Verlagsförderung hat hohen symbolischen Wert

Literaturredaktorin Anne-Sophie Scholl über die Bundesgelder für Verlage.

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Ein wichtiger Schritt ist gemacht: Die Schweiz hat eine Verlagsförderung. Damit wird der grösste Sektor der Kulturwirtschaft für seine kulturelle Leistung gewürdigt. Endlich. Die Verlagsbranche war immer schon von Idealismus und Selbstausbeutung geprägt. Das verschärfte Wirtschaftsumfeld, der technologische Wandel haben ihr weiter zugesetzt. Die finanzielle Unterstützung soll den Verlagen helfen, in einem globalisierten Umfeld zu bestehen. Es ist ein Bekenntnis: Der Bund will eine Verlagslandschaft in der Schweiz. Und er ist gewillt, sich das etwas kosten zu lassen.

Verlage arbeiten nach wirtschaftlichen Kriterien. Aber nicht nur. Zentral ist die Frage, was kulturell bedeutsam ist. Und Kultur ist eben nicht nur hochstehende Lyrik. Kultur kann auch ein Comic sein. Oder ein Kinderbuch. Die Förderkriterien des Bundes tragen diesem Umstand Rechnung. Die Gelder sind an einen breit ausgelegten Kulturbegriff geknüpft.

Ein thematisch breites Kulturverständnis ist auf der Höhe der Zeit. Aber wie definiert sich kultureller Wert? Das zu entscheiden, dazu brauchts Professionalität. Es reicht nicht, Sätze zu drucken. Professionelle Verlage treffen eine qualitative Auswahl, sie verbessern den Text mithilfe eines Lektorats. Sie erbringen Vorleistungen an die Autoren, und mit einem professionellen Marketing und Vertrieb bringen sie die Bücher zum Publikum. Verlage erhalten Qualitätsstandards aufrecht, sie bauen Autoren auf. Es braucht Professionalität, damit – gerade im Umfeld der fortschreitenden Technologisierung – inhaltliche Qualität gewahrt werden kann.

Verlage erbringen eine kulturelle Leistung: Sie sind aber auch eine Wirtschaftsbranche. Was gedruckt wird, soll sein Publikum finden. Diesem Umstand trägt die Förderung Rechnung, indem der weitaus grösste Teil der Gelder an Verkäufe geknüpft ist: Die Verlage sollen nicht Bücher verlegen, die hohen kulturellen Ansprüchen genügen, aber kein Publikum finden. Tatsache ist jedoch: Der Schweizer Buchmarkt ist begrenzt. Zudem ist er in vier Sprachregionen aufgeteilt. Die Schweizer Verlagslandschaft ist kleinteilig. Viele Kleinverlage leisten wertvolle Pionierarbeit. Auch diese Pionierarbeit zu stützen, macht Sinn.

Klar ist aber auch: Die nun gesprochenen 1,85 Millionen Franken jährlich sind kaum mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Der Schweizer Buchmarkt setzt jährlich rund 600 Millionen um. Da können knapp 2 Millionen Fördergelder keinen Durchbruch bringen. Die Verlagsförderung hat vor allem symbolischen Wert. Sie markiert einen Paradigmenwechsel im Vergleich zu der wirtschaftlich ausgerichteten Buchpreisbindung quer durch die Branche. Die Verlagsförderung ist ein vielversprechender Anfang.

annesophie.scholl@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.01.2016, 08:55 Uhr

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