Er sorgte für den bewegendsten Olympia-Moment

Bei der Eröffnungsfeier der Sommerspiele 1996 in Atlanta entzündete der bereits schwer kranke Muhammad Ali mit zitternden Händen das Olympische Feuer.

Ein Moment für die Ewigkeit: Muhammad Ali entfacht das Olympische Feuer. Video: Youtube.

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Es waren Sekunden für die Ewigkeit. Diese Sekunden, in denen Millionen von Menschen den Atem anhielten: Muhammad Ali zitterte. Und mit ihm die ganze Welt. Die von Parkinson gezeichnete Boxlegende, gekleidet in einem weissen Trainingsanzug, stand in Atlanta bei der Eröffnungsfeier der XXVI. Olympischen Spiele auf der Bühne, um das Feuer zu entzünden und die Spiele damit offiziell zu eröffnen. In diesem Moment wurde der Weltöffentlichkeit bewusst, wie schwer erkrankt der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister war.

«Meine linke Hand zitterte wegen Parkinson, die rechte vor Angst. Aber ich habe es irgendwie mit beiden hingekriegt, das Ding anzuzünden», erzählte Ali später. Der damalige US-Präsident Bill Clinton weinte, der ehemalige britische Olympia-Teilnehmer Roger Black sagte in einer Dokumentation von «ESPN» über das legendäre Ereignis: «Alis zitternde Hand zu sehen, wie er versucht das Feuer anzuzünden: Das sind Bilder, die ich niemals vergessen werde.» Und Sportkommentator Jon Champion ergänzte: «Es war wirklich sehr schwer, die Tränen zu unterdrücken. Es war in mehrfacher Hinsicht einer seiner grössten Momente.»

Bis zum Zeitpunkt, bei dem Ali bei der Eröffnungszeremonie im Centennail Olympic Stadium das Feuer überreicht bekam, wusste niemand vom Auftritt der Ikone. Umso grösser war die Überraschung und der Jubel, als Muhammad Alis Name auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Und als das Feuer endlich entfacht war, gab es kein Halten mehr. «Ali, Ali», dröhnte durchs Stadion, als würden die Zuschauer den «Thrilla in Manila» und den «Rumble in the Jungle» gleichzeitig nochmals erleben.

Eine Kehrtwende für Muhammad Ali

Bei dieser Gelegenheit überreichte ihm das Olympische Komitee (IOC) einen Ersatz für die Goldmedaille von 1960, die er verloren hatte. Über den Verlust gibt es die Legende, dass Ali sie aus Frust über die anhaltenden rassistische Schmähungen in den Ohio River geworfen habe. Mehrere Wegbegleiter und Biografen bezweifeln diese Version jedoch stark – er hat das Edelmetall wohl ganz einfach verloren.

Atlanta 1996 war für den gefallenen Champion eine Kehrtwende. Zuvor schien er am Ende, war verbittert, zog sich zurück und verweigerte für eine Zeit lang gar die Einnahme von Medikamenten, die seine Krankheitssymptome lindern sollten. Dieser emotionale Moment bedeutete jedoch sein nächstes Comeback. «USA Today», die «BBC» und «Sports Illustrated» ernannten Ali zum «Athleten des Jahrhunderts», trotz immer schlechter werdenden Gesundheitszustands war er wieder allgegenwärtig. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte der konvertierte Muslim einen bewegenden TV-Auftritt, in dem er sagte: «Der Islam bedeutet Frieden». Daraufhin erhielt er die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, die UNO ernannte Ali zum «Botschafter des Friedens». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2016, 09:47 Uhr

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