Schweizer Firmen setzen zu wenig digitale Technologien ein

Wenn es darum geht, digitale Innovationen hervorzubringen und zu nutzen, ist die Schweiz nur Mittelmass.

Da ginge noch mehr: Schweizer Firmen nutzen das technologische Potential zu wenig. Foto: iStock

Da ginge noch mehr: Schweizer Firmen nutzen das technologische Potential zu wenig. Foto: iStock

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Bei internationalen Standortvergleichen schneidet die Schweiz in der Regel gut ab. Beim Ranking des World Economic Forum der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften zum Beispiel scheint die Schweiz Platz eins fast schon abonniert zu haben. Doch wenn es darum geht, ­digitale Technologien zu entwickeln oder auch nur anzuwenden, liegt die Schweiz im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld.

Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung Deloitte mit BAK Economics. «Die mangelnde Verbreitung digitaler Technologien in den Unternehmen ist das grösste Problem in der Schweiz», sagt Michael Grampp, Chefökonom bei Deloitte. Auch im Bildungswesen gebe es Defizite: «Vor allem in der schulischen Grundausbildung kommen IT-Kenntnisse zu kurz», erklärt Deloitte-Ökonom Luc Zobrist. Die Studie stützt also die Forderungen des Dachverbandes Economiesuisse, dass Schweizer Schulen die Möglichkeiten digitaler Technologien stärker nutzen sollten.

Platz 1: USA

Die Studie will die digitale Innovationsfähigkeit der Schweiz vermessen. Dazu haben Deloitte und BAK einen Index ermittelt, wie die Schweiz im Vergleich von 35 untersuchten Mitgliedsländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bei Entwicklung, Anwendung und Kommerzialisierung digitaler Technologien abschneidet.

Die Untersuchung stützt sich auf drei Hauptgebiete: zum einen die Verfügbarkeit von Talenten. Zum Zweiten, wie leicht es ist, ein Unternehmen zu gründen und zu entwickeln, und zum Dritten, wie hoch die Investitionen in die digitale Innovation sind. Insgesamt belegt die Schweiz in diesem Innovationsfähigkeitsranking mit 51 Punkten Rang 8 von 35 untersuchten Ländern. Auf Platz 1 mit 67 Punkten kommen die USA, gefolgt von Finnland (58 Punkte) und Israel (55 Punkte).

Chancen werden nicht genutzt

Die mangelnde Verbreitung digitaler Technologien in den Unternehmen ist aus Sicht der Studienautoren ein wichtiger Grund dafür, dass das Wachstum der Produktivität in der Schweiz schlechter ist als in anderen Industriestaaten. «Bei der Zahl der digitalen Patente pro Kopf kann sich die Schweiz in den Top 10 platzieren», sagt Marc Bros de Puechredon von BAK Economics. Doch die Unternehmen nutzen diese Erfindungen nicht konsequent genug, um bessere Produkte zu entwickeln. Oder anders ausgedrückt: Digitaltechnologien würden in anderen Technologiefeldern wie Maschinenbau, Chemie oder Pharma zu wenig eingesetzt.

Das fange schon bei einfachen Dingen wie dem Arbeitsplatzdesign an. «Schweizer Unternehmen sollten mehr Freiheiten gewähren und sich von fixen Arbeitsplätzen verabschieden, wo dies möglich ist», rät Deloitte-Experte Zobrist. Mitarbeitende sollten mal zu Hause, mal im Gemeinschaftsbüro arbeiten; dank digitaler Kommunikation seien solch flexible Modelle heute möglich und würden die Produktivität steigern. Wichtig sei aber, dass die Chefs hier mitmachten. «Das funktioniert nicht, wenn der Chef weiterhin sein Einzelbüro hat», sagt Zobrist.

«Zu viele bürokratische Hürden»

Im Bereich «Verfügbarkeit von Talenten» schneidet die Schweiz dagegen sehr gut ab, was an der Qualität des Bildungswesens liegt und der Tatsache, dass die Schweiz für ausländische Toptalente attraktiv ist. Mängel gebe es dagegen in der Vermittlung von digitalen Grundtechniken in Schule und Ausbildung.

Erstaunlich ist der Befund der Studie mit Blick auf die Attraktivität der Schweiz für das Unternehmertum. Denn hier schneidet das Land mit Platz 17 nur mittelmässig ab. «Es gibt in der Schweiz noch zu viele bürokratische Hürden, um ein Unternehmen zu gründen», begründet Studienautor Grampp. Auch eine Insolvenz würde zu lange und zu kompliziert sein. Vorbild wären hier die USA. «In den USA kann man wenige Tage nach einer Insolvenz schon das nächste Unternehmen gründen», so Grampp.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2018, 00:07 Uhr

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