Dichter im Rausch

Im Restaurant Musigbistrot im Berner Monbijou wird jeweils am letzten Montag des Monats der Dichterkunst gefrönt. Wein ist dabei nicht Tabu, im Gegenteil.

Immer am letzten Montag des Monats findet im Musigbistrot das «Rauschdichten» statt.

Immer am letzten Montag des Monats findet im Musigbistrot das «Rauschdichten» statt. Bild: Fotolia

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Immer am letzten Montag des Monats wird im Musigbistrot im Monbijou der Wortakrobatik gefrönt. Organisiert wird das Ganze von Renato Kaiser, seines Zeichens Spoken-Word-Künstler. Nebst ihm sind auch jedes Mal Sam Hofacher, Christoph Simon sowie ein Gast dabei. Das Konzept wurde von Pedro Lenz und Andreas Thiel übernommen, damals hiess es «Tintensaufen».

Das Restaurant ist familiär klein, und Stühle sind somit Mangelware. Der Auftritt des Gastes – das letzte Mal war es Julius Fischer – ist selbstverständlich das Highlight, vor allem, wenn dann noch in die Klaviertasten gegriffen wird und aus gesprochenen gerappte Wörter werden. Was dem Abend seinen Namen Rauschdichten verleiht, ist allerdings eine spezielle Disziplin.

Ein Rauschdichter wird ausgelost, und das Publikum gibt ihm fünf Wörter vor, die er in seinen Text einbauen muss. Einzige Hilfe dabei ist eine Flasche Rotwein, die für Eloquenz sorgen soll. Vergangenes Mal hatte Christoph Simon, aktueller Poetry-Slam-Schweizer-Meister, das Losglück und bekam die Wörter Affenbrotbaum, Hornisse, Made, Wanderhure und Umschwung. So verschwand der 42-Jährige im Hintergrund, vierzig Minuten später stand er auf der Bühne und las sein Werk vor.

Konzepte, wie man solch unterschiedliche Wörter in Zusammenhang bringt, gibt es einige. Zum Beispiel in einer netten Geschichte, doch Simon entschied sich, für jedes Wort eine Skizze zu machen. «Ich habe irgendwo begonnen, bin vor und zurück gegangen, ein Schluck Wein, Gefluche, Hauptsache: immer tippen, nicht stoppen», erklärte er.

Das Schwierige dabei ist, dass der Text mündlich funktionieren soll. Christoph Simon jedenfalls hat in den letzten zehn Minuten die Hälfte weggestrichen. Die Flasche Wein blieb auch nicht unberührt: «Drei Gläser haben geholfen, die Arbeitsstimmung hochzuhalten», gab der Saufpoet zu. Mit seinem Text erntete Simon Lacher und Disser aus den eigenen Reihen.

Neugierig geworden? Heute Abend geht das Rauschdichten in die nächste Runde. Gast ist diesmal Ahne aus Berlin. Und wie immer: Alles ist möglich.

Nächstes Rauschdichten: Montag, 30.3., 20 Uhr, Musigbistrot, Bern. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.03.2015, 11:51 Uhr

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