T. C. Boyle: «Was Trump macht, ist obszön»

T. C. Boyle ist Wortführer der Ökobewegung in den USA, Feminist und tritt für eine offene Gesellschaft ein. Alles Themen, die unter Präsident Trump den Bach runtergehen. Ein Gespräch über Kunst und Politik.

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T. C. Boyle, Sie stammen aus einer Arbeiterfamilie, also müssten Sie eigentlich Trump unterstützen.
T. C. Boyle: Das musste ich schon in der Amtszeit von Nixon und Bush erklären. Alle engen Freunde meiner Jugendzeit in New York waren jüdisch. Deren Eltern waren radikal links, sie waren Kommunisten und Anarchisten. Und das ist meine Politik. Sie ist das Gegenteil der politischen Überzeugungen meiner Eltern. Meine Eltern waren Republikaner. Aber sie waren gute Leute, die mir beigebracht haben, jeden anzunehmen, was auch immer seine Überzeugung sein mag. Meine Eltern waren nicht die typischen Leute, die heute für Trump stimmen würden.

Was hat Sie in Ihrer Kindheit zu Ihren linken Idealen geführt?
Die Hippiezeit! Wir mussten uns gegen Nixon und den Vietnamkrieg stellen. Das hat mich und viele Leute meiner Generation motiviert und unsere Politik geformt. Wenn es heute irgendeinen Hoffnungsschimmer gibt, ist es die neue Gegenkultur, die es bereits gibt. Zwei Tage nach der Amtseinweihung von Trump gingen meine Frau und meine Tochter auf den Women’s March, mit ihren pinkfarbenen Mützen.

Und Sie?
Die Frauen sollten gehen und ihr eigenes Statement machen. Meine Statements gebe ich gegenüber der Presse. Aber – wie langweilig ist es doch: Wenn Hillary gewonnen hätte, könnten wir nur über Literatur sprechen anstatt über diese schreckliche Übernahme durch die Rechte. (lacht)

Wir werden über Literatur sprechen. Als Kind mochten Sie erst Biologie, dann Musik und dann Literatur. Wie wurde Ihr Interesse für Literatur geweckt?
Bei uns zu Hause gab es keine Bücher. Mein Vater war in einem Waisenheim aufgewachsen und nur bis in die achte Klasse zur Schule gegangen. Meine Mutter war sehr klug, sie war Zweitbeste ihrer Klasse. Aber es gab keinen Vater in ihrer Familie. Also stand es gar nicht zur Diskussion, dass sie ins College gehen würde. Ich bin der Erste in der Familie, der ins College ging.

Wer hat Sie dabei unterstützt?
Gute Schulen, gute öffentliche Schulen.

Also die Lehrer?
Ja, natürlich. Ich hatte mein ganzes Leben lang grossartige Lehrer. Das war erstaunlich und wunderbar. Genau, wie es sein sollte. Es gab also Aufstiegschancen. Trump ist dagegen. Jetzt komme ich in Fahrt: Er hat diese Frau, Betsy DeVos, eingesetzt, die nie an eine öffentliche Schule gegangen war und die ein System mit Gutscheinen einführen will. Das heisst, dass es Staatsgeld für Weisse geben wird, die ihre exklusiven Schulen haben. Für alle anderen wird es keine Bildung ­geben. Das ist antiamerikanisch. Es zerstört das ganze Wertesystem, das es mir ermöglicht hat, der zu sein, der ich heute bin.

«In der Kunst braucht man nicht wirklich einen ­Lehrer. Man weiss selbst, was man tut. Ich brauchte nur jemanden, der sagt: ‹Hey kid, du bist auf dem rechten Weg. Bleib dran.›»

Führte die Schule Sie auch zur Literatur?
Bei uns zu Hause ging der Fernseher an, wenn wir nach Hause kamen. Er wurde abgestellt, wenn wir zu Bett gingen. Bücher kamen nach und nach zu mir. (Pause) In der Art, in der Bücher zu einem kommen sollten: weil sie subversiv sind, weil sie interessant sind. Man liest diese Bücher, weil man sie nicht lesen sollte.

Welches war ein solches Buch?
Die frühen Bücher waren Tiergeschichten. Und Comics. Mit siebzehn war ich Teil des geistigen Gärungsprozesses am College. Ich war kein guter Schüler, ich ging nicht so oft in die Schul­stunden, aber ich las: Bücher von García Márquez, Jorge Luis Borges, Thomas Pynchon, Günter Grass, Miguel Ángel Asturias.

Bücher, die in der damaligen ­Jugendkultur populär waren.
Ja. Die Bücher dieser Zeit haben mich in der Literatur geformt.

Auf Ihrer deutschen Website wird John Irving genannt.
John Irving war einer meiner Lehrer an der Graduate School, neben Vance Bourjaily und John Cheever. Aber in der Kunst braucht man nicht wirklich einen Lehrer. Man weiss selbst, was man tut. Ich brauchte im Grunde nur jemanden, der sagt: «Hey kid, du bist auf dem rechten Weg. Bleib dran.»

Sie haben oft gesagt, Schreiben sei für Sie wie eine Droge. Wie meinen Sie das?
Man erschafft etwas, und wenn man sieht, wie alles zusammenkommt, empfindet man einen ­gewaltigen Rausch. Aber wie bei einer Droge vergeht das Gefühl. Dann will man es wieder haben und wieder und wieder.

Was genau macht die Sucht aus?
Sie schreiben selber, also wissen Sie es.

Unsere Leser wissen es nicht.
Die Leser wissen es auch. Jeder von ihnen hat einmal einen Text für die Schule geschrieben.

«Man lebt im ­Unbewussten, wenn man ein Buch schreibt und wenn man es liest. Das ist das Grossartige an der Kunst.»

Das war vermutlich harte Arbeit.
Es ist harte Arbeit. Man sammelt Informationen über ein Thema. Dann gibt es einen erstaunlichen Prozess im Gehirn, der das Ganze zusammenfasst und eine Struktur dafür findet. Dieser Prozess löst einen aus dem Bewusstsein heraus. Man lebt im Unbewuss­ten, wenn man ein Buch schreibt und wenn man es liest. Das ist das Grossartige an der Kunst. Besonders an Kunst auf dem Papier, weil sich da jeder Leser das Unbewusste selbst erschaffen muss.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor?
Ich habe keine Skizze, ich lasse es einfach fliegen und folge ihm Tag für Tag. Deshalb ist es so aufregend für mich.

Was stand bei Ihrem jüngsten Buch am Anfang?
Das ist eine grossartige Frage. Ich war mir dessen nicht wirklich bewusst, bevor ich Interviews gab. Nicht die Worte stehen am Anfang. Es ist eine Art Bild. Ich sehe eine Szene, und dann übersetze ich das in Worte, und dann geht es los. Der erste Satz kommt. Es ist sehr rhythmisch. Ich höre immer Musik, wenn ich arbeite, jedes Buch hat seinen Beat.

Typisch für Ihre Bücher ist auch die Satire.
Für fast alle Bücher ausser ...

... ausser «San Miguel».
Dort ging ich von einem Textfragment aus, das keine Ironie verwendete. Es war das schwierigste Buch, das ich je geschrieben habe, aber ich bin froh, habe ich es versucht. Es ist so, ich schaue mit Humor und Ironie auf die Welt.

Warum?
Ich gebe Ihnen eine kurze Antwort. Das Leben ist absolut bedeutungslos, und wir sind Tiere, die dazu verdammt sind, zu sterben. Die einzige Form, wie ich damit umgehen kann, ist, darüber Witze zu machen. Im Englischen sagen wir: «Whistling past the graveyard» – man läuft über den Friedhof, und man pfeift dazu, um sich selbst aufzumuntern. Es ist das Gleiche, wenn wir ironische Witze machen über das Elend des Lebens. Ich bin mit dem römisch-katholischen Glauben aufgewachsen. Aber dann lernte ich an der Schule Erd­wissenschaften. Seither bin ich Atheist. Am College fiel ich ins Labor der Existenzialisten – Jean Paul Sartre und Camus. Hier also bin ich, gefangen zwischen den beiden Polen: Gibt es eine spirituelle Dimension für uns – oder ist alles nur Tod? Es dauert eine Weile, sich davon zu erholen. (lacht laut)

In diesem Spannungsfeld verhandeln Sie politische Themen. Aber Sie sehen sich nicht als politischen Autor. Wieso nicht?
Klar, ich kann Ihnen eine Checkliste geben: Was denkt er über die Umwelt, über Frauenrechte. Wenn Sie meine Bücher lesen, werden Sie es erfahren. Aber Kunst und Politik sollten sich nicht vermischen. Wenn man eine Position einnimmt: Erzähl es den Journalisten, halte eine Rede, schreib einen Essay. Aber Kunst soll Verführung sein. Und eine gleichberechtigte, partnerschaftliche Beziehung zwischen Autor und Leser. Man kann seinen Lesern nicht eine bestimmte Weltsicht aufdrängen. Sie wollen sich ihre eigene Meinung bilden. Gute Kunst ermöglicht das.

Wie funktioniert die Ver­führung?
Durch die Kunstfertigkeit des Künstlers. Schönheit und Cleverness und Ehrlichkeit und Freude eines Kunstwerkes berührt den, der es anschaut, oder den Leser. Es bewegt sie, es gibt ihnen einen emotionalen Rausch, bringt sie zum Lachen. Was auch immer.

Wer liest, muss sich in die Figuren hineindenken. Schult Lite­ratur die Empathie?
Absolut. Über die Jahre hinweg sind Tausende von Leuten zu mir gekommen und haben gesagt, mein bekanntestes Buch «América» habe ihr Leben verändert. Ich schreibe darin über ein privilegiertes weisses Paar und ein ­illegales mexikanisches Paar. Wie können sie sagen, die Mexikaner seien schlecht, wenn sie zwei kennen, nachdem sie dieses Buch gelesen haben? Das gibt mir ein tolles Gefühl. Aber es war nicht meine Absicht, das zu tun. Ich wollte das Thema erkunden: Was denke ich darüber?

«Ich habe keinerlei Gemeinsamkeiten mit der Rechten. Und sie nicht mit mir.»

Allerdings dürften die meisten Ihrer Leser ohnehin Ihre Sicht auf die Welt teilen.
Das ist genau so. Deswegen bin ich in Amerika Teil des politischen Problems. Ich habe keinerlei Gemeinsamkeiten mit der Rechten. Und sie nicht mit mir. Wenn ich leidenschaftlich über Bildung und öffentliche Schulen spreche, stimmen mir alle im Publikum zu. Ich gehe nicht zu Versammlungen des Ku-Klux-Klans. Die haben in ihrem ganzen Leben kein Buch gelesen. Ebenso wenig Mr. Trump, vermute ich. Daher ist es schwierig, bei dieser Bevölkerung Empathie herzustellen. Sie nehmen nicht teil. Kurz also: Life sucks, und wir alle werden bald tot sein. (lacht)

Wenn Sie Amerika heute sehen, haben Sie manchmal das Gefühl, Sie seien in einem Ihrer Bücher aufgewacht?
God help us ... Weil all die Themen wahr werden? Mein aktuelles Buch «Die Terranauten» habe ich vor Trump geschrieben. Am realen Experiment einer zweiten Biosphäre hat mich beeindruckt, wie ausschliessend die Einrichtung ist. Damals, 1991, ging es um acht weisse Menschen, die das Leben auf dem Mars proben sollten. Sie waren sehr privilegiert: Den Ort zu bauen kostete 150 Millionen Dollar, dazu 1 Million pro Jahr allein für die Elektrizität. Aber: Was passiert mit dem Rest von uns? Ich hatte nicht realisiert, wie relevant das Thema gerade jetzt ist: Natürlich ist das eine Mauer aus Glas.

Trump ist nun fast einen Monat an der Macht. Wie beurteilen Sie seine Regierung?
Etwas gibt mir Hoffnung: die vielen Titelseiten über das Chaos, das er aus purer Inkompetenz schafft. Vielleicht wird es ein Absetzungsverfahren geben wegen all der Verbrechen, die er begeht. Auch die Republikaner hassen ihn. Er ruiniert das ganze Land, und er ruiniert es für sie. Der rechte Flügel wäre dann noch immer an der Macht, aber das ist kein Vergleich zu Trump. Was er macht, ist obszön. Ich hoffe nur, unsere Demokratie wird über­leben. Und ich hoffe, unsere Umwelt wird überleben.

Wie ist die Demokratie bedroht?
Demokratie ist ein rares Gut. Gangs führen gewöhnlich die meisten Länder. Putins Gang führt Russland. Die meisten der afrikanischen Länder werden von Diktatoren und Gangs geführt. Das islamistische Kalifat ist nur eine Entschuldigung für eine Gang, alle Ressourcen an sich zu reissen und andere Leute zu versklaven. Demokratie ist rar. Wir haben einen starken Mann, der übernommen hat, indem er die Arbeiterklasse mit Propaganda manipuliert hat. Er hat seine geheimen Berater, er hat seine geheimen Deals. Wir hoffen, dass unsere Gerichte und unser Kongress und unser Senat das ausgleichen können.

Institutionen, die sich dem Präsidenten widersetzen, reizen die demokratischen Regeln aus – ist das nicht auch eine Gefahr?
Er ist kein Diktator, er hat keine absolute Macht. Natürlich, Mussolini und Hitler waren beide auch gewählt. Ich glaube, unsere Demokratie ist sehr stark, und wir werden das überleben.

Und Sie glauben auch an eine Repolitisierung der Leute.
Absolut. Es gibt noch etwas anderes: Seit Jahren lebe ich jeweils einige Monate pro Jahr im Sequoia National Park und habe dort in den Bergen ein paar gute Freunde. Sie alle gehören der Arbeiterklasse an. Ich habe also eine Vorstellung davon, was Trump so anziehend macht für diese Leute: Sie schauen sich Fox News an, hören «Hate Radio». Und sie glauben, das sei wahr. ­Darum unterstützen sie ihn. Aber: Sie werden keine Arbeit ­finden. Ihre Kinder werden keine Gesundheitsversorgung haben. Sie werden keine Bildung be­kommen. Es wird keine Aufstiegsmöglichkeiten geben. Sie werden es auf die härteste Tour lernen. Wie sie es schon bei Bush taten. Aber sie vergassen es. Acht Jahre später taten sie das Gleiche: Sie stimmten gegen ihre eigenen Interessen, ohne es zu merken.

Wie informieren Sie sich?
Ich schaue nie fern. Ich höre das nationale öffentliche Radio, morgens und abends. Ich lese zwei Zeitungen, den «New Yorker» und das «Harper’s Magazine». Und klar, all das unterstützt mich in meiner Weltsicht. Genau wie beim rechten Flügel. Das Land ist vollständig geteilt.

Sind Sie ein Pessimist?
Are you kidding? (Pause)Ich habe einen düsteren Blick auf die Zukunft. Wir wissen nicht, warum wir hier sind. Wir wissen nicht, was das Leben ist, was es bedeutet. Trotzdem muss man versuchen, das Leben für alle in der Gesellschaft zu verbessern. Ich bin sehr glücklich, dass ich mein ganzes Leben lang enge Beziehungen mit Leuten gehabt habe. Meinen besten Freund kenne ich, seit ich dreieinhalb Jahre alt bin. Ich bin der einzige Autor der Geschichte, der eine einzige Frau hat. Ich habe Kinder. Das gibt mir die Stabilität, die ich brauche gegen all das Chaos der Welt.

Ihrem letzten Buch «Hart auf hart» haben Sie ein Zitat von D. H. Lawrence vorangestellt: «Die amerikanische Seele ist ihrem Wesen nach hart, einzelgängerisch, stoisch und ein Mörder.» Wie sehr trifft die Aussage auf Sie selbst zu?
Wenn ich dem Buch ein Zitat voranstelle, nutze ich es als eine Art These. Mich interessiert: Stimmt das? In «Hart auf hart» erforsche ich die Vorstellung der amerikanischen Gemeinschaft der Pioniere – und die antiautoritäre Ader in allen Amerikanern, ich eingeschlossen. Wie schafft man eine Gemeinschaft? Wir alle wollen unsere Freiheiten. Aber wenn wir alle genau das tun, was wir wollen, haben wir eine Anarchie, keine Gemeinschaft. Das betrifft auch die aktuelle politische Situation in Amerika. Im Buch geht es um die extreme Rechte – damit sagt das Buch auch voraus, was jetzt passiert. Es ist, als wäre ich eine Kristallkugel.

«Wir sind Tiere, wir sind dazu bestimmt, in der Natur zu leben und unsere Sinne dafür zu öffnen.»

Wie wichtig ist für Sie selbst der Rückzug in den Wald?
In der Abwesenheit Gottes ist die Natur mein Gott, und die Kunst ist mein Gott. Die meisten Leute, besonders in städtischen Gesellschaften, leben entfremdet von der Natur. Aber wir sind Tiere, wir sind dazu bestimmt, in der Natur zu leben und unsere Sinne dafür zu öffnen. Wenn ich im Sequoia National Park mit Schreiben fertig bin, laufe ich einfach hinaus in die Wälder. Dann habe ich diese kontemplative Zeit, in der mein Denken runterfährt. Ich bin einfach draussen und höre den Bach und die Vögel. Diese ganz unmittelbare Erfahrung der Natur ist wahnsinnig wichtig für mich. Die meisten Leute erleben das nicht. Sie sind auf ihre Maschinen fixiert. Mit dem Lesen ist es genauso. Viele Leute lesen nicht mehr, weil sie sich kontemplative Zeit gar nicht mehr vorstellen können.

Ihr neues Buch, über das Sie in Ihrem Blog schreiben, führt Sie in die Schweiz.
Ich habe erst vierzig Seiten geschrieben. Es geht um die frühen Tage von LSD. Am Anfang wurde LSD in der Psychiatrie verwendet, um Leuten den Zugang zu ihren Sinnen zu öffnen. Man nennt das ein Entheogen: Es ermöglicht einem, Gott zu sehen. Die Idee fasziniert mich – wir haben ja vorhin über Gott gesprochen. Jeder weiss, was mit LSD nach 1965 passierte. Deshalb schreibe ich nur über die frühen Tage. Es fängt in Basel an, mit Albert Hofmann.

Haben Sie LSD genommen?
Ja. Aber nicht in der jüngsten Zeit. Und ich werde es nie wieder tun. Es tat mir nicht gut, und es jagt mir zu sehr Angst ein. Aber es fasziniert mich.

Haben Sie in Basel recherchiert?
Ich war auch schon in Basel. Aber für das Buch brauche ich keine Recherche in Basel. Ich schreibe nur aus der Sicht von Hofmanns Assistentin – die erste Frau, die LSD genommen hat. Susi Ramstein war 19 und die einzige ­Assistentin im Labor von Sandoz. Das ist aber nur der Prolog, danach führt das Buch nach Amerika. Es wird aber auch einen Epilog geben mit Albert Hofmann, ebenfalls in Basel. Es kann auch sein, dass ich das Buch nicht schreibe. Aber ich denke, ich werde es tun.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 20.02.2017, 10:03 Uhr

Im Gespräch

Thomas Coraghessan Boyle sei hinausgegangen, heisst es in seinem Hotel in Stuttgart. Also suchen wir den erklärten Naturliebhaber im angrenzenden Schlossgarten. Er habe Fotos für seinen Twitteraccount gemacht, den er auf Geheiss seines Verlages eingerichtet habe, erklärt er, als er auftaucht. Dann schiesst er ein Bild der Fotografin und postet es gleichentags auf seinem Account. «It’s great fun», sagt er. Aber er folge niemandem. Und er lese auch nie die Tweets von anderen. Er mache nur sein Ding. So ähnlich wie Trump also. Doch das dürfte das Einzige sein, was er mit dem amerikanischen Präsidenten teilt.

T. C. Boyle (68) ist sehr zuvorkommend. Interessiert fragt er: «Sie kommen aus Bern?» In früheren Jahren hatte der in Kalifornien lebende Autor von 16 Bestsellerromanen und mehreren Bänden mit Kurzgeschichten in der Bundesstadt gelesen, die letzten Male in Zürich. Er liebe Zürich wegen des Flusses, der die Stadt teile, sagt er und erzählt, wie er das letzte Mal dort Blesshühner gesehen habe, die mitten unter den Touristen ihre Nester gebaut hätten. Seine Lesetour, auf der er seinen jüngsten Roman «Die Terranauten» (Hanser, 608 S.) vorstellt, führt Boyle wiederum nach Zürich. Die Lesung im Kaufleuten war allerdings kurz nach Bekanntgabe bereits ausverkauft. (ass)

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