, die ihr als Eltern den Kindern verbietet?
Ursula: Eben genau diese Scripted-Reality-Soaps. Ich möchte nicht, dass meine Kinder so etwas schauen.
Patrik: Sonst orientieren wir uns stark an der Altersbeschränkung, gerade bei Filmen.

Nervt das, Elia?
Elia: Ja, schon. Andererseits: Ich habe einen Freund, der immer alles schauen darf. Der kann sich gar nicht mehr darauf freuen, älter zu werden. Auch nicht cool.

Isst die Familie Sager vor dem Fernseher?
Ursula: Selten kommt das vor, ja.
Elia: Dann machen wir meistens Hamburger.

Döst ihr auch manchmal weg beim Fernsehschauen?
Patrik: Hm.
Ursula: Doch, doch.
Patrik: Bei Nachrichten schlafe ich manchmal ein. Aber wenn ich einen Film schaue und merke, ich döse ein, schalte ich ab.
Ursula: Ich liebe es, wenn du «Schlag den Raab» schaust. Da kann ich herrlich schlafen.

Wie viele Stunden pro Woche sitzt ihr vor dem TV? Ursula: Im Schnitt schauen die Kinder etwa eine Stunde pro Tag fern.
Patrik: Bei mir ist das wohl etwas mehr. Ich liebe Fernsehen, da stehe ich dazu.

Habt ihr Eltern den Fernseher auch schon als Babysitter für die Kinder missbraucht?
Patrik: Zum Hüten haben wir den TV sehr selten gebraucht.
Ursula: Ausser am Sonntagmorgen. Dann ist es schön, wenn die Eltern schlafen oder noch einen Kaffee trinken können.

Müssen sich die Kinder an TV-Regeln halten? Patrik: Die brauchen wir nicht, weil wir das Gefühl haben, dass unsere Kinder einen guten Umgang mit dem Fernsehen haben. Wir haben andere Probleme.

iPad, iPod, Internet?
Ursula: Genau. Internet ist bei uns limitiert. Unsere Kinder dürfen fünfmal pro Woche eine halbe Stunde surfen.

Ist das nicht viel zu wenig, Elia und Anne?
Elia: Es kommt drauf an. Wenn man gerade daran ist und dann abstellen muss, ist es viel zu wenig. Aber wenn schönes Wetter ist, braucht man kein Internet.
Patrik: Das tönt jetzt sehr schön. Wir haben aber schon Kämpfe. Das geht so weit, dass wir den Kindern die Geräte aus den Händen reissen. Den Fernsehkonsum haben wir im Griff, bei den anderen Dingen arbeiten wir hart.

Was denkt ihr, wie wird das Fernsehen der Zukunft?
Elia: Es wird wohl riesige Fernseher mit riesigen Touchscreens geben – und vielleicht spezifische Modelle für Buben und Mädchen.
Patrik: Es wird sicher individueller, ja. Die Geräte sind auf den Nutzer zugeschnitten, die Programme kann man sich massgeschneidert aufs Gerät laden. Vielleicht ist die Zeit des Familienfernsehens abgelaufen. Das wäre traurig. Zusammen fernsehen ist doch etwas Wunderbares. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2013, 11:50 Uhr

Familie Sager

Fernsehen ist im Leben der Familie Sager aus Biel jeden Tag Thema. Vater Patrik (44), Schulinspektor von Beruf, bezeichnet sich als «Fernsehkind». Er habe schon immer oft und gern ferngesehen. Sohn Elia (13) ist gar selbst ein kleiner TV-Star: In der «Tatort»-Folge «Nachtkrapp» spielte der Sechstklässler 2012 den Zimmergenossen eines ermordeten Jungen (wir berichteten). Auch Mutter Ursula (45), Elias Zwillingsschwester Anne (13) und die älteste Tochter Leona (20, sie war beim Gespräch nicht dabei) sitzen gerne vor dem TV, wenn auch nicht ganz so oft wie Vater Patrik.

Patrik Sager sagt, als Familie fernzusehen, sei etwas Schönes. Und doch führt genau das auch mal zu Konflikten. «Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum meine Frau immer zu spät kommt, wenn ein Film anfängt», sagt Patrik Sager. «Und dann will sie auch noch wissen, was sie verpasst hat!»

Fernsehen in der Familie

Fernsehen bleibt auch in Zukunft ein «soziales Medium, das entlastet und strukturiert». So das Fazit einer Publisuisse-Studie über die «Medien der Zukunft 2017». 59 Prozent der Befragten zwischen 15 und 39 Jahren stimmten der Aussage zu, dass Fernsehen mit der Familie «auch künftig ein lieb gewonnenes Ritual» sein wird. Bei den 40- bis 59-Jährigen gab es es 56 Prozent Zustimmung.

www.publisuisse.ch

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